Milliardenübernahme in Plochingen Keramikhersteller Ceramtec wird verkauft

Von  

Beinahe jeder kommt mit den Produkten des schwäbischen Keramikherstellers in Berührung. Nun wechselt das Unternehmen aus Plochingen den Besitzer. Der Deal ist mit dem Volumen von 2,6 Milliarden Euro eine der größten Übernahmen durch Finanzinvestoren in diesem Jahr.

Ein Chirurg begutachtet ein Hüftgelenksimplantat von Ceramtec. Foto: Ceramtec
Ein Chirurg begutachtet ein Hüftgelenksimplantat von Ceramtec. Foto: Ceramtec

Stuttgart - Der Industriekeramik-Hersteller Ceramtec wechselt den Besitzer. Die Beteiligungsgesellschaft BC Partners setzte sich im Bieterwettstreit um das Unternehmen aus Plochingen (Landkreis Esslingen) durch, wie der bisherige Eigentümer Cinven am Mittwoch mitteilte. Es ist eine der größten Übernahmen durch Finanzinvestoren in Deutschland in diesem Jahr: BC Partners mit Sitz in London zahlt zusammen mit zwei kanadischen Pensionskassen knapp 2,6 Milliarden Euro für Ceramtec – einschließlich rund einer Milliarde Euro an Schulden, wie zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Mit Produkten von Ceramtec dürfte beinahe jeder Deutsche täglich in Berührung kommen, schließlich beliefert der Hersteller unter anderem die großen Sanitäranbieter mit keramischen Dicht- und Regelscheiben für Armaturen in Bad und Toilette. Eine andere wichtige Sparte ist die Medizintechnik: Nach Angaben eines Firmensprechers werden bei jeder zweiten Operation weltweit Keramikimplantate etwa für künstliche Knie- oder Hüftgelenke von Ceramtec eingesetzt. Ein drittes Anwendungsfeld sind elektronische Leiterplatten. Zu den Kunden des Traditionsunternehmens zählen auch die Automobilindustrie und der Maschinenbau.

Cinven hat vor vier Jahren 1,5 Milliarden Euro gezahlt

Der britische Noch-Eigentümer Cinven hatte vor vier Jahren 1,5 Milliarden Euro an den US-Konzern Rockwood gezahlt. „Ceramtec war für Cinven ein äußerst erfolgreiches Investment“, sagte Bruno Schick, ein Partner bei Cinven. Noch vor zwei Jahren hatte der Eigentümer vergeblich versucht, Ceramtec an die Börse zu bringen. Diesmal fand sich binnen weniger Wochen ein Käufer. Der neue Besitzer ist trotz der Preissteigerung zuversichtlich, dass sich das Investment auszahlt: „Wir sehen bei Ceramtec ein großes Potenzial für nachhaltiges profitables Wachstum, sowohl organisch als auch durch Akquisitionen“, lässt der Co-Chef des Finanzinvestors Stefan Zuschke in einer Mitteilung zitieren. Bereits Cinven hatte in den vergangenen vier Jahren zwei Firmen hinzugekauft.

Ceramtec ist hochprofitabel: In den zwölf Monaten bis Juni erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 538 Millionen Euro. Der operative Gewinn (Ebitda), an dem sich der Kaufpreis orientiert, lag bei 196 Millionen Euro.

In Baden-Württemberg sind 650 Mitarbeiter beschäftigt

Das Unternehmen beschäftigt rund 3400 Mitarbeitern an 18 Standorten in Europa, Amerika und Asien; 2000 davon arbeiten in Deutschland. Am Firmensitz in Plochingen sowie am zweiten baden-württembergischen Standort in Ebersbach an der Fils (Landkreis Göppingen) sind 650 Mitarbeiter in Verwaltung und Produktion von technischen Keramikbauteilen beschäftigt. Aus Plochingen kommen unter anderem Produkte für die Medizintechnik, etwa Kugelköpfe und Pfanneninserts für Hüftgelenksprothesen sowie keramische „Blanks“ als Basismaterial für Kronen und Brücken für die Zahnmedizin. In Ebersbach produzieren rund 150 Mitarbeiter Schneidplatten zum Drehen und Fräsen von Gussbauteilen oder gehärteten Stählen.

Der neue Eigentümer beabsichtigt nach Angaben aus Firmenkreisen keinen Arbeitsplatzabbau, stattdessen soll weiter in das Unternehmen und seine Standorte investiert werden. Auch personelle Wechsel in der Ceramtec-Führung um den Vorstandschef Henri Steinmetz seien derzeit nicht geplant. Der Finanzinvestor, der seine deutschen Beteiligungen von Hamburg aus betreut, hält derzeit auch Anteile am Wissenschaftsverlag Springer Nature. Zu früheren Investitionen von BC Partners in Deutschland zählt auch der Kabelnetzbetreiber Unitymedia.