Mindestlohn in Baden-Württemberg Verdi fordert Erhöhung auf 10 Euro

Von red/dpa 

Der Mindestlohn in Baden-Württemberg liegt aktuell bei 8,50 Euro. Das ist der Gewerkschaft Verdi nicht genug. Die Landeschefin fordert jetzt einen deutlichen Anstieg im Land.

Der Mindestlohn liegt aktuell bei 8,50 Euro. Foto: dpa
Der Mindestlohn liegt aktuell bei 8,50 Euro.Foto: dpa

Stuttgart - Verdi-Landeschefin Leni Breymaier pocht auf eine Erhöhung des Mindestlohns auf 10 Euro. „In Baden-Württemberg kann man von den aktuell geltenden 8,50 Euro pro Stunde Vollzeit-Arbeit nicht leben, das ist zu wenig“, sagte Breymaier der Deutschen Presse-Agentur. Eine mögliche staatliche Aufstockung des Verdienstes sieht sie kritisch. „Menschen, die Vollzeit arbeiten, sollen nicht am Ende des Monats zum Amt laufen, um sich ihr Geld aufstocken lassen zu müssen - dadurch subventionieren wir Steuerzahler Firmen, die auf Niedriglöhne setzen.“

In Baden-Württemberg haben finanziell nur wenige Menschen von der gesetzlichen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro profitieren können, genaue Zahlen gibt es nicht. In den meisten Branchen liegt selbst die niedrigste Bezahlung über 8,50 Euro. Nach Einschätzung von Breymaier könnten beispielsweise Angestellte in manchen Branchen - etwa im Handel oder der Paketzustellung - vom Mindestlohn profitieren. Dieser Stundenlohn sei aber nicht genug zum Leben. „Mit 10 Euro wäre die Bezahlung gerechter“, sagte Breymaier. „Davon profitieren die sozialen Sicherungssysteme, aber auch die Wirtschaft, weil der Mehrverdienst zum Großteil wieder ausgegeben wird.“

Kritik aus der Wirtschaft

Aus der Wirtschaft im Südwesten hagelte es Kritik für den Vorstoß: „Über eine Erhöhung des Mindestlohns zu sprechen, wenn gleichzeitig eine Vielzahl von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen, ist Gift für die Wirtschaft und auch für die Betroffenen“, sagte der Geschäftsführer des Maschinenbauverbands Dietrich Birk. „Wenn man anfängt, Mindestlöhne immer stärker zu erhöhen, wird das dazu führen, dass Unternehmen einfache Dienstleistungen dort nachfragen, wo sie günstiger zu haben sind.“

Statistisch gesehen hat die gesetzliche Lohnuntergrenze im Südwesten kaum Folgen gehabt. In den meisten Branchen liegt selbst die niedrigste Bezahlung über 8,50 Euro. „Der Mindestlohn hat in Baden-Württemberg nicht die Relevanz wie in den östlichen Bundesländern“, sagt der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Christian Rauch. Vor Einführung des Mindestlohns lag der Anteil der Beschäftigten, die weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdient haben, hierzulande laut Arbeitsagentur bei 5,2 Prozent.

Das Argument will Südwestmetall-Chef Stefan Wolf nicht gelten lassen. „Mittelbar schlägt das auch auf die Metallbranche durch“, sagt er. „Denn wir beziehen ja auch Dienstleistungen, und auch Praktika sind betroffen.“ Der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handwerkskammertags Peter Kulit sieht bereits weitere Erhöhungen: „Am Ende käme man womöglich gar bei 15/16 Euro Mindestlohn raus. Das wäre schlecht für unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Industriepräsident Hans-Eberhard Koch warnte: „Deutschland ist ohnehin ein Hochlohn-Kostenland, deutlich höhere Personalkosten könnten die Schraube überziehen, und sie wären schlecht für unsere Wettbewerbsfähigkeit.“

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9 Kommentare Kommentar schreiben

Tarife: Mal eine ganz nette Frage an diese Gewerkschaft: Hat sie in all ihren Tarifverträgen (und hier besonders die Haustarifverträge mit Personaldienstleistern) eigentlich einen Stundenlohn über 10 Euro festgeschrieben? Vermutlich nicht! Warum bestreikt sie diese denn dann eigentlich nicht so lange, bis sie das freiwillig bezahlen?

Es wird überall gespart: egal was es kostet. Ein solcher Streik kostet viel Geld. Geld, das den Funktionären fehlen würde. Da scheint es billiger, die Allgemeinheit die Drecksarbeit machen zu lassen. Was das kostet, ist erstmal egal, solange die Funktionäre versorgt sind. Wobei die Keule "Tarifautonomie" mit jedem Mal stumpfer wird, mit dem die Funktionäre den Staat herausfordern, sich endlich einzumischen. Die Heerscharen an Beamten sind ja auch nicht ganz doof und nutzen jede Gelegenheit, ihre Macht zu mehren.

