Meteoriteneinschlag in Russland Lichtblitze, Feuer und Rauch am Himmel

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Ein Meteorit schlägt über dem Südural ein. Die Behörden sprechen von etwa 1000 Verletzten, darunter seien mindestens 159 Kinder. Die Schäden sind immens.

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Foto: Nikolai Worms

Stuttgart - Über der Region von Tscheljabinsk im Süden des Ural ist am Freitagmorgen um 4.23 Uhr unserer Zeit ein Meteorit niedergegangen. Eine Flut von Amateurvideos im Internet zeigt eine helle Leuchterscheinung am frühen Morgenhimmel (Ortszeit 9.23 Uhr).

Viele Menschen hätten an ein abstürzendes Flugzeug gedacht, berichten Agenturen. Auf Amateuraufnahmen ist auch ein Knall zu hören, den Experten auf die Schockwelle des Meteoriten zurückführen. In zahlreichen Gebäuden wurden Fensterscheiben eingedrückt.

Die Behörden sprechen von etwa 1000 Verletzten, darunter seien mindestens 159 Kinder. Die meisten Opfer hätten Schnittwunden von Glassplittern, teilte das russische Innenministerium mit. Augenzeugen berichteten von Lichtblitzen, Explosionen und Rauchwolken am Himmel. Agenturen melden, das Dach einer Zinkfabrik sei eingestürzt. Berichte von Schäden kommen aus mehreren Städten der Region, die etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau liegt.

Dass es so viele Videos vor allem aus fahrenden Autos heraus gibt, hat einen einfachen Grund: Viele Russen haben Kameras auf dem Armaturenbrett installiert und lassen diese unterwegs mitlaufen. Sie wollen so für den Fall eines Unfalls oder einer der oft willkürlichen Polizeikontrollen gerichtsfeste Beweise festhalten.

Sechs Meter breiter Krater wurde entdeckt

Der Gebietsgouverneur Michail Jurewitsch brach eine Moskauer Dienstreise ab. „Bei Temperaturen von minus 18 Grad in Tscheljabinsk ist jetzt am wichtigsten, dass die zertrümmerten Fensterscheiben ersetzt werden“, sagte der Verwaltungschef. Nach Behördenangaben waren sieben Flugzeuge und 20 000 Angehörige des Zivilschutzes in der Region im Einsatz.

Ein Teil des Meteoriten sei in der Nähe des zugefrorenen Sees Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk niedergegangen, teilte die Gebietsverwaltung mit. Hier entdeckten die Behörden am Mittag einen sechs Meter breiten Krater sowie mehrere etwa einen Zentimeter große Splitter. „Die meisten Splitter sind verdampft, einige schafften es aber bis zur Erdoberfläche“, sagte Valeri Schuwalow von der Russischen Wissenschaftsakademie. Er vermutet, dass es sich um einen Nickel-Eisen-Meteoriten handelt. Nur ein solcher Körper sei fest genug, die unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen.

In ersten Berichten war von einem Meteoritenschauer die Rede gewesen. Experten halten es aber für wahrscheinlicher, dass ein einzelner Meteorit beim Durchgang durch die Atmosphäre teilweise verglüht und geborsten ist.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: „Rund 40 Tonnen kosmische Materie pro Tag"

Einen Zusammenhang mit dem Asteroiden 2012 DA14, der am Abend in nur 28 000 Kilometer Entfernung an der Erde vorbeifliegt, sehen die meisten Experten nicht. Eine Ausnahme macht Tatjana Bordowizina, Leiterin der Abteilung für Himmelsmechanik und Astrometrie an der Tomsker staatlichen Universität. Sie sagte der Agentur RIA Novosti: „Am Freitag kommt ein Asteroid sehr nahe an der Erde vorbei, er kann auch in Begleitung kommen, viele kleinere Brocken in seinem Sog mitführen, die dann angezogen werden und an jeder beliebigen Stelle niedergehen können.“ Von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa kommt Widerspruch. „Das ist etwas völlig anderes“, sagte ein Sprecher. „Flugbahn und Ort des Einschlags sprechen dagegen.“ Auf den Amateurvideos ist zu sehen, dass der Meteorit ungefähr aus der Richtung der aufgehenden Sonne kommt, also aus östlicher Richtung. Der Asteroid 2012 DA14 kam aus südlicher Richtung.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) schätzt, dass „rund 40 Tonnen kosmische Materie pro Tag in Form von Staub“ auf die Erde niedergehe. Das DLR betreibt mit Partnern in Tschechien das europäische Feuerkugelnetzwerk, das mit 25 Kamerastationen in fünf Ländern Nacht für Nacht den Himmel nach Lichterscheinungen absucht. Das Netz entdecke Sternschnuppen, die etwa sandkorngroß sind, und etwa einmal im Monat eine Feuerkugel, die von einem faustgroßen Brocken stammt, sagt der DLR-Wissenschaftler Wilfried Tost. Einen Meter große Meteoriten, wie vermutlich den von Tscheljabinsk, gebe es einmal in 40 Jahren. Dass Menschen verletzt werden, sei „ein Unikum“. Tost kennt nur zwei harmlose Fälle: In den 1920er Jahren wurde eine Kuh in Ägypten getroffen. Und vor etwa zehn Jahren krachte ein Stein vom Himmel in den Kofferraum eines Autos in New York. Der Besitzer verkaufte das Wrack gewinnbringend an ein Museum.

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Abwehrsystem: Wir brauchen ein Abwehrsystem. Dieses Mal ging es noch mal mit 1000 Verletzten über die Bühne. Anstatt Geld für die Gegenseitige Vernichtung auszugeben, wäre es sinnvoller in die Verteidigung unseres Planeten zu investieren.

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