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Wirtschaft & Finanzen
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Messe Biofach in Nürnberg Dilemma mit dem korrekten Apfel

Bern Lohmann, vom 17.02.2010 07:53 Uhr
Zu welchem Apfel soll man greifen? Manches Biogewächs hat im Winter eine weite Reise hinter sich – zum Schaden der Umwelt. Foto: dpa
Zu welchem Apfel soll man greifen? Manches Biogewächs hat im Winter eine weite Reise hinter sich – zum Schaden der Umwelt. Foto: dpa
Bonn - In Nürnberg läuft die Biofach, die weltweit größte Messe für ökologisch erzeugte Lebensmittel. Für den Verbraucher ist es wichtig wie nie zuvor, sich genau zu informieren.

Der Bioapfel aus Neuseeland stellt den umweltbewussten Einkäufer vor ein schwierig zu lösendes Problem. Ist der ökologische Anbau es wirklich wert, dass der Apfel einmal um die halbe Welt reist und dabei mit den Transportemissionen das Klima belastet? Sollte es nicht besser der regional produzierte Apfel sein - zur Not eben ohne Biosiegel? Michael Blanke, Gartenbauforscher an der Universität Bonn, hat nachgerechnet.

Weniger Treibhausgase


Weil Äpfel in Deutschland nur von August bis November reifen, muss Lagerobst bis zum Sommer gekühlt werden. Tatsächlich entstehen dabei weniger Treibhausgase als bei einem Schiffstransport aus Neuseeland. Überraschen mag allerdings, wie gering dieser Unterschied ausfällt: Der Importapfel verursacht lediglich ein Drittel mehr CO2-Emissionen als ein fünf Monate gelagerter deutscher Plantagenapfel.

Deutlicher fiele der Unterschied aus, wenn der Handel die neuseeländischen Äpfel mit dem Flugzeug importierte. Das ist jedoch praktisch nicht der Fall, wie vor fünf Jahren eine Studie im Auftrag das britischen Landwirtschaftsministeriums feststellte: Wegen der hohen Kosten werden lediglich ein Prozent aller Lebensmittel auf dem Luftweg transportiert. In Deutschland, wo die Gewinnspanne im Lebensmittelhandel besonders klein ist, dürfte der Anteil noch darunterliegen.

Aus Klimasicht ist allerdings selbst dieser Anteil zu hoch: Der einprozentige Anteil der Luftfahrt verursacht elf Prozent der mit Lebensmitteltransporten verbundenen CO2-Emissionen - und diese weit oben in der Atmosphäre, wo sie fünfmal so schädlich sind wie am Boden. Hochseeschiffe hingegen sind für ein Prozent mehr CO2 verantwortlich, bewegen aber zwei Drittel aller Lebensmittel.

Luftweg oft einziger Exportweg


Die Soil Association, eine britische Organisation für Bioprodukte, wollte 2007 Flugware von ihrem Biozertifikat ausnehmen. Verhindert hat das ein Aufschrei der Entwicklungshelfer: Diese hatten mit Mühe und Überzeugungsarbeit den ökologischen Anbau in mancher armen Region der Welt etabliert, um den Bauern ein besseres und gesünderes Auskommen zu ermöglichen.

Doch mangels Infrastruktur stellt der Luftweg meist die einzige Exportmöglichkeit dar. "Obwohl Klimaschutz und soziale Aspekte unmittelbar zusammengehören, muss letztlich jeder Verbraucher selbst entscheiden, wie er Klimaschutz, Ökolandbau und soziale Aspekte gewichtet", sagt Thomas Haberland von der Umweltorganisation BUND.

Grundsätzlich haben Bioprodukte auch aus Klimasicht einen Vorteil: weil weniger gedüngt und gespritzt wird, verursacht der Anbau von Bioprodukten gut ein Drittel weniger CO2-Emissionen. Das hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung für die Verbraucherorganisation Foodwatch am Beispiel der Kartoffel errechnet. Der Unterschied zwischen Lager- und Importware wird so verschwindend gering. Deshalb rät Haberland: "Gleichzeitig regional, saisonal und ökologisch einzukaufen ist ideal."

Welches Produkt ist klimafreundlich?


Anders als im Supermarkt gelingt das im Bioladen durchaus auch im Winter. Typische Gemüse, die bis in den Winter hinein geerntet oder gelagert werden können, sind Kohlsorten. Hinzu kommen Schwarzwurzeln, Kartoffeln, Karotten, Sellerie, Rote Bete, Porree, ebenso getrocknete Linsen, Erbsen und Bohnen, und als Klassiker das Sauerkraut.

Das Ratespiel, welches Produkt klimafreundlicher ist, könnte längst Vergangenheit sein. "Product Carbon Footprint", also CO2-Produktbilanz, heißt ein Projekt, das zum Ziel hat, ähnlich der Nährwertangaben auf jedem Produkt anzugeben, wie viel CO2 vom Anbau bis zur Ankunft im Supermarkt angefallen ist. In Frankreich soll die CO2-Kennzeichnung ab 2011 verpflichtend sein.

Schweden hat sie für einheimische Produkte im letzten Jahr eingeführt. Anders in Deutschland: hier ist lediglich ein Pilotprojekt unter Beteiligung von zehn Unternehmen mit 15 Produkten gestartet, der Hauptverband des deutschen Einzelhandels lehnt die Kennzeichnung ab, eine gesetzliche Verpflichtung ist nicht in Sicht.
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