Mercedes Auf Nummer sicher gehen
Ulrich Bethscheider-Kieser, 07.10.2011 06:45 Uhr
Bewährte Grundform, markante Linien: Die neue B-Klasse von Mercedes. Foto: Hersteller
Bewährte Grundform, markante Linien: Die neue B-Klasse von Mercedes. Foto: Hersteller

Die Erwartungen sind groß: Die neue B-Klasse, formuliert ein Mercedes-Sprecher, könne in Sachen Sicherheit ähnliche Zeichen setzen wie seinerzeit die Einführung des elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP) in der A-Klasse (die zuvor allerdings recht unvorteilhaft über den Elch gestolpert war). Heute ist ESP in den meisten Autos Standard.

Noch nicht Standard sind dagegen Kollisionswarnsysteme – und schon gar nicht in der Kompaktklasse, in der die neue, 4,36 Meter lange B-Klasse antritt. Die zweite Generation dieses Modells, die ab 19. November in den Handel kommt, ist serienmäßig mit dem radargestützten Kollisionswarner Collision Prevention Assist (CAP) ausgestattet. Dieses warnt den Fahrer optisch und akustisch vor einem drohenden Auffahrunfall. Tritt der Fahrer auf die Bremse, sorgt das System für die optimale Bremsleistung. Im Unterschied zu anderen Systemen auf dem Markt funktioniert die Technik nicht nur bei Geschwindigkeiten im innerstädtischen Verkehr, sondern ab Tempo 30 bis zur Höchstgeschwindigkeit. „Damit wollen wir Auffahrunfälle nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land und auf der Autobahn vermeiden“, erklärt Professor Hans Engel, Chefingenieur der neuen Kompaktfahrzeuge von Mercedes. Interne Tests im Simulator hätten die Unfallquote in typischen Fahrsituationen von 44 auf elf Prozent gesenkt.

Wie sich die neue B-Klasse wirklich anfühlt, wird indes nicht im Simulator, sondern auf der Straße deutlich. Der erste Eindruck bei der Sitzprobe: Dieses Auto beschert Wohlfühlatmosphäre. Im Vergleich zum Vorgänger markiert die Gestaltung des Innenraums einen wahren Quantensprung. Erstklassige Verarbeitung und die schwungvolle Armaturentafel, auf der serienmäßig ein 5,8 Zoll großes Display mit der Anmutung eines schicken Tablet-PC thront, machen einen guten Eindruck. Gegen Aufpreis ist auch eine Sieben-Zoll-Variante zu haben, die in seinen Gehäuseabmessungen aber nicht größer ist.

Ähnlich wie beim Vorgänger ist die Sitzposition in der B-Klasse erhöht, aber man sitzt deutlich bequemer: Weil auf den doppelten Boden der Karosserie verzichtet wurde, fühlt man sich nicht mehr so wie auf dem Kutschbock. Wer in der zweiten Reihe Platz nimmt, darf sich besonders freuen – hier bleibt mehr Platz für die Beine der Passagiere als in der deutlich größeren E-Klasse.

Erfreulich komfortabel fällt die Fahrwerksabstimmung der B-Klasse aus, was unter anderem der neuen Mehrlenker-Hinterachse zu verdanken ist. Trotz der am Testwagen montieren 18-Zoll-Räder, in Sachen Komfort eher kontraproduktiv, dämpft die B-Klasse Unebenheiten souverän weg, federt angenehm und vermittelt fast das Gefühl, in einem größeren Fahrzeug unterwegs zu sein.

Unterstützt wird die angenehme Atmosphäre durch die gute Geräuschdämmung der Motoren. Sowohl die beiden Benziner als auch die beiden Diesel sind neu konstruiert. Die mit Direkteinspritzung und Turboaufladung versehenen Benziner (1,6 Liter Hubraum, 90 kW/122 PS und 115 kW/156 PS) agieren laufruhig und kraftvoll. Die Mehrzahl der deutschen B-Klasse-Kunden wird sich aber vermutlich wieder für einen der beiden sparsamen Diesel entscheiden (1,8-Liter, 80 kW/109 PS und 100 kW/136 PS). Der schwächere von beiden ist mit seinem Leistungspotenzial allen Anforderungen des Alltags gewachsen und zeigte nach der ersten moderaten Testfahrt einen Verbrauch von 5,5 Litern an. Nicht nur den besonders wirtschaftlich Denkenden sei das 7G-DCT-Getriebe nahegelegt. Dieses von Mercedes entwickelte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist mit einem Preis von 2166 Euro zwar alles andere als ein Schnäppchen, doch der ohne Zugkraftunterbrechung erfolgende Gangwechsel dieses Automatikgetriebes vergrößert den Fahrkomfort. Kleiner Nebeneffekt: Weil der Wählhebel wie bei den großen Limousinen am Lenkrad platziert ist, bleibt in der Mittelkonsole Platz für ein weiteres großes Ablagefach.

Viel Platz bietet auch noch das weitere Modellprogramm der Sternmarke. Neben der flacheren A-Klasse werden dem Vernehmen nach unter anderem ein kleiner Geländewagen und eine kompakte Limousine im Stil des CLS folgen. Damit dürfte die Kompaktklasse von Mercedes nicht nur in Sachen Sicherheit Geschichte schreiben.

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