Merkel und Macron eröffnen Frankfurter Buchmesse Kaiser, Kanzlerinnen und Präsidenten

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron haben den weltgrößten Treff der Büchermacher eröffnet. Bis 15. Oktober geht es in Frankfurt am Main wieder um Literatur, Geschäfte und gesellschaftliche Werte.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben offenbar Spaß am Buchevent. Foto: Getty Images Europe
Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben offenbar Spaß am Buchevent. Foto: Getty Images Europe

Frankfurt - Die Herrscher sind immer dabei. Bei jeder Auszeichnung des besten deutschsprachigen Romans im Frankfurter Römer blicken gleich 52 wohlfrisierte deutsche Kaiser auf die Zeremonie, als würde dort der Buchpreis Deutscher Nation verliehen. Und ihr stilisiertes Wesen, die Lorbeerkränze, Diademe, Ehrenzeichen unterstreichen die wacker steifen Züge der hier alljährlich zum Auftakt der Buchmesse inszenierten Dichterkrönung, auch wenn sich diese eher an der Eventdramaturgie eines bildungsbürgerlich gezähmten Showbusiness orientiert.

Die Kaisergalerie ist ein Werk des 19. Jahrhunderts. Kaum war sie fertiggestellt, kochte in Europa der Nationalismus über. Der Krieg von 1871 besiegelte die Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, und in Versailles erklärte sich der preußische König zum Kaiser. Das Unheil nahm seinen Lauf und führte in zwei Weltkriege. Vielleicht hat auch deshalb der glühende Europäer Robert Menasse bei seiner Kür zum Autor des jahresbesten Romans Tränen in den Augen. Denn sein Brüssel-Roman „Die Hauptstadt“ ruft ins Gedächtnis, welchen entsetzlichen Erfahrungen die europäische Einigung abgerungen wurde.

Es lebe die Buchpreisbindung

Die Entscheidung für den österreichischen Autor hat einen versöhnlichen Glanz in die Augen der anwesenden Buchhändler gezaubert, die wohl gefürchtet hatten, die Jury könnte die „Schlafende Sonne“ von Thomas Lehr wachrufen, eine wilde Höllenfahrt durch die deutsche Geschichte. Im Vergleich mit diesem ambitionierten, gleichwohl schwer verdaulichen Großprojekt verspricht Menasses nicht nur lesenswertes, sondern auch sehr lesbares Buch ein entschieden besseres Weihnachtsgeschäft. Zudem erinnert der gerührte Preisträger in seiner improvisierten Dankesrede daran, was speziell die Branche dem bisweilen so kauzig karikierten Brüsseler Beamtenvölkchen verdankt: die Verteidigung der Buchpreisbindung.

Frankreich ist kein Erbfeind mehr, sondern das Gastland der diesjährigen Buchmesse. Und es ist angerückt mit einem friedlichen Heer von über 180 Autoren, um daran mitzuwirken, was der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, in seiner Eröffnungsrede als wichtigste Aufgabe der Buchbranche beschreibt: in einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen, einer Zeit der Polarisierungen und Fake News für Verständigung, gesicherte Informationen und Meinungsvielfalt einzutreten. Riethmüller appellierte deshalb an die neue Bundesregierung, wenige Stunden vor dem Auftritt Bundeskanzlerin höchstselbst in Frankfurt, die Rahmenbedingungen für die lebendige und vielfältige Verlagslandschaft zu verbessern.

Ein Kaiser der Branche

Um die freilich scheint es zumindest nach dem Zeugnis von Markus Dohle so schlecht gar nicht bestellt zu sein. Der CEO - was sich seinem Auftreten nach getrost mit Kaiser übersetzen lässt - des multinationalen Verlagskonzerns Penguin Random House zeichnete ein optimistisches Bild voller Wachstumsmärkte und geglückter digitaler Transformationen. 750 Millionen Euro investiere sein Konzern jährlich in neue Geschichten. Unerwähnt freilich blieb, wie viel sich sein expandierendes Imperium von der vielfältigen deutschen Verlagslandschaft bereits einverleibt hat.