ExklusivMillionenverluste durch Mappus’ Coup Tiefrote Zahlen nach EnBW-Deal

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Exklusiv Die Rechnung von Stefan Mappus geht immer weniger auf: Der EnBW-Kauf beschert der Landesfirma Neckarpri einen Rekordverlust. Im nächsten Jahr würde ihr sogar die Insolvenz drohen – wenn es keine Landesgarantie gäbe.

Die Beteiligung am Energiekonzern EnBW wird für das Land immer mehr zum Verlustgeschäft. Die Zinsen lassen sich immer weniger mit der Dividende bezahlen. Foto: dpa
Die Beteiligung am Energiekonzern EnBW wird für das Land immer mehr zum Verlustgeschäft. Die Zinsen lassen sich immer weniger mit der Dividende bezahlen.Foto: dpa

Stuttgart - Der EnBW-Deal von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) wird für das Land Baden-Württemberg immer mehr zum Verlustgeschäft. Die Landesfirma Neckarpri GmbH, die knapp 47 Prozent der Aktien des Karlsruher Energiekonzerns hält, rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Im vierten Geschäftsjahr weist die Neckarpri 46 Millionen Euro Verlust auf, so viel wie nie zuvor. Das geht aus dem Jahresabschluss zum 30. Juni 2014 hervor, der am Donnerstag im Internet veröffentlicht wurde. In den Vorjahren hatte die Landesfirma Fehlbeträge von 16 und 26 Millionen Euro ausgewiesen.

Mappus hatte die EnBW-Aktien im Dezember 2010 auf Pump gekauft. Den Kaufpreis von rund fünf Milliarden Euro finanzierte er über zwei Milliadenanleihen. Deren Zinskosten sollten durch die EnBW-Dividende aufgebracht werden – ein Geschäft, von dem die „schwäbische Hausfrau“ begeistert sein werde, wie der CDU-Premier behauptete. Tatsächlich ging seine Rechnung nur im ersten Jahr halbwegs auf, weil der Dividende von 1,53 Euro damals die Zinskosten lediglich für einige Monate gegenüberstanden. Seither öffnet sich die Schere zwischen der inzwischen stark gesunkenen Dividende und den tendenziell steigenden Zinssätzen immer weiter.

Dividende sinkt, Zinsen steigen

Der Jahresverlust von 46 Millionen Euro erklärt sich vor allem durch den Rückgang der Dividendeneinnahmen. Wegen der schwierigen Lage der EnBW war die Ausschüttung von 85 auf 69 Cent reduziert worden. Statt 110 Millionen Euro flossen der Neckarpri deshalb nur noch 89 Millionen Euro zu. Zugleich stiegen die Zinsausgaben von 124,7 auf 128,8 Millionen Euro. Der Grund: eine der beiden Milliardenanleihen lief aus und wurde mit einem etwas höheren Zinssatz (2,3 statt 1,9 Prozent) um zehn Jahre verlängert. Weitere Aufwendungen schlagen mit 5,6 Millionen Euro zu Buche; dabei geht es im Wesentlichen um Rechts- und Beratungskosten im Zusammenhang mit der Schiedsklage. In dem noch nicht entschiedenen Verfahren fordert das Land von der französischen EdF einen Teil des Kaufpreises zurück.

Auch der Wert der EnBW-Aktien der Neckarpri ist wegen der schwierigen Lage für die Energieversorger weiter gesunken, auf nur noch gut 3,7 Milliarden Euro. Damit bestünde laut den Wirtschaftsprüfern eigentlich ein Abwertungsbedarf von gut 1,5 Milliarden Euro; wegen einer vom Land gegebenen Werthaltigkeitsgarantie wird dieser jedoch nicht gebucht.

