Mehlwurm, Kakerlake & Co - die Dschungelcamp-Kolumne "Ihr dürft niemals ins Dschungelcamp gehen"

Von Marc Hippler 

Halbzeit im Dschungelcamp: Georgina stellt eine Art Weltrekord auf, Fiona dreht für Schokolade durch - und am Ende ist nicht ganz klar, welcher Silva nun eigentlich das Camp verlassen muss.

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Stuttgart - Grundbedürfnisse, das sagt ja schon das Wort, sind nichts besonders Hochtrabendes. Essen, Schlafen, Sex zählen dazu und im Falle der Dschungelcamp-Bewohner unbedingt auch: Aufmerksamkeit. Nach sieben Tagen lässt sich ganz schön beobachten, wie sich bei den sogenannten Prominenten diverse Bedürfnisse munter abwechseln. Manchmal tauchen auch zwei Triebe gleichzeitig auf und die betreffende Person macht etwas vollkommen Unerwartetes. Der Biologe spricht in diesem Fall von einer Übersprungshandlung. Gut möglich, dass bei dem ein oder anderen aus dem Dschungel-Ensemble das ganze Leben aus einer Verkettung von Übersprungshandlungen besteht.

Joey, das erscheint in seinem Fall sehr sinnvoll, konzentriert sich allerdings nur auf ein Bedürfnis, setzt sich ins Dschungel-Telefon und fragt einfach mal, ob er ein Snickers bekommen kann. Kann er natürlich nicht. Aber in der nicht minder entbehrungsreichen DSDS-Zeit hat der 19-Jährige das Castingshow-Mantra gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen: "Ich schaff es, wenn ich nur fest genug daran glaube." Fiona kennt das auch und möchte Allegra Curtis, die bislang nicht einmal durch Castingshows aufgefallen war, an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lassen: "Du schaffst es", flüstert sie in Allegras zeckenbefallenes Ohr auf dem Weg zu Dr. Bob, "du schaffst es." Sie wiederholt das ungefähr zweiundvierzigmal.

Massagen und gnadenlose Erotik

Aber zurück zu den Bedürfnissen. Da haben sich am achten Tag zwei Lager aufgetan. Die einen, die sexuelle Mangelerscheinungen herbeireden und die anderen, die sich nach Schokolade sehnen. Anführerin der ersten Mannschaft: Olivia. Sie spekuliert über Geschlechtsteilgrößen, kokettiert bei Massagestunden mit Patrick Nuo und stuft Klaus (von Klaus und Klaus) in die Kategorie "gnadenlose Erotik" ein. Fiona will keinen Mann, sie will lieber Schokolade. Und so muss der Dschungel orgiastisch-schrille "Schokolaaaaaaadeeee"-Schreie verkraften, als die Schatzsuche tatsächlich Kekse mit Schokoladenfüllung bringt. Es sind übrigens immer besonders schlanke Models, die behaupten, besonders viel zu naschen.

Für die gastronomische Grundversorgung war mal wieder Georgina zuständig, sie musste zum sieben Mal in Folge zur Dschungelprüfung antreten, was als internationaler Rekord gilt. Diesmal war sie in einem "11 Sterne Hotel" unterwegs, wo sie sich Zimmer mit einem Strauß und einem Krokodil, mit Maden, Würmern und Spinnen teilen mussten. Man kennt das. Sie kennt das. Deswegen geriet die Prüfung vergleichsweise unspektakulär und mit acht Sternen ziemlich erfolgreich. Inzwischen dürfte niemandem sonst im Camp so klar geworden sein, wie wichtig es im Showbusiness ist, sich für die eigene Demütigung auch noch zu bedanken.

Silva muss gehen

Ernst wurde die Stimmung, als Joey von seiner schweren Kindheit mit gewalttätigem Vater erzählte. Da wollen die ironisch-codierten Sehgewohnheiten so gar nicht mehr funktionieren. Aber die episodenhafte Schnittkunst von RTL hilft ja beim schnellen Vergessen. "Und eine Warnung hatte Joey außerdem parat: "Liebe Zuschauer, ihr dürft niemals ins Dschungelcamp gehen!" So schnell wie man durch sogenannte Reality-Formate prominent wird, ist die Gefahr ja tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen.

Selbstironie, das muss man sagen, beherrscht "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" aber wie kaum eine andere Sendung im deutschen Fernsehen. Wenn Daniel Hartwich "Armes Deutschland - ich guck ja nur Arte" sagt, passt das genau zu dem Widerpruch zwischen den Kommentarspalten auf den Online-Portalen und ewig guten Einschaltquoten (von RTL, nicht von Arte). Machen wir uns nichts vor: Das Dschungelcamp ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das kann man gut finden, muss man aber nicht.

Wer jetzt ohne das Camp auskommen muss, ist Silva. Ihn wählten die Zuschauer als ersten ab. Und wenn es noch eines Beweises bedurfte, warum Olivia großartig ist - und Dschungelkönigin werden muss -, gab es ihn mit ihrem Satz zu Silva: "Deine Show hat nicht funktioniert." "Das war der echte Silva". Sagt Silva. "Das glaub ich nicht." Sagt Olivia. So geradeaus war selten jemand im Camp.

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