Ach wie schön,...: auch hier "same procedure as every year". Ich erspare mir näher darauf einzugehen und fordere die Herren Koch, Kulit und Wolf dazu auf, uns zu erklären, wie jemand mit knapp 10 Euro die Stunde brutto durch seine Erwerbsbiographie "schlendert" und im Rentenfalle ohne staatliche Hilfen auskommen soll. Mal ganz zu schweigen, von den jährlich steigenden Lebenshaltungskosten, die mit Sicherheit in 20 Jahren für etwa ein viertel unserer arbeitenden Bevölkerung zu einem nicht mehr finanzierbaren Problem werden wird. Und Herr Costanza, mit Verlaub, was war heute Morgen in Ihrem Espresso? In Ihrem ersten Beitrag fehlen die Arbeitgeber! Ohne wie Sie es nennen "Steuerirrsinn und Gewerkschaften" hat der Arbeitgeber das Diktat über die Löhne ganz alleine. Sie wissen schon, wo wir leben. Landläufig nennt man das Raubtier-Kapitalismus. Ratespiel. Wer sind die Raubtiere?

Sie sagen es: Das eigentliche Problem ist der Raubtier-Kapitalismus. Leistung muss leistungsgerecht entlohnt werden und man sollte davon leben können. Es kann nicht angehen, dass ein stattlich verordneter Mindestlohn dafür sorgen soll, dass Firmen ihre Mitarbeiter nicht ausbeuten. Unser derzeitiges Wirtschaftswachstum basiert auf niedriglöhnen. Höhere Lohnkosten drücken den Umsatz. Die Gehälter sollten generell auf ein Niveau angehoben werden das ausreicht, dass man davon leben kann und gleichzeitig nicht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährdet. Ein paar Prozent weniger Gewinn oder geringere Boni kann unsere Wirtschaft sicher verkraften.

Haha....: ...Deutschland sei ein Hoch"lohn"-Kostenland - aber auch ein Hochkosten-Land. Schließlich haben wir hier auch keine Lebenserhaltungskosten wie in manchen Ostblockstaaten. Wer profitiert davon, wenn wir hier z.B. Lohnkosten wie z.B. in Malta hätten? Wenn nicht das Volk, wer dann - und vor allem, wozu?

witzig: wenn Mitarbeiter eines Unternehmens eher auf die Geschäftsleitung und die eigene Leistungsfähigkeit vertrauen anstatt auf die Planwirtschaft einer Gewerkschaft wie es ja in vielen Unternehmen der Fall ist. Da laufen Gewerkschafter dann gegen Mitarbeiterwände und verstehen die Welt nicht mehr. Mit Leistung kann ein Gewerkschafter eben nicht umgehen. Daher plädiere ich dafür, anstatt erhöhtem Mindestlohn sollten die Beschäftigten ohne Beteiligung der Gewerkschaft mit der jeweiligen Geschäftsführung Vereinbarungen treffen zwecks Erfolgsbeteiligung, Boni etc. Dann wird der belohnt der Leistung bringt, die Motivation wird gesteigert und die Planwirtschaft zurückgedrängt, was könnte es schöneres geben? Die die mit Leistung nicht umgehen können, die sollen sich beim Staat verdingen, denn da gehts nicht um Leistung

Dann wird der belohnt der Leistung bringt: Könnte es nicht sein, dass derjenige belohnt wird, welcher am tiefsten kriecht?

ach: wie gut dass die meisten Beschäftigten mittlerweile nichts mehr mit einer Gewerkschaft zu tun haben wollen und wissen dass es an ihnen selbst liegt besser zu verdienen. Ohne Gewerkschaften und ohne Steuerirrsinn würde jeder kleine Beschäftigte deutlich über 20 Euro die Stunde verdienen, in der Region Stuttgart sogar deutlich über 30 Euro die Stunde

Kaum zu glauben: Ich kann nicht ganz nachvollziehen wie Sie darauf kommen, das "jeder kleine Beschäftigte" deutlich über 30 EUR die Stunde in Stuttgart verdienen würde. Das entspräche einem Monatslohn von 4800 EUR brutto. Selbst ohne Steuer, wäre das für die meisten Arbeitnehmer ein stolzer Lohn. Warum der Lohn höher ausfallen soll, wenn keine Gewerkschaften im Spiel sind, erschließt sich mir auch nicht. Schließlich sind viele von den Gewerkschaften ausgehandelten Tarife deutlich höher als der Standardlohn. Bei der Lufthansa geht das im Falle der Piloten sogar soweit, dass die (von den Gewerkschaften verhandelten) hohen Löhne das Unternehmen in ein existenzielles Risiko stürzen. Lufthansa Piloten verdienen z.T. das Doppelte bis Dreifache wie Piloten der Konkurrenz. Die Auswirkungen sieht man daran, dass die LH nur deshalb keinen Verlust macht, weil der Ölpreis gerade sehr niedrig ist. In einem Punkt gebe ich Ihnen Recht. Leistung soll leistungsgerecht bezahlt werden. Es darf nicht sein, dass ein Parkplatzeinweiser (ohne jegliche Ausbildung) aufgrund eines Mindestlohn genauso viel verdient wie ein Altenpfleger oder Physiotherapeut der eine lange, teure Ausbildung absolviert hat und viel mehr Verantwortung trägt.

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