Landesfirma wäre eigentlich pleite

Besonders kritisch wird die Entwicklung dem Ausblick zufolge vom kommenden Jahr an. Dann werde ebenfalls ein Fehlbetrag von 46 Millionen Euro erwartet, der jedoch nicht mehr durch einen Gewinnvortrag ausgeglichen werden kann; das Millionenpolster aus dem ersten Jahr ist nämlich aufgezehrt. Die Folge: Die Neckarpri GmbH hätte kein Eigenkapital mehr und wäre bilanziell überschuldet. Unter normalen Umständen könnte dies zur Insolvenz führen. „Aufgrund der bestehenden Garantien des Gesellschafters und der damit verbundenen Sicherung der Zahlungsfähigkeit ist der Fortbestand des Unternehmens dennoch gesichert“, heißt es im Lagebericht. Im Klartext: Würde der Steuerzahler nicht für die Landesfirma geradestehen, wäre sie jetzt pleite.

Der Verlust könnte im kommenden Jahr sogar noch höher ausfallen. Bei der Prognose von 46 Millionen Euro geht die Neckarpri davon aus, dass die Dividende der EnBW unverändert bleibt. Dies gilt jedoch keineswegs als sicher; vielmehr dürfte über eine weitere Senkung diskutiert werden. Zudem wird ein „nicht unerhebliches Risiko im Anstieg der Kreditkosten“ gesehen.

Ein Zuzahlung in das Eigenkapital der Neckarpri ist übrigens nicht geplant. Hier setzt das Land auf das Prinzip Hoffnung: Nach der Neuausrichtung werde die EnBW die erforderlichen Erträge erwirtschaften, um die jetzt erwarteten Verluste ausgleichen zu können.

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6 Kommentare Kommentar schreiben

@dipl. ing. (fh) franziska theissen, 19:42 Uhr: Das freut mich aber, dass Sie froh sind "dass die aktien im land sind" Dann sind Sie ja mit Kretschmann einig der sagte "Von den wenigen Regierungserklärungen seiner drei Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten zum Thema Wirtschaft habe eine ausgeführt, weshalb der Verkauf der EnBW-Anteile von genialer Weitsicht künde, eine andere, weshalb der Zurückkauf der EnBW-Anteile von ebenso großer Weitsicht geprägt sei." Dass Mappus in seinem zwanghaften Kaufrausch und unter Zeitdruck ein ultiamativ schlechter Einkäufer war, ist uns da doch locker ein paar hundert Millionen wert. Und einen Verfassungsbruch nur "nicht koscher"? Da sieht man wie tolerant die Menschen in BW sein können ;-)

Informierte Bürger wissen mehr: Der EnBW-Untersuchungsausschuss endete mit folgendem Resumé: "Es sei gut, dass die EnBW wieder dem Land gehöre. Tatsächlich haben das sämtliche Fraktionen zum Abschluss des EnBW-Untersuchungsausschusses so bekräftigt, teils durch Zustimmung, teils durch Enthaltung. Einzelne kritische Stimmen drangen nicht durch". Na sowas.

öffentliche Meinung: Und trotzdem wird die öffentliche Meinung weiter meinen, dass schwarz und gelb mit Geld umgehen könnten, grün und rot aber nicht. Da müssten erst drei Mappusse so viel Geld verbraten, dass die Mehrheit Notiz davon nimmt. Siehe Mehrheit fürs Millionengrab S21, das nie und nimmer für 6,5 Mia fertig werden wird. Es sollte ursprünglich ja nichts kosten, nach schwarzgelber Meinung.

ich bin froh, dass die aktien im land sind: dass die art des deals nicht koscher war sei mal dahingestellt. aber die stromversorgung ist in der hand des landes. das ist wichtig. dass unsere landesregierung damit nicht umgehen kann oder will steht auf einem anderen blatt.

Bullen und Bären: Man muss sich das nochmal vor Augen führen. Ein Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes spekuliert ... ja zockt an der Börse auf Risiko der Steuerzahler mit Absegnung des Parlaments.... und kommt wie auch alle anderen hier Beteiligten ungestraft davon. Ein Stoff für Kafka ...

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