Mieten im Einzelhandel Vielen Einkaufslagen droht der Abwärtstrend

Von Hildegund Oßwald 

Unter dem Druck neuer Einkaufszentren und immer mehr Ladenflächen drohen viele Einkaufsstraßen in der Region Stuttgart an Qualität zu verlieren. Die IHK sieht die Städte gefordert, gute Bedingungen für den Einzelhandel in der Region zu schaffen.

Trotz neu dazu kommender Handelsflächen – im Bild die Baustelle des Einkaufszentrums Gerber – bleiben die Mieten für den Einzelhandel in Stuttgart stabil. In Randgebieten der Region aber auch in Außenstadtbezirken Stuttgarts sieht das anders aus. Foto: Steinert
Trotz neu dazu kommender Handelsflächen – im Bild die Baustelle des Einkaufszentrums Gerber – bleiben die Mieten für den Einzelhandel in Stuttgart stabil. In Randgebieten der Region aber auch in Außenstadtbezirken Stuttgarts sieht das anders aus.Foto: Steinert

Stuttgart - Unter dem Druck neuer Einkaufszentren und immer mehr Ladenflächen, stagnierender Konsumentenzahlen und zunehmender Einkäufe übers Internet drohen viele Einkaufsstraßen in den Städten der Region Stuttgart – vor allem an den Rändern – an Qualität zu verlieren. Von diesem Abwärtstrend bleibt allerdings die Innenstadt dank des anhaltend starken Andrangs von Ladenbetreibern und Filialisten bis jetzt verschont. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Bestandsaufnahme der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK). Sie sieht deshalb die Städte in der Pflicht gegenzusteuern.

Die Kommunen seien gefordert, Standorte und Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass es für den stationären Einzelhandel auch künftig wirtschaftlich möglich bleibe, vor Ort präsent zu sein. „Für eine hohe Anziehungskraft der Region Stuttgart sind Innenstädte mit einem ansprechenden Handelsangebot, Dienstleistungen, Gastronomie, Kultur- und Freizeitangeboten zusammen mit öffentlichen Dienstleistungen unabdingbar“, erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter. Als Stichworte für den Handel fördernde Maßnahmen nennt er Sauberkeit und Sicherheit, Verzicht auf unnötige Bürokratie und gute Erreichbarkeit. Durchfahrtsbeschränkungen für den Lieferverkehr und überzogene Parkgebühren seien für lebendige Einkaufsstandorte dagegen ebenso kontraproduktiv wie „eine Citymaut als Stuttgarter Insellösung“.

Als Beispiele für Einkaufslagen mit Abwärtsentwicklung nennt die IHK die nördliche Marktstraße in Bad Cannstatt, die an Frequenz verloren habe und zunehmend von billigen Dienstleistern geprägt sei. Sorgen bereitet auch die Poststraße in Böblingen, die sich von einer Toplage mit 1-a-Bewertung zu einer 1-b-Lage entwickelt habe. Auch das am alten Busbahnhof entste­hende neue Einkaufszentrum, so Martin Eisenmann von der IHK, werde zur Folge haben, dass andere Handelslagen das Nachsehen hätten. In Nürtingen habe die Kirchstraße an den Rändern Probleme bekommen, nachdem das große Kaufland Kaufkraft abgezogen habe. „Ein weiteres Einkaufszentrum, das am Bahnhof im Gespräch ist, würde der Innenstadt deshalb nicht guttun“, sagt Eisenmann.

Die Stuttgarter Innenstadt dagegen nimmt aufgrund vieler Investoren und Neueröffnungen eine Sonderstellung ein. Negative Tendenzen, die vor Jahren nicht zuletzt in Ein-Euro-Läden im Bereich der oberen Königstraße sichtbar wurden, sind längst überwunden. Der Immobilienreport Einzelhandel kam jüngst zu der Feststellung, dass vom anhaltenden Nachfrageüberhang auf die Königstraße auch die Nebenlagen profitierten, weil einige mangels Ladenangebot auf der Königstraße dorthin ausweichen würden. Diese Einschätzung teilt auch die IHK.

Bei der aktuellen Mietpreisumfrage der Industrie- und Handelskammer, an der sich rund 700 Händler aus Stuttgart und der Region beteiligt haben, waren denn auch die Toplagen auf der Königstraße und der Schulstraße wieder mit großem Abstand Spitzenreiter. Deutlich mehr als 200 Euro je Quadratmeter erreichten hier die Spitzenmieten. Damit liege Stuttgart nach München und Frankfurt etwa gleichauf mit Hamburg, Düsseldorf, Berlin und Köln.

Bei der Bestandsmiete liegt demnach der Durchschnitt bei 76 Euro pro Quadratmeter. Außerhalb der Landeshauptstadt sind Esslingen und Ludwigsburg die teuersten Standorte für den Einzelhandel. In Toplagen von Esslingen wurden Durchschnittsmieten von etwa 60 Euro je Quadratmeter ermittelt, in Ludwigsburg 43 Euro. Die Mietspannen innerhalb der Region Stuttgart sind gewaltig. Die regional niedrigste Miete zahlt unter den Teilnehmern der IHK-Umfrage mit nur drei Euro pro Quadratmeter ein Einzelhändler in Murrhardt.

  Artikel teilen
10 KommentareKommentar schreiben

War da am IHK Gebäude nicht monatelang ein überdimensioniertes Plakat, das eben für dieses: Immobiliengeschäft S 21 warb? Und jetzt - Kehrtwendung? Oder blicken die selbst nicht mehr durch, was sie da befürworten?

Na und?: Abwärtstrend - na und? Wozu viele Kilometer durch irgendwelche Straßen schlappen, da tun einem nur die Füße weh. Nein, ich gehe lieber in große Einkaufszentren, wo ich meinen Daimler bequem abstellen kann und nach wenigen Metern Fußweg alles finde, was ich suche. Shoppingcenter sind ene tolle Erfindung, eine Weiterentwicklung unserer Kultur! Es kann nicht genug davon geben. Dank Hernn Schuster werden wir bald 2 neue Einkaufspardiese haben. Nur grüne Spinner denken da jetzt schon an die staus. I like shopping, i like Schustertown!!

Wählt doch die anderen, dann wird alles besser! Alles klar?: Einkaufszentren-Wohnblocks-Hotelburgen-Familienzentren-Ganztagsbetreuung ab Null-Massenabfütterung in Ganztagsschulen von sieben Uhr bis achtzehn Uhr-Massentierhaltung für die Lebensmittelindustrie für die Einkaufzentren für die Wohnblocks und Hotelburgen und so weiter und so fort... Die Finanzierung ist die eine Sache, die andere ist die Bekömmlichkeit. Je älter man wird, desto mehr packt einen das nackte Grauen angesichts dieser Entwicklungen...

Ladensterben: wird mit ECE auch die Händler in Stuttgarts Mitte treffen. Der Bürger wird bald nicht mehr so viel Geld in der Tasche für ausgiebigen Konsum haben.

staun: Die Menschen können in der Regel nicht gleichzeitig an zwei Orten konsumieren. Das könnte doch mal in die Lehrbücher der Marketinger geschrieben werden. Auch alle 'Wirtschaftkompetenten' verschließen sich bislang dieser Rechenoperation. Jedes Konzentrieren am einen Ort dünnt am anderen aus. Das ist aber das System. Und alle Wirtschafts-'Wissenschaft' kennt nur das Austricksen der anderen. Köstlich ist auch immer wieder das Staunen und Erschrecken dieser angeblich gebildeten Leute.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.