InterviewMercedes-Sportchef Toto Wolff „Sebastian Vettel würde zum Mercedes-Team passen“

Von Von und Dirk Preiß 

Der Silberpfeil-Sportchef Toto Wolff spricht über eine mögliche Zukunft mit dem viermaligen Weltmeister, den Rücktritt von Nico Rosberg und die Zukunft der Formel 1 ohne Bernie Ecclestone.

Mercedes-Sportchef Toto Wolff hofft, dass seine Autos in der neuen Saison vorne bleiben. Foto: Baumann
Mercedes-Sportchef Toto Wolff hofft, dass seine Autos in der neuen Saison vorne bleiben. Foto: Baumann

Stuttgart - Am Sonntag startet die Formel-1-Saison 2017 mit dem Großen Preis von Australien in ­Melbourne (7 Uhr/RTL). Der Mercedes-Sportchef Toto Wolff glaubt an die Rückkehr der Spannung. „Unser vermeintlicher Vorteil ist jetzt weg“, sagt der Österreicher.

Herr Wolff, sind Sie diesmal verletzungsfrei durch die Saisonvorbereitung gekommen?
Gar nicht. Aber das ist ein gutes Zeichen für Lewis Hamilton, denn jedes Mal, wenn ich mich verletzt habe, ist es einigermaßen gut für ihn gelaufen.
Wobei haben Sie sich diesmal wehgetan?
Ich ging mit meiner zwölfjährigen Tochter zum Tennis. Sie hatte eine Trainerstunde, während ich mich auf der Bank um meine E-mails kümmerte. Der Trainer hatte für eine Sprintübung sechs Tennisbälle an jede Ecke des Courts gelegt und in die Mitte den Schläger. Dorthin mussten die Bälle nacheinander im Sprint gebracht werden. Und als der Trainer meinte, das alles unter 22 Sekunden richtig gut sei, da sagte ich mir: Prima, es geht mal wieder um die Stoppuhr.
Sie haben doch nicht etwa mitgemacht.
Doch, der Trainer hat 20 Sekunden hingelegt. Als ich mit meinen Sprints anfing, dachte ich mir: Boah, es geht richtig gut, ich bin schneller. Beim fünften Ball drehte ich mich wieder weg und es machte einen Kracher. Das Ergebnis: die Bandscheiben.
Ach Gott.
Ja, wie blöd muss man sein. Inzwischen ist es so: der Kopf sagt mir „es geht“, aber der Körper stimmt dem nicht mehr zu. Was kann ich jetzt noch tun, wenn ich nicht mal mehr Tennisbälle aufsammeln kann?

Die Topteams sind enger beieinander

Im Auto sind Sie sicherer.
In Montreal haben Gerhard Berger und ich im letzten Jahr bei einem Fun-Event sämtliche Rennwagen ausprobiert. Herr Berger kann definitiv besser Autofahren als ich, sein Problem war nur, dass ihm von seiner eigenen Fahrerei schlecht geworden war. Also sicher ist gar nichts.

Bei den Testfahrten zuletzt in Barcelona waren Sie Zaungast. Ist es 2017 mit der Mercedes-Dominanz vorbei?
Die Tests haben gezeigt, dass es zwischen Red Bull, Ferrari und uns enger zusammenläuft. Dann besteht eine Lücke. Gleichzeitig sind die Aussagen dieser Testzeiten trügerisch. Man kann für eine schnelle Runde zwischen sechs und 30 Kilo Sprit reinladen, deshalb kann der Unterschied bis zu einer Sekunde pro Turn betragen. Bei Longruns ist es das Gleiche. Aber das sind alles Hintergrundgeräusche, die keine Rolle spielen.
Was spielt eine Rolle?
Wir haben viele Probleme gehabt bei den Tests. Unser Auto hat sich nicht so verhalten, wie wir uns das vor allem in der zweiten Woche erwartet haben. Jetzt müssen wir die Arbeit richtig machen, damit wir beim Saisonstart in Melbourne das bestmögliche Paket haben. Im Qualifying am Samstag werden wir tatsächlich wissen, was Sache ist.

Mercedes soll der Maßstab bleiben

Der Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche mag zwar nichts lieber als Mercedes-Doppelsiege, ist es fürs Publikum aber nicht besser, wenn der Titelkampf endlich mal wieder zwischen zwei oder drei Marken ausgetragen wird?
Das ist eine ganz schwierige Situation für mich. Die Kappe, die ich trage, hat einen Stern vorne drauf. Und der Anspruch von Herrn Zetsche, der an mich gestellt wird und den ich auch an mich selbst und die Mannschaft stelle, ist, dass wir gewinnen. Wir wollen ein Jahrzehnt kreieren, in dem Mercedes der Maßstab ist. Das treibt uns an. Der Fan in mir aber sagt: eine größerer Wettbewerb macht mehr Spaß. Nicht nur für den Fan, der zusieht, sondern auch für den Fan in mir, der den Wettbewerb gerne mag. Es ist unheimlich zufriedenstellend, ein Rennen zu gewinnen, das mit anderen Teams richtig hart umkämpft war. Ich hadere permanent mit mir, was richtig ist. Aber im Endeffekt siegt die Mercedes-Kappe.