Mercedes-Benz-Bank Der Fahrstil bestimmt die Prämie

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Die Mercedes-Benz-Bank expandiert. Zudem werden die Angebote immer differenzierter und flexibler. Damit steigen die Anforderungen an die Computersysteme, die jetzt komplett erneuert werden.

Vorstandschef Franz Reiner setzt auf die Digitalisierung. Foto: Daimler
Vorstandschef Franz Reiner setzt auf die Digitalisierung.Foto: Daimler

Stuttgart - Die Mercedes-Benz-Bank nutzt die Fortschritte in der Telematik, die immer stärker Einzug in Daimler-Autos hält. So kündigt Franz Reiner, Chef der Mercedes-Benz-Bank, beim Leasing und bei der Kfz-Versicherung noch für dieses Jahr neue Angebote an. Dabei setzt sich die Monatsrate aus einer festen Pauschale und einer variablen Rate zusammen, die von den gefahrenen Kilometern und dem Fahrverhalten abhängt. Das Auto erzeugt Informationen über das Fahrverhalten, die gesammelt und ausgewertet werden – sofern der Kunde zustimmt. Unter dem Schlagwort „Pay how you drive“ (übersetzt: Zahle so, wie du fährst) können dem Kunden auf diese Weise noch zusätzlich maßgeschneiderte Angebote gemacht werden, die per App aufs Smartphone oder direkt ins Fahrzeug kommen. Entsprechende Tests laufen gegenwärtig in Schweden und in Italien, wo die Mercedes-Bank mit Tochtergesellschaften vertreten ist.

Neue Angebote

Auch den Wandel des Daimler-Konzerns, der sich mit seiner Carsharing-Tochter Car2Go und der Mobilitätsapp Moovel zunehmend als Mobilitätsdienstleister versteht, will die Bank mit neuen Angeboten unterstützen. So wird zum Beispiel die Möglichkeit zur Nutzung eines Autos zusätzlich in die klassischen Verträge eingebaut, die den Besitz von Fahrzeugen durch Leasing oder Finanzierung ermöglichen. Im vergangenen Jahr hat die Bank ein Angebot auf den Markt gebracht, bei dem Finanzierung oder Leasing einer Elektro-B-Klasse kombiniert werden mit MB Rent, der Autovermietung von Mercedes-Benz, oder mit Car2Go. Diese flexible Ergänzung des bisherigen Angebots für die B-Klasse Electric Drive kommt nach Reiners Angaben am Markt sehr gut an.

Für den Chef ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Bank und Kunde in allen Angelegenheiten via Computer und Smartphone miteinander kommunizieren können. Deshalb nimmt die Bank die Erneuerung ihrer IT-Infrastruktur in Angriff. Bis 2018 will Reiner dafür 500 Millionen Euro ausgeben – und auch Systeme ersetzen, die vor 30 Jahren angeschafft und anschließend immer wieder aufgerüstet wurden.

Neue Verträge erzielen Rekordbetrag

Mit dem Verlauf des Geschäfts im vorigen Jahr ist Reiner zufrieden: „2015 war ein hervorragendes Jahr“, sagt er. Beim Neugeschäft hat die Bank ein Plus von acht Prozent verbucht; die neuen Verträge addieren sich auf den Rekordbetrag von 10,7 Milliarden Euro. Damit steht ein Vertragsvolumen von 19,8 Milliarden Euro in den Büchern (plus sechs Prozent). Der Dienstleister profitiert vom Absatzerfolg der Kernmarke Mercedes und erreicht dort immer mehr Kunden. Mittlerweile laufen 60 Prozent des gesamten Mercedes-Absatzes über die Mercedes-Benz-Bank; früher hieß es immer, diese Rate liege bei über 50 Prozent. Eine eigene Bilanz legt die Bank nicht vor. Ihre Zahlen gehen in die Sparte Daimler Financial Services ein, die 2015 einen operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro verbucht hat. Dazu habe die Bank deutlich beigetragen, sagt Reiner lediglich.

Auch 2016 will das Institut wachsen. In den beiden ersten Monaten des Jahres betrug das Plus 16 Prozent. Im Gesamtjahr wäre der Chef aber auch schon mit einem hohen einstelligen Wachstum zufrieden.