Missbrauchsfälle Merkel dringt auf Aufklärung
Armin Käfer, 17.03.2010 20:57 Uhr
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in die Debatte eingeschaltet. Foto: dpa
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in die Debatte eingeschaltet. Foto: dpa
Berlin - Die Affäre um sexuellen Missbrauch in Schulen und kirchlichen Institutionen zieht weitere Kreise. Am Mttwoch hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Debatte eingeschaltet. Es handle sich um "verabscheuungswürdige Verbrechen", sagte die Kanzlerin im Bundestag, deshalb müsse für "Wahrheit und Klarheit über alles, was passiert ist", gesorgt werden. Auch wenn die ersten Fälle, die jetzt Schlagzeilen machen, im Bereich der katholischen Kirche entdeckt worden seien, halte sie es nicht für geboten, Vorwürfe auf eine Gruppe zu beschränken, mahnte die Regierungschefin.

Merkel begrüßte ausdrücklich, dass es nun doch nur einen Runden Tisch der Regierung geben soll, der mit Betroffenen und Fachleuten erörtert, welche Konsequenzen aus der Affäre zu ziehen sind. Zuvor hatte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erklärt: "Wir sind derzeit innerhalb der Bundesregierung im Gespräch, um möglichst schnell, vielleicht bereits am 23. April, mit einem breitaufgestellten Gremium starten zu können.

Sie halte es für eine gute Idee, "die gesamte Aufarbeitung der Missbrauchsfälle zu bündeln". Ursprünglich war geplant, dass Familienministerin Kristina Schröder und Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) einen Runden Tisch zur Prävention veranstalten. Leutheusser-Schnarrenberger wollte separat Entschädigungsfragen und weitere juristische Schlussfolgerungen diskutieren.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte einen Fonds, aus dem Missbrauchsopfer Entschädigung oder Finanzhilfe erhalten können. Sie kritisierte die Kanzlerin, die am Vortag begrüßt hatte, dass Papst Benedikt XVI. die Notwendigkeit einer vollständigen Aufklärung unterstrichen habe. "Es sind die Kinder, die den Schutz der Gesellschaft brauchen, und nicht der Papst", sagte Künast.

Papst Benedikt hat noch für diese Woche einen lange erwarteten Hirtenbrief zu den Missbrauchsfällen in der irischen Kirche angekündigt. Er hoffe, dass der Brief bei der Buße, der Heilung und Erneuerung helfe, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Mittwoch vor Pilgern im Vatikan. Offen blieb, ob der Papst sich in dem Brief auch zu den Missbrauchsfällen in deutschen Kircheneinrichtungen äußert.

Der Theologe Hans Küng forderte von Papst und Bischöfen ein Schuldbekenntnis. Die Kirche ist nach Angaben des Leiters des Katholischen Büros bei der Bundesregierung, Karl Jüsten, grundsätzlich zu Entschädigung an Missbrauchsopfer bereit. Bischof Stephan Ackermann, der katholische Sonderbeauftragte für die Missbrauchsaffäre, räumte ein, dass die Kirche viele Fälle vertuscht habe. Sie habe zu stark den Täterschutz im Blick gehabt und "falsche Rücksichten" auf den Ruf der Kirche und den Ansehensverlust genommen.
Kommentare (5)
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MRZ
18
Heidi-Rose, 17:54 Uhr

Heiligkeit Sexualität

"Benedikt hofft auf Heilung" - Was hofft er denn zu heilen, seine Kirche oder die Menschenkinderseelen? Mit Hoffen auf Heilung ist es bei weitem nicht getan - es muss gehandelt werden - und wenn Kirche nicht handelt, dann werden andere handeln. Sexualität ist etwas Heiliges, es ist eine starke Kraft, eine ganz natürliche (also von Gott gegebene) Lebenskraft, ohne die Leben gar nicht gelingen kann. Und diese Kraft ist für alle Menschen gleich heilig - auch für Frauen und Kinder. In der Kirche wird noch immer davon ausgegangen, dass es seine Richtigkeit hat, wenn der Mann herrscht und sich als Gebieter aufspielt, wenn er über Frauen und Kinder bestimmt, und sich auch sexuell an ihnen vergreift. Und wieviele Menschen richten sich nach den Richtlinien der Kirche? Solange die Kirche ja eigentlich hinter diesen Verbrechen steht und nicht aufräumt, Schuld bekennt und andere Maßstäbe setzt, wird sich in diesen Reihen und aus diesen Reihen heraus nicht viel ändern. Das Wort "sexueller Missbrauch" z.B., das zur Zeit in aller Munde ist, ist ja schon mal sehr fragwürdig, denn wenn es sexuellen Missbrauch gibt, dann muss man davon ausgehen, dass es auch einen sexuellen "Ge-Brauch" gibt. Und wie ist das zu verstehen? Wer darf die Sexualität, das Heiligste eines anderen Menschen ohne dessen Einwilligung gebrauchen? Darüber sollte man auch einmal nachdenken!

MRZ
18
A. Demetrius, 11:33 Uhr

@hogo57, 18.03.2010 ich weiß nicht..

Ich lese Ihren hanebüchenen Spruch, der auch zur Nichtaufklärung der Inquisition, der Ketzerverfolgungen und Hexenverbrennungen und der 2000jährigen Judenhetze passen würde: "Die Kirche lässt sich Gott sei Dank nicht unter Zeitdruck setzen, nur weil deutsche Medien und schwächelnde Politiker nach Erklärungen schreien." Darauf gibt es eine Antwort: Die Institution Kirche ist schuldig - und nicht nur die deutsche Öffentlichkeit verlangt die längst fällige Entschuldigung, Aufklärung und eine schlüssige Konzeption, wie solche Verbrechen in Zukunft im Namen Christi verhindert werden. Ich fordere Mitleid mit den Opfern - aber kein Mitleid für die Täter in dieser Organisation! Amen!

MRZ
18
R. Giordano, 10:52 Uhr

Denkt der Papst an die Opfer???

Schon teilt Erzbischof Zollitzsch mit, dass ihm und dem Papst die ständig neuen Meldungen über Missbrauch in der kath. Kirche anscheindend zu viel würden. "Das Gewicht eines Wortes wächst nicht durch die Anzahl seiner Wiederholungen. Das gilt im Leben, in existentiellen Dingen ganz besonders." (WELT Online 18.3.10) Zollitsch und der Papst vergessen dabei die vielen Opfer, die sich täglich an ihr Leid unter der ehemaligen Fuchtel von Sexualverbrechern zwangsläufig erinnern müssen. Die Kirche nimmt in Sexualfragen für sich eine sehr hohe Moral in Anspruch. Die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen stehen in einem eklatanten Widerspruch zu diesem Anspruch. Und diesen Widerspruch sollten Zollitsch und der Papst einer durch die Verbrechen sensibilisierten Öffentlichkeit erklären. Die Entschuldigung ist überfällig!

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