Michael Schumacher Die Rückkehr auf den Spielplatz
Dominik Ignée, vom 12.03.2010 10:28 Uhr
Bahrain - Das mit der Pünktlichkeit muss Michael Schumacher noch üben. Um 9.30 Uhr sollte die Pressekonferenz in der Mercedes-Niederlassung in Bahrain stattfinden. Doch seine Majestät ließ auf sich warten. Sein Kompagnon Nico Rosberg stand sich die Beine in den Bauch, ebenso wie der Silberpfeil-Chef Norbert Haug. Um 10.58 Uhr konnte es dann endlich losgehen. Schumacher setzte sich hin, doch als den vom Warten müde gewordenen Journalisten nicht gleich auf Anhieb die erste Frage einfiel, da stand er einfach wieder auf und sagte: "Danke, Leute".
Das war lustig, ein klassischer Schumacher, den trockenen Humor aus dem Rheinland hat er sich bewahrt. Wer kann dem Kerpener Jung schon böse sein für die Verspätung. Er wird herumgereicht, seit bekannt ist, dass er am Sonntag die Formel 1 nach dreieinhalb Jahren Abstinenz wieder als Pilot beehrt. Als sich der Rückkehrer nach seinem Späßchen wieder hinsetzte, nahm die Sache ihren Lauf. Für Rosberg ging der Termin so langweilig weiter, wie er angefangen hatte. Drei Fragen wurden an Haug gerichtet, sechs an Rosberg, 19 an Schumacher. Der Mercedes-Sportchef spielte auf dem Podium an seinem Handy herum, der gebürtige Wiesbadener Rosberg schaute dreimal auf die Uhr und immer wieder abwesend aus dem Fenster.
Alter Hase unter den Weltmeistern
Schumacher hatte viel zu erzählen. Es waren die Fragen, die er seit Wochen gestellt bekommt, und es handelte sich um die Antworten, die er darauf schon genauso lange gibt. Es werde schwer werden auf Anhieb ganz vorne dabei zu sein, außerdem mache ihm die Vielzahl starker Fahrer das Leben sicher nicht einfach. "Früher, als ich mich nur auf Mika Häkkinen konzentrieren musste, war es leichter", sagte Schumacher. Rosberg schaute derweil hinauf zum Hallendach. Irgendwann musste der erste offizielle Schumacher-Auftritt in Bahrain vor einer Armada von Reportern und ein paar eingeladenen Scheichs ja vorbei sein.
Um 11.28 Uhr sagte der Mercedes-Kommunikationschef Wolfgang Schattling dann "last question, please" - die Erlösung für Rosberg. Er war nur ein wenig überrascht, dass die letzte Frage an ihn gerichtet wurde. Es ging um die Balance des Autos. Er meisterte sie. Dann standen die drei Herren wieder auf und verschwanden in dicken Limousinen der Marke Mercedes zur Rennstrecke südlich der Hauptstadt Manama. Mit der Klimaanlage auf Stufe fünf. Das von viel Getöse begleitete Schumacher-Comeback findet in der Wüste statt. Wenn am Sonntag um 13 Uhr beim Rennstart so wie am Donnerstag 33 Grad Außentemperatur herrschen, wird der erste Ritt des 41-Jährigen zur Bewährungsprobe. Schumacher muss eine gute Kondition mitbringen, um das durchzustehen.
Bei der Pressekonferenz später am Circuit Sakhir musste der Rekordmann erst mal für ein Foto unter seinesgleichen posieren. Die Weltverband Fia hatte vier Weltmeister aufs Podium gebeten, und so standen sie friedlich nebeneinander: Jenson Button, Fernando Alonso, Michael Schumacher und Lewis Hamilton. Herzig, wie die drei jüngeren Piloten den alten Hasen in ihre Mitte - und später im Gespräch auch ein bisschen aufs Korn nahmen. Der amtierende Champion Button schlug Schumacher auf die Schulter und begrüßte seine Rückkehr. "Jetzt, wo du wieder da bist, fühle ich mich gleich ein bisschen jünger."
Schonen werden sie ihn nicht
So freundlich werden sie mit ihm auf der Rennstrecke nicht mehr umgehen. Es wird keinen Respekt geben, nur weil Schumacher allein drei Titel mehr besitzt als die anderen drei zusammen. Er erlaubt sich, in ihre Ära einzudringen und ihnen die Schau zu stehlen. Schonen werden sie ihn nicht. So wie Michael Schumacher da zwischen den zehn bis 15 Jahre jüngeren Kollegen saß, stimmte bereits optisch etwas nicht. Nicht dass der graue Star schon graue Haare hätte, aber er passte in das Ensemble irgendwie nicht hinein.
Dabei war er selbst es, der im November 2006 noch verkündete: "Wenn du einmal raus bist, bist du raus." Heute muss ihm die These vorkommen wie der größte Unfug, der ihm jemals über die Lippen kam. Die Frage ist, ob sich der siebenmalige Weltmeister einen Gefallen tut, dass er wieder mitmacht. Es ist schon etwas entblößend, sich mit 41 Jahren noch einmal auf dem Spielplatz der neuen Generation zu tummeln. Schumacher ist ein Getriebener seines Ehrgeizes, süchtig nach Erfahrungen im Grenzbereich. Dadurch war er schon vom Motorrad gestürzt und brach sich einen Halswirbel. Heuer betet die Formel-1-Szene, dass ihm nichts passiert.
Natürlich ist er fit. Natürlich sagt er, sich so frisch zu fühlen wie noch nie. Aber klar ist auch: das Alter kann er nicht verbergen. Bei den letzten Testfahrten war zu beobachten, wie schwerfällig es mitunter aussehen kann, wenn Schumacher aus seinem Mercedes steigt. Mal sehen, ob er am Sonntag pünktlich ins Ziel kommt.