„Mission E“ bei Porsche Mitarbeiter finanzieren Bau eines Elektroautos

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Management und Betriebsrat von Porsche haben sich auf ein Sparpaket von mehreren hundert Millionen Euro zum Bau des neuen Elektroautos am Standort Zuffenhausen verständigt. Tarifbeschäftigte und führende Angestellte sollen ihren Beitrag leisten.

Vorerst eine Studie: ein Viertürer mit 600 PS, der mit einer Batterieladung 500 Kilometer weit kommt. Foto:  
Vorerst eine Studie: ein Viertürer mit 600 PS, der mit einer Batterieladung 500 Kilometer weit kommt.Foto:  

Stuttgart - Projekt Zeitenwende“ nennt der Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück die Pläne für den Bau eines Elektroautos bei Porsche. In der Tat: „Mission E“ wird unter ganz neuen Voraussetzungen gestartet. Auch die Belegschaft muss ihren Beitrag leisten, damit das Elektroauto – intern „J1“ genannt – vom Jahr 2019 an am teuren Standort Zuffenhausen gebaut werden kann. Hück hat das Abkommen der Belegschaft gerade in diversen Betriebsversammlungen vorgestellt. Die Vereinbarung im Detail:

700 Millionen Euro will Porsche allein in eine neue Montage und Lackiererei investieren, hinzu kommt die Erweiterung des Karosseriebaus. Insgesamt beträgt der Aufwand etwa eine Milliarde Euro. Ein Teil des Projekts sollen die 13 000 Mitarbeiter in Zuffenhausen und Weissach über einen Zukunftstopf finanzieren. Dazu werden der Belegschaft inklusive der Angestellten bis zu der hohen Gehaltsgruppe P14 über neun Jahre – von 2017 bis 2025 – für jedes Jahr 0,25 Prozent von der Tariferhöhung abgezogen. Dadurch werden 128 Millionen Euro erbracht.

Rückzahlung als jährlichen Zukunftsbaustein

Allerdings erhalten die Beschäftigten das Geld von 2021 bis 2030 als „Zukunftsbaustein“ in jährlicher Barausschüttung von 760 Euro zurück, sofern Porsche in der Erfolgsspur bleibt und die vom Aufsichtsrat festgelegten Renditeziele erreicht. So bekämen die Kollegen mehr raus, als sie einzahlen, sagt Hück. Die sukzessive abgesenkte Entgeltlinie wird am 1. Januar 2026 um 2,25 Prozent plus 0,03 Prozent Zinseszinseffekt angehoben, womit das anfängliche Lohnniveau wieder erreicht ist.

Einzigartig ist der Beitrag der Vorstandsmitglieder, Hauptabteilungsleiter und übertariflich entlohnten Kräfte (ÜT1 und ÜT2). Diese müssen von 2017 bis 2025 jeweils 0,5 Prozent der Tariflohnerhöhung in den Topf einzahlen – was zusammen 72 Millionen Euro einbringt. Die Topverdiener bekommen das Kapital aber nicht zurück.

Auf Anregung des Betriebsrats wird bei der Sonderzahlung ferner eine Staffelung eingeführt. Statt allen Beschäftigten einen identischen Betrag zu zahlen, gibt es für künftige Neueinstellungen 25 Prozent im ersten Jahr der Zugehörigkeit, 50 Prozent im zweiten Jahr, 75 Prozent im dritten Jahr – und erst danach den vollen Bonus. Für das Geschäftsjahr 2014 war den Mitarbeitern eine Erfolgsbeteiligung in der Rekordhöhe von 8600 Euro ausgezahlt worden, davon 700 Euro für die Altersvorsorge.

Rückkehr zur 35-Stunden-Woche

Ein Zugeständnis müssen die Beschäftigten auch bei der Arbeitszeit machen: Die Porsche-spezifische 34-Stunden-Woche in der Produktion – eingeführt zum 1. Dezember 2013 – läuft Ende 2016 aus. Vom 1. Januar 2017 an gelten wieder die 35 Stunden des Flächentarifvertrags in der Metallindustrie.

Viel Neues bringt auch die Fabrik 4.0, in der das batteriebetriebene Auto hergestellt werden soll. „Da werden die Kollegen den Schraubenzieher gegen das iPad austauschen“, bringt es Hück auf den Punkt. Künftig würden die bisher in Käfigen abgesicherten Roboter „freigelassen“, so dass Mensch und Maschine eng zusammen arbeiten. Hubtische, Schwenkgehänge sowie ein niedrigerer Lärmpegel sollen den Zustand einer „clean Fabrik“ ermöglichen.

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