Mensch gegen Maschine Schadenfreude kennt er nicht
Andreas Geldner, 17.02.2011 07:27 Uhr
Diese Art von „Jeopardy“ gab’s noch nie, wirbt die Internetseite der Sendung. Foto: dpa
Diese Art von „Jeopardy“ gab’s noch nie, wirbt die Internetseite der Sendung. Foto: dpa
New York - Was Watson bräuchte, sind ein paar sympathische Schwächen. Am Tag eins konnte die Menschheit beim ersten Duell Mensch gegen Maschine in einer Fernsehquizsendung noch Hoffnung haben. Einem der beiden Champions von "Jeopardy" war es am Ende wider Erwarten gelungen, gegen den kühlen Computer ein Unentschieden zu erzwingen. Doch an Tag zwei räumt der IBM-Computer mit dem von Sherlock Holmes' Assistenten entliehenen Namen monoton Frage um Frage ab - ob zu berühmten Kunstdiebstählen, menschlichen Krankheiten oder zur Geschichte der Universität Cambridge.

Zunehmend frustriert spielen die beiden menschlichen Kandidaten mit dem Daumen am blauen Alarmknopf. Watson ist einfach schneller. Am Ende hat die Maschine 35.734 Dollar Gewinn eingesackt und ist so gut wie uneinholbar davongeeilt. Die Gegner dümpeln bei 4.800 und 10.400 Dollar dahin. Wenn sich der Computer nicht ausgerechnet bei der leichten Schlussfrage nach zwei Flughäfen in Chicago verheddert hätte, dann hätten seine Spielpartner sogar katastrophal ausgesehen. Doch von seinem Spielgeldhaufen hat Watson nur 947 Dollar eingesetzt und verloren. Ein Computer pokert nicht. Dem Finale an Tag drei droht die Langeweile.

Drei Jahre lang mit Gigabyte um Gigabyte an Wissen gefüttert


Ihre Maschine könne eben die Nadel im Heuhaufen finden, sagten die IBM-Ingenieure in kurzen Videosequenzen während der Show. Drei Jahre lang fütterten sie Watson nicht nur mit Gigabyte um Gigabyte an Wissen, sondern brachten ihm in vielen Trainingsrunden bei, wie Inhalte in menschlicher Sprache verknüpft werden. Der Computer fischt in Bündeln an Begriffen, die bei "Jeopardy" in vertrackten Fragen verpackt werden, die Schlüsselwörter heraus und versucht sie sinnvoll zu verknüpfen. Wenn es etwa heißt "Paganinis ,24 Caprici' haben den Standard für Etüden mit welchem Instrument gesetzt?", erkennt er "Paganini", "Caprici" und "Instrument" - und folgert als Antwort "Violine". Drei plausible Antworten, die für die Zuschauer je nach Wahrscheinlichkeit mit roten, gelben und grünen Balken markiert sind, pickt sich die Maschine jedes Mal heraus. In diesem Fall schlägt "Violine" mit 71 Prozent "Piano" mit 20 Prozent.



Für Watson sind ganz andere Fragen kompliziert als für Menschen. Der Computer hat selbst obskures Wissen gespeichert - muss aber richtige Schlüsse ziehen. So scheitert Watson an einer einfachen Frage über die Plünderung von Bagdads Museen im Irakkrieg. Er fischt andererseits sekundenschnell Antworten zu abgelegenen Themen der Kunstgeschichte heraus. Für IBM ist die dreitägige Show nichts anderes als ein Werbeclip. 1996 war der Sieg des IBM-Schachcomputers Deep Blue gegen den Schachgroßmeister Garri Kasparow noch eine Sensation. Doch im Zeitalter von Google, wo jeden Tag eine undurchschaubare Maschine halbwegs präzise Suchergebnisse sortiert, löst der Triumph eines Computers, der dies ganz ohne Internetzugang vermag, wenig Emotionen aus.

Kommentare (1)
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FEB
17
Kurt Berber, 14:22 Uhr

Herkunft des Namens 'Watson'

Liebe STZ, bitte informieren Sie Ihre Leser gut recherchiert. Wer sagt Ihnen, dass der Name Watson von Sherlock Holmes kommt? IBM hat diesen Meilenstein der IT Geschichte einem seiner ersten und wichtigsten Firmenchefs gewidmet, Thomas J. Watson. Zudem trägt das research lab, wo Watson entwickelt wurde, diesen Namen. Ihre Phantasie in allen Ehren, Interpretation und Recherche sind zweierlei Paar Schuhe. Ansonsten vielen Dank für den Bericht.