Messies im Alltag
Daheim ist's doch am schlimmsten
Robin Szuttor,
09.03.2010 14:25 Uhr
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Haus ohne Hüter: jahrelang hat die Bewohnerin hier Müll, Lebensmittel und Ramschwaren angehäuft. Nach einer mehrmonatigen Aufräumaktion ist die Wohnung immer noch ein einziges Durcheinander. Foto: Stoppel
"Ich weiß nicht, warum ich ein Messie geworden bin", sagt Frau Schneider. Im Elternhaus herrschte jedenfalls penible Sauberkeit. Vielleicht wurde es ihr zu viel mit der kranken Mutter, dem Stress bei der Arbeit und dem ständigen Alleinsein. Irgendwann blockierte etwas in ihr. Als sie dann den Job verlor, fühlte sie sich vollends wie gelähmt. Nur bei den Kauftouren erwachte der Lebensgeist. In den Jahren ließ sie Schmuck für 30.000 Euro im Pfandhaus. Jetzt hat sie gar kein Geld mehr.
Eine Frau vom sozialen Dienst des Landratsamts besucht sie regelmäßig. "Sie hat es geschafft, dass ich nicht mehr vor den Nachbarn davonlaufen will", sagt Frau Schneider. Anfangs schämte sie sich in Grund und Boden, als sie morgens die strafenden Blicke trafen. "Inzwischen denke ich, die sollen erst mal vor ihrer eigenen Tür kehren."
Keine innere Ruhe möglich
Ihr Tag beginnt mit dem Weg zu Schlecker. Zigaretten holen. Danach noch ein Abstecher zu Kik. Schauen, ob es was Nettes, Günstiges gibt. Meistens gibt's was. An diesem Vormittag hat sie einen hübschen Türvorhang gefunden. "Auf dem Heimweg war die Freude schon weg, und ich sagte mir: das ist völliger Quatsch, was du machst."
Zu Hause sitzt sie dann und starrt an die Decke. "Oder ich wurschtle sinnlos vor mich hin." Manchmal versucht sie zu lesen. Am liebsten etwas über Tiere oder Krankheiten. Doch nach ein paar Absätzen wuseln ihr schon wieder andere Dinge im Kopf herum. Sie hat ein Buch über Messies, "ich zeig's Ihnen, das muss hier irgendwo rumliegen". Sie kramt es zwischen Briefen von der Bank und vom Notar hervor, blättert wahllos, liest laut: "Müll als Schutzwall".
Innere Ruhe finde sie eigentlich nie, sagt Frau Schneider. Am ehesten noch bei einer CD von Roy Black, Christian Anders oder Ricky King. Wenn die Musik läuft, kann sie sich manchmal ein bisschen wegträumen. Aber das ist ja auch keine Lösung.
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