Mobile World Congress in Barcelona Die Faszination der Smartphones schwindet

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Auf dem Mobile World Congress in Barcelona dominieren Smartphones die Präsentationen. Doch bald dürften sich Technologien wie die Virtuelle Realität in den Vordergrund spielen.

Samsung entführte bei seiner Smartphone-Präsentation in Barcelona die Zuschauer in virtuelle Welten. Foto: AP 9 Bilder
Samsung entführte bei seiner Smartphone-Präsentation in Barcelona die Zuschauer in virtuelle Welten.Foto: AP

Stuttgