Medizin Daten in populären Studien über Wein waren getürkt
Susanne Janssen, 29.01.2012 18:31 Uhr
Wie gut ist Rotwein für die
Gesundheit? Das muss nun neu geklärt werden. Foto: dpa
Wie gut ist Rotwein für die Gesundheit? Das muss nun neu geklärt werden. Foto: dpa
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New York - Es klingt zu schön, um wahr zu sein: das tägliche Gläschen Rotwein zum Essen beugt der Arteriosklerose ebenso vor wie bestimmten Krebsarten, außerdem hält der gute Tropfen jung. Diese Wirkung wird dem Wirkstoff Resveratrol zugeschrieben, der in der Schale von Weintrauben enthalten ist - und zwar umso mehr, je härter die Witterungsbedingungen für die Trauben waren. Doch der Wahrheitsgehalt dieser wissenschaftlichen Entdeckung ist nun erschüttert: Der führende Forscher auf diesem Gebiet, der Kardiologe und Chirurg Dipak Das von der Universität von Connecticut, ist der Fälschung seiner Studien überführt.

In einem knapp 60.000 Seiten langen Bericht wirft die Universität ihrem prominenten Professor vor, an 145 Stellen die Daten gefälscht zu haben. Er soll statistische Ergebnisse verzerrt und Bilder manipuliert haben. Das berichtete jetzt die Fachzeitschrift "New Scientist". Gegen Das wird ein Entlassungsverfahren eingeleitet, seine Forschungsgelder sind eingefroren, und alle seine Forschungsberichte über Resveratrol verlieren ihren Wert.

Der 65-jährige Dipak Das war in den vergangenen Jahren immer wieder durch verblüffende Ergebnisse aufgefallen. Seine These, dass Rotwein, Weißwein und sogar Bier eine gesundheitsfördernde Wirkung haben, wurden schnell äußerst populär. Rund 115 Artikel hatte der Wissenschaftler, der aus Indien stammt und seit 1984 and der Universität von Connecticut forschte, über die Wunderwirkungen von Wein publiziert.

Unabhängige Überprüfung in Arbeit

Ob die Fälschung bedeutet, dass der gesundheitliche Nutzen des Wundermoleküls Resveratrol für das Herz insgesamt in Zweifel gezogen werden muss, ist noch unklar - das US-Büro für die Integrität der Forschung hat eine unabhängige Überprüfung seiner Arbeit begonnen. Die Ermittlungen gegen Dipak Das begannen im Januar 2009 nach einem anonymen Hinweis aus dem Labor des kardiovaskulären Forschungszentrums, das er seit einigen Jahren leitete. Seine Arbeiten über Resveratrol bilden einen wesentlichen Beitrag in der Forschung über die Wirkung dieses Polyphenols.

Es soll die Hirndurchblutung verbessern, den Glukosehaushalt optimieren, antientzündlich wirken und Krebs vorbeugen - dies allerdings bisher nur in Tierversuchen. Ebenfalls in Experimenten mit Tieren fanden Forscher heraus, dass eine prophylaktische Gabe von Resveratrol den Schweregrad eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts verringerte.

In der Traube aktiviert Resveratrol das Immunsystem zur Abwehr von Pilzen, Bakterien und Viren, zudem schützt es vor UV-Strahlen und toxischen Stoffen. Dipak Das scheute in der Präsentation seiner Ergebnisse auch vor drastischen Vergleichen nicht zurück - er setzte Resveratrol mit Aspirin gleich: "Es hindert die Blutplättchen in den Koronararterien am Verklumpen." Zudem würden Plaques daran gehindert, sich an der Gefäßwand festzusetzen.

Weinliebhaber können immer noch hoffen

Alle elf Fachmagazine, die Artikel von Das publiziert haben, wurden jetzt gewarnt. Unklar ist allerdings, ob sich die Fälschungen nur auf statistische Korrelationen oder auf die Wirkungen von Resveratrol insgesamt beziehen. Laut des Ermittlungsberichts der Universität soll Dipak Das Daten aus verschiedenen Experimenten zusammengemixt, aber als eine Versuchsreihe ausgegeben haben.

Trotzdem gehen andere Resveratrol-Forscher davon aus, dass man nicht grundsätzlich an den positiven Wirkungen des Polyphenols zweifeln sollte: "Es gibt viele Studien, die belegen, dass Resveratrol eine präventive Wirkung bei Mäusen und Ratten gezeigt hat", sagte David Sinclair, Forscher an der Harvard-Universität, gegenüber dem Fernsehsender CBS. Die Tiere hätten nach der Gabe von Resveratrol weniger unter Typ-II-Diabetes, Neurodegeneration, Fettleber und Entzündungen gelitten.

Allerdings setzt Sinclair seinen Schwerpunkt auf den Anti-Aging-Effekt des Moleküls, weniger auf die Auswirkungen auf das Herz, was das Spezialgebiet von Dipak Das war. Andere Studien sollen belegen, dass Resveratrol das schlechte Cholesterin senkt und die Herzkranzgefäße schützt. Weinliebhaber können deshalb immer noch hoffen, dass ihr Lieblingsgetränk eine positive Wirkung hat - wenn es in Maßen genossen wird.

Kommentare (2)
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JAN
30
oje..., 23:30 Uhr

uwe

nicht aufregen. Was ist denn politisch unkorrekt an getürkt? Nur weil das Wort Türk vorkommt? Heieiei....Schwarzfahrer ist auch ein böses Wort!

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JAN
29
Uwe Iber, 19:49 Uhr

"Getürkt"

Über den umgangssprachlichen "Journalisten"stil in der StZ gehe ich inzwischen wegen eines Überangebots achselzuckend hinweg. Aber ich bitte doch, eine gewisse sprachliche "political correctness" an den Tag zu legen. War die Daten vielleicht gefälscht? Oder manipuliert? Oder erfunden, unrichtig, unwahr?

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