Mietspiegel 2013/14 für Stuttgart Mietpreise steigen um knapp sechs Prozent

Von oss 

In Stuttgart eine Wohnung zu mieten, wird immer teurer: Insgesamt stiegen die Mietspiegelmieten um durchschnittlich 5,5 Prozent an – und damit deutlich stärker als in Baden-Württemberg insgesamt.

Eine Wohnung zu finden, wird tendenziell immer teurer, weil vor allem jüngere                                           Leute in die Innenstadt drängen. Foto: StZ 6 Bilder
Eine Wohnung zu finden, wird tendenziell immer teurer, weil vor allem jüngere Leute in die Innenstadt drängen.Foto: StZ

Stuttgart - Stuttgart wird bei jungen Leuten als Ausbildungs- und Wohnort immer beliebter, sie zieht es vor allem in die Innenstadt. Dieser Trend lässt die Zahl der Haushalte in der Landeshauptstadt zur Freude im Rathaus steigen, hat aber auch eine Kehrseite: das Wohnen, insbesondere im Zentrum, wird immer teurer. „Der Druck auf den Mietmarkt geht vor allem von der Wohnungsnachfrage junger Singles aus. Das erklärt auch die relativ starken Preisanstiege, insbesondere bei den günstigen Wohnungen im Altbau“, sagte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer am Freitag bei der Vorstellung des neuen Mietspiegels 2013/2014. „Die starke Nachfrage liegt auch an der robusten Konjunktur, der steigenden Arbeitskräftenachfrage, der wachsenden Einwohnerzahl und der Attraktivität der Stadt als Ausbildungszentrum“ , so Schairer.

Insgesamt stiegen die Mietspiegelmieten gegenüber der Vergleichstabelle für 2011/2012 um durchschnittlich 5,5 Prozent an. Damit verteuerte sich das Wohnen in den beiden vergangenen Jahren in Stuttgart deutlich mehr als in Baden-Württemberg insgesamt, wo das Plus nur 2,2 Prozent betrug. Und die Ausgaben fürs Wohnen stiegen in Stuttgart auch mehr als die Verbraucherpreise, die um 4,5 Prozent zulegten. Laut Stadtverwaltung liegt die aktuelle Mietspiegelsteigerungsrate zwar über der in den vergangenen Jahren, aber im Langzeitvergleich noch unter dem Durchschnittswert der Jahre seit 1990 von 6,1 Prozent.

Einfache Ausstattung, schlechte Lage, steigende Mieten

Bei Wohnungen aus Baujahren vor 1975, die 86 Prozent des lokalen Mietmarktes ausmachen, ist der Preisanstieg am höchsten. Er betrug in den letzten beiden Jahren durchschnittlich sechs Prozent. Wohnungen aus den Baujahren 1995 bis 2004 verteuerten sich dagegen mit im Schnitt 2,1 Prozent am geringsten. Bei Wohnungen mit besonders einfacher Ausstattung und in schlechterer Lage stiegen die Mieten um bis zu 7,5 Prozent – just diese Wohnungen liegen meist in den gerade bei jungen Leuten besonders beliebten Innenstadtbezirken.

Der vom Statistischen Amt der Stadt unter Mitwirkung des Mietervereins und des Vereins Haus & Grund erstellte Mietspiegel gilt vom 1. Januar an für die nächsten beiden Jahre als gerichtsfeste Vergleichstabelle für rund 170 000 Mietwohnungen in Stuttgart. Je nach Alter, Größe, Ausstattung und Lage der Wohnung variieren die Quadratmetermietpreise zwischen 5,40 Euro und 12,70; die mittlere Kaltmiete liegt bei 7,61 Euro.

Bei Neuvermietungen gilt der Mietspiegel nicht

Bei Neuvermietungen gilt der Mietspiegel nicht. Insbesondere bei Neubauten liegen die Mieten oft höher, bis zu 20 Euro und mehr werden verlangt und bezahlt. Der Verein Haus & Grund rät Vermietern, bei Neuvermietungen 20 Prozent auf den Mietspiegelwert draufzuschlagen.

Traditionell wird die Entwicklung auf dem Mietwohnungsmarkt von den beiden Lobbyvereinen konträr bewertet. „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, unsere Mitglieder können damit den Nachholbedarf befriedigen“, sagte der Geschäftsführer von Haus & Grund, Ulrich Wecker. Sorge bereite aber die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Bestands- und Angebotsmieten, was das System Mietspiegel infrage stelle. „Wir raten Vermietern deshalb zu Index- oder Staffelmieten.“

Mieterverein beklagt Wohnungsmangel

Der Mieterverein beklagt die hohen Wohnkosten für Mieter. Schuld daran sei vor allem der Wohnungsmangel, der große Preissprünge bei Neuvermietungen ermögliche. „Dies sind die Mietspiegelwerte von morgen“, sagte die Geschäftsführerin Angelika Brautmeier. „Die Neuvertragsmiete sollte auf zehn Prozent über dem Mietspiegelwert begrenzt werden.“ Auch begrüße man die Initiative des Landes, die Mieten der letzten zehn statt nur vier Jahre in den Mietspiegel einzubeziehen.

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9 KommentareKommentar schreiben

Mietpreise: Über die Mieteinnahmen deckt der Vermieter seine ebenfalls horrend gestiegenen Kosten. Bund, Land und Stadt haben die Gebühren etc. deutlich erhöht. Und eine ordentlich in Stand gehaltene Wohnung (auch das kostet viel Geld) will der Mieter schließlich immer haben. Es hat schon seine guten Gründe, warum Mieten steigen. Wenn sich vermieten nicht mehr lohnt, werde ich künftig auf Immobilien verzichten und im Zweifel lieber an Investoren verkaufen oder leer stehen lassen.

Mietpreis - keiner Tut was: Warum wird nichts dagegen unternommen? Die Mietpreise steigen auch dann, wenn die Konjunkturlage schlecht ist. Wird denen die keine Arbeit finden, das los der Strasse bleiben. Warum müssen Hausbesiter, so reagieren? Warum ist der Gemeinderat und die Stadt nicht willens dem einen Riegel vorzuschieben?

Diese Ungerechtigkeiten gehen vielen Menschen auf den Zeiger ! Wo krepiert die 'soziale' Marktwirtschaft und wo beginnt die Gier?: Strompreiserhöhungenm, Fahrpreiserhöhungen, Wasser- und Gaspreiserhöhungen - und jetzt Mietpreiserhöhung. Wo endet die soziale Marktwirtschaft und wo beginnt die Gier ? Hier in Stuttgart sind die Exzesse des fresswütigen Kapitalismus am besten zu studieren. Endet ein Teil der Menschen als Kannibalen?

Ein Fall für FRITZ: Bäume wachsen nicht bis in den Himmel, Mieten auch nicht. Ein Fall für FRITZ und den neuen frischen Grünen Wind Stuttgart2013. 'Zittert zittert Blöde Toren' (Gesangbuch)

Und die Mietpreise steigen u.a auch deswegen,..: ..da der 'soziale Wohnungsbau' privatisiert wird und dadurch die Mieten steigen aus durchaus berechtigten Renditegründen. Ich kann da nur sagen, viele Kommunen wollten im sozialen Wohnungsbau nicht rechnen. Vor 30 Jahren nicht und heute nicht. Rücklagen für Renovierungen u.o. Neubauten wurden erst gar nicht in den Haushalten gebildet. Dies gilt wohlgemerkt nicht für alle, speziell die Länder aber verkaufen fast komplett alle ihre Beteiligungen. Dadurch wird bezahlbarer Wohnraum knapper. Und durch Kosten/Nutzen Rechnungen in den öffentlichen (Ver)waltungen, die i.a.R. von Leuten gemacht werden können, die kein Gespür dafür entwickelt haben, aus dem eigenen wiederrum i.a.R. 'gedeckelte'n Geldbeutel die Dinge anzugehen.

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