Ministerin Tanja Gönner Sicherheit durch Zugbegleiter
Andrea Koch-Widmann und Michael Petersen, 14.03.2010 09:47 Uhr
Eine Speerspitze der Atomlobby? Tanja Gönner findet es ungerecht, von guten und bösen Umweltministern zu reden. Foto: dpa
Eine Speerspitze der Atomlobby? Tanja Gönner findet es ungerecht, von guten und bösen Umweltministern zu reden. Foto: dpa
""Palmer kann sich ja für das Projekt Klimafreundliche Stadt bewerben""
Tanja Gönner, Umwelt- und Verkehrsministerin

Stuttgart - Die Minsterin hat mittlerweile viele Aufgaben: Zur Umwelt kommen der Verkehr und der Naturschutz.

Frau Gönner, haben Sie als Umweltministerin genug Zeit, auch noch das Verkehrsressort zu übernehmen? Noch dazu ohne Staatssekretär?


Dieses Haus war schon einmal für Umwelt und Verkehr zuständig. Das ist es jetzt wieder, ergänzt durch den Naturschutz. Es ist klar, dass es eine Herausforderung ist, ohne Staatsekretär zu arbeiten. Aber ich habe einen sehr guten Amtschef, der mir viele Termine abnehmen wird.

Was bedeutet der Wechsel inhaltlich?


Es gibt beispielsweise Synergieeffekte bei der Luftreinhaltung oder bei der Lärmbekämpfung. Wir wollen Zukunftsfragen klären wie etwa: Wie sieht nachhaltige Mobilität aus - in Ballungszentren und zwischen den Zentren und dem ländlichen Raum.

Was liegt Ihnen persönlich näher, die Schiene, die Straße oder gar das Fahrrad?


(lacht) Ich gebe zu, dass mein Fahrrad-Gebrauch verbessert werden könnte. Immerhin, ich habe die Diensträder schon genutzt. Sonst fahre ich neben dem Dienstwagen wenn möglich mit der Bahn.

Als Umweltministerin bekämpfen Sie den Lärm. Werden Sie nun als Verkehrsministerin Kommunen unterstützen, die den Lärm durch ein Tempolimit reduzieren wollen?


Das Thema Lärm spielt im Verkehrsbereich eine immer größere Rolle. Das lässt sich sogar an den Vorschriften ablesen. Damit ein Tempolimit wegen des Lärms genehmigt werden kann, musste früher eine Senkung des Lärms um 3 Dezibel erreicht werden. Heute sind es 2,1 Dezibel.

Fast alle Autos haben grüne Plaketten, aber Grenzwerte werden immer noch überschritten - beim Feinstaub und bei Stickstoffdioxid. Kommt da noch was Neues?


Lange haben alle Autos mit grünen Plaketten dem neuesten Stand der Technik entsprochen. Die Debatte wird wiederkommen, wenn sich der Euro-6-Standard durchsetzt. Ob wir dafür neue Plaketten brauchen? Vorrangig ist, dass die Autos mit roten und gelben Plaketten schrittweise aus Umweltzonen ausgeschlossen werden.

Was ist mit den Stickstoffdioxiden?


Fachleute im Land haben vorige Woche darüber diskutiert; die Europäische Kommission wird sich im April damit befassen. Aber es stimmt schon: Wir bekämpfen den Feinstaub mit Rußfiltern und Oxi-Kat, der wiederum zu mehr Stickstoffdioxide führen kann. Das Thema wird uns noch längere Zeit nicht in Frieden lassen.

Kommentare (4)
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MRZ
14
Achim F., 14:59 Uhr

Klimaschutz ?

Die Durchfahrtverbote für LKW erscheinen wie die Umweltzonen nur vordergründig für den "Normalbürger" als plausibel, die Maßnahmen sind jedoch bei genauerer Betrachtung eher kontraproduktiv ! Hat man sich denn mal die Mühe gemacht, zu berechnen, wieviele Millionen zusätzliche Kilometer durch die weiträumigen Umfahrungen jährlich anfallen ? Wieviel Diesel wird zusätzlich verbrannt, und wieviel Schadstoffe entstehen zusätzlich ? Wo bleiben die Proteste der Klimaschützer wegen des erheblichen Mehrausstoßes des Treibhausgases CO2 ? Welcher Anteil des zunehmenden Schadstoffaufkommens auf dem Autobahnring wird in die Umweltzone Stuttgart eingeweht ? Wie auch die Umweltzonen können Durchfahrtverbote für LKW die Feinstaubbelastung allenfalls marginal reduzieren, da die Abgase der KFZ lediglich 6-8% des Feinstaubaufkommens ausmachen. Warum also das Ganze ? Nur um der EU und der Bevölkerung zu zeigen, daß überhaupt etwas passiert ? Sinnvolle Umweltpolitik sieht anders aus !

MRZ
14
Stuttgarter, 08:19 Uhr

Was eigentlich ist passiert?

Was eigentlich ist passiert in unserem Lande, dass es nicht mehr möglich ist angstfrei die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen? Wer hat dafür die Verantwortung, weil er/sie etwas getan hat oder eben nicht getan hat? Wie offenbar IMMER bei uns: Es gibt NIEMANDEN der verantwortlich ist!!!

MRZ
13
Dr Seltsam, 22:58 Uhr

Es fehlt etwas in diesem Interview

Es ist bemerkenswert, dass das Thema S21 in dem Interview in der StZ nicht einmal angesprochen wird. In der Badischen Zeitung hingegen, wird Frau Gönner auch zu S21 befragt: "BZ: Stuttgart 21 bindet Milliarden. Wie begegnen Sie der Furcht, dieses Geld könnte andernorts im Land fehlen? Gönner: Mit objektiven Argumenten. Wenn die Gelder des Bundes nicht Stuttgart 21 zugute kommen, fließen sie in Bahnprojekte anderer Bundesländer. BZ: Die Proteste gegen Stuttgart 21 flauen nicht ab. Wie können Sie die Akzeptanz erhöhen? Gönner: Ich habe großes Verständnis für die Emotionalität der Debatte. Infrastrukturprojekte dieser Größenordnung waren immer umstritten. Ich versuche, die Auseinandersetzung sachlich zu führen und deutlich zu machen, wie wichtig das Projekt für die Zukunft ist – gerade unter Umweltgesichtspunkten. BZ: Sehen Sie die Möglichkeit, die Bürger jetzt noch zu beteiligen? Gönner: Wir können die Bürger formal nicht so beteiligen, wie es sich die Gegner wünschen. Da setzt uns das Recht enge Grenzen. Aber auch wenn Gegner und Befürworter nicht mehr zusammenfinden, wäre es hilfreich, wenn beide Seiten verbal abrüsten." Da haben wir sie wieder, die selben Antworten wie wir sie von "fakten" und Co. kennen: "Wenn die Gelder des Bundes nicht Stuttgart 21 zugute kommen, fließen sie in Bahnprojekte anderer Bundesländer." Dazu wird wieder das Thema Emotionalität hochgespielt. Es geht aber vielmehr um die konkreten finanziellen, städtebaulichen, bahntechnischen Gründe, die gegen S21 sprechen. Hat Frau Gönner kein Verständnis dafür? Sie ist auch für Naturschutz zuständig, steht aber offensichtlich dem Fällen von 300 Bäumen im Schlossgarten ganz gelassen gegenüber. Und dann: es wäre "hilfreich, wenn beide Seiten verbal abrüsten". Hilfreich für wen? http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/wir-zahlen-nicht-alle-mehrkosten--28257422.html

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