Migrationsbericht Die Integration kommt langsam voran
Michael Trauthig, 12.01.2012 21:45 Uhr
Ein Fünftklässler in Hannover: Wird in der Familie Deutsch gesprochen, erhöhen sich für Migrantenkinder die Bildungschancen. Foto: dpa
Ein Fünftklässler in Hannover: Wird in der Familie Deutsch gesprochen, erhöhen sich für Migrantenkinder die Bildungschancen. Foto: dpa
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Berlin - Das Papier ist eine echte Fleißarbeit: Auf 255 mit zahlreichen Tabellen und Grafiken gespickten Seiten hat die Beauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer die Entwicklung der Integrationin den vergangenen Jahren bilanzieren lassen. Ihr Fazit und damit ihr Zeugnis für die eigene Politik fällt tendenziell positiv aus: "In zentralen Bereichen hat sich die Teilhabe der 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrundverbessert", sagt die CDU-Politikerin - einerseits. Andererseits gibt sie zu, dass bestenfalls ein Anfang gemacht ist und weiter starke Anstrengungen nötig sind. Denn Menschen aus Zuwandererfamilien erreichen noch immer fast auf keinem Feld im Durchschnitt das Niveau der Einheimischen. Das zeigt der mittlerweile zweite "Integrationsindikatorenbericht", der sich stark auf Daten des Mikrozensus stützt.

Bildung

Hier melden die Statistiker einen Aufwärtstrend. Weniger Migranten bleiben ohne Schulabschluss. Von den 18-25-Jährigen waren dies 2010 noch 4,4 Prozent gegenüber 5,1 Prozent fünf Jahre zuvor. Allerdings sind von den übrigen jungen Erwachsenen nur 1,6 Prozent ohne Abschluss. Das Bild trübt sich noch ein, wenn man direkt auf das Ende der Schullaufbahn blickt. Der Anteil ausländischer Jugendlicher ohne Abschluss war im Schuljahr 2008/2009 mit 7,3 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den deutschen Jugendlichen (2,9). Ähnlich ist der Abstand beim (Fach-)Abitur. 14,1 Prozent der Ausländer schafften die Hochschulreife, aber 33 Prozent der Schüler mit deutschem Pass. Die soziale Lage des Elternhauses und die Frage, ob die Familie im Alltag Deutsch spricht, spielen da jedoch eine wichtigere Rolle als der Migrationshintergrund.

Betreuung

Der Ausbau der Kitas zeigt Wirkung. Mittlerweile besuchen wesentlich mehr Kinder mit Migrationshintergrund eine solche Einrichtung und können deshalb zumindest theoretisch früher gefördert werden. Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn trotz des Anstiegs werden lediglich 12,2 Prozent der Kinder unter drei Jahren aus Einwandererfamilien derart betreut. Bei den übrigen ist es dagegen rund jedes vierte Kleinkind.

Arbeitsmarkt

Vom Wirtschaftsaufschwung profitierten auch die Einwanderer. Ihre Arbeitslosenquote ist seit 2005 um fast zehn Prozentpunkte auf 15,8 Prozent gesunken. Das war 2010 freilich immer noch doppelt so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung. Insofern nimmt es nicht Wunder, dass ihr Armutsrisiko stärker abnahm als insgesamt. Gleichwohl liegt es mit 26,2 Prozent weit über dem der Allgemeinheit (14,5 Prozent). Fortschritte gab es ebenfalls bei der Weiterbildungsbereitschaft. Sie nahm um 20 Prozent zu. 9,6Prozent der Migranten bilden sich mittlerweile fort. Das ist jedoch viel weniger als der Durchschnitt (16,7 Prozent).

