Medikamente Studien sollen beim Sparen helfen
Wolfgang Borgmann, 13.03.2010 10:06 Uhr
Das Angebot im Apothekenschrank ist reichhaltig. Doch längst wird nicht mehr alles fraglos bezahlt. Foto: dpa
Das Angebot im Apothekenschrank ist reichhaltig. Doch längst wird nicht mehr alles fraglos bezahlt. Foto: dpa


Doch der Bundesausschuss erkannte diesen Zusatznutzen, der sich im Preis ausdrücken sollte, nach vorheriger wissenschaftliche Beratung vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit nicht an. Auch in diesem Fall bekam der Bundesausschuss gerichtlich in zweiter Instanz recht. Doch die Fachwelt schrie auf, und erfahrene Diabetesspezialisten wie der langjährige Stuttgarter Klinikchef Wolfgang Beischer schütteln noch heute den Kopf: der Zusatznutzen sei unbestreitbar, sagen sie. Diabetelogen rügten vor allem, dass das Erfahrungswissen von Ärzten und Patienten in die Beurteilung nicht eingegangen sei.

Doch es blieb beim Nein. Die beiden Hersteller ließen sich in einzelnen Verhandlungen mit den Kassen auf niedrigere Preise ein. Da ging es schon lange nicht mehr um reine Wissenschaft, nicht nur um Nutzen und Nebenwirkungen, sondern eben auch um Wirtschaftlichkeit der Medikamente.

Medikamenteneinsparung ist möglich


Nun sollen sich die Kölner Gesundheitsprüfer vermehrt um Kosten-Nutzen-Betrachtungen kümmern und bewegen sich damit bisher auf dünnem Eis. Denn es gibt, wie der Freiburger Methodiker und Leiter des Deutschen Cochrane Zentrums Gerd Antes berichtet, heute kaum wissenschaftlich ausgereifte Modelle für eine solche Prüfung. Grundsätzlich aber hält er die Richtung für richtig: Unter dem Diktat der begrenzten Mittel führe kein Weg darin vorbei, auf dem Boden solider Studien Kosten-Nutzen-Bewertungen vorzunehmen.

Beeindruckt zeigt er sich von dem Versuch einer Tübinger Studiengruppe von Medizinethikern, an das Tabuthema Rationierung heranzugehen. An zwei konkreten Beispielen haben sie, wie berichtet, mit Hilfe der evidenzbasierten Medizin zu demonstrieren versucht, wie Einsparungen möglich sein könnten, ohne den Patienten zu schaden. Doch das ist eine schmale Gratwanderung. An diesen Versuch hat sich bisher noch nicht einmal der sportlich auftretende Philipp Rösler herangewagt.
Kommentare (1)
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MRZ
14
Stuttgarter II, 12:21 Uhr

Medikamentenstudien

Hallo Herr Borgmann, wie sind sie denn zu diesen Zwischenüberschriften gekommen? Wenn man diese liest, bekommt man irgendwie einen anderen Eindruck als beim Lesen des ganzen Artikels. Müsste da nicht sowas stehen wie "Klagen letztlich abgewiesen" oder "Entscheidungen des IQWIG gerichtlich bestätigt" ? Und ist die Erkenntnis, daß wissenschaftliche Gutachten sich widersprechen können, wirklich neu? Was genau steckt denn hinter der "evidenzbasierten" Medizin, das wäre sehr interessant zu erfahren? Ein langer Artikel und alle Fragen offen... Und wenn ich schon so schön dabei bin: warum heißt die "Wissen"-Seite der StZ eigentlich so - verbreitet man auf den übrigen Seite denn Nichtwissen?