Öffentlicher Dienst

Auf diesem Feld herrscht Stagnation. Migranten sind mit einem Anteil von 9,9 Prozent unterrepräsentiert. Sie haben oft auch die schlechter bezahlten Jobs. Von denen, die mehr als 2000 Euro netto verdienen, stellen sie nur 6,3 Prozent. Im pädagogischen Bereich, an Kindergärten, Schulen und Hochschulen können Ausländer zwar verstärkt landen, aber auf niedrigem Niveau. 3,6 Prozent des Personals an Kindergärten und Grundschulen haben keinen deutschen Pass.

Kriminalität

Ausländer mussten sich weiterhin häufiger vor Gericht verantworten. Ihre Kriminalitätsquote lag bei 5,3 Prozent gegenüber 2,6 Prozent im gesamten Durchschnitt. Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Die Forschung betont, dass soziale Unterschiede eine wesentliche Erklärung für die höhere statistische Verbrechensrate sind.

Kommentare (3)
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JAN
13
Arne Sigrist , 13:40 Uhr

Diese braunkappendösige Gesülze vom Schaden der "Durchmischung"....

...ist nur schwer zu ertragen. Wenn hier ein Theo zum "Besten" gibt, dass er keine Durchmischung von Schulklassen will, dann sollte er erfahren, dass ausgerechnet sein Namenspatron Theodor aus der Türkei kam. Heute sind dessen Verwandte und deren Nachkommen die Leute, auf die so manc h unbedarfter schwäbischer Theo herabsieht. Der Name Theodor ist auch ein Zeichen dafür, dass Bildung gerade in "gemischten" Gemeinschaften viel besser vermittelt werden kann und größtmögliche Vorteile bingt als in sogeneannten Inzuchtanstalten, die nur den "teutschen" Ungeist perpetuieren. Ohne solche aus andern Ländern stammenden "Theos" würden wir heute noch in den Wäldern mit Fellen herumtappen und könnten keinen Wegweiser lesen. Merke: Fremde sind immer ein Geschenk und kein Abfall.

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JAN
13
GuntherG, 11:53 Uhr

Integrationsministerin

Der Chef der Grünen, Cem Özdemir, fordert eine Reform des Schulsystems: Es müsse eine bessere soziale Durchmischung an den Schulen geben. Wenigstens liest man ein Statement vom Cem. Von "unserer" Integrationsministerin hört bzw liest man in der StZ wieder einmal NICHTS. Anscheinend scheint bei dieser dame sowieso als Programm zu gelten, erst mal ein Interview einer anderen Zeitung zu geben, um dann ihre Aussagen in der StZ vollkommen umzudrehen. Auch über Ihren Antrittsbesuch bei Erdogan wurde hier nicht thematisiert! Was gibt es hier zu verbergen? Insgesamt ist der Artikel doch etwas zu sehr "Jubelpresse" als das darstellen der Realität in Deutschland.

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JAN
13
Theo, 08:04 Uhr

Durchmischung? Was soll das?

Wieso überlegen sich eigentlich alle wie man es den Migranten noch leichter machen kann sich hier niederzulassen. Warum denkt hier niemand an die deutschen Familien und Kinder. Ich will nicht, dass meine Kinder in "sozial durchgemischen" Schulen zusammen mit Kindern unterrichten werden die kaum unsere Sprache sprechen und nach einem Wertesystem erzogen wurden, dass man bei uns im Mittelalter abgeschafft hat. Jeder kennt die Regeln und die Vorraussetzungen und wer sich nicht daran orientiert, der hat Pech gehabt. Das ist in jedem Land der Erde so. Wer unbedingt zuhause türkisch sprechen will, darf nicht erwarten, dass sich Schulen darauf einstellen - umgekehrt muss es laufen! Ich bin dankbar, dass wir nach den heutigen Schulform diese "Schichten" getrennt voneinander behandeln. Eine Durchmischung geht zu Lasten derjenigen die sich anpassen. Und zum anderen muss man sagen, dass es schon auf manchen Gymnasien Durchmischungen gibt, die kaum zu ertragen sind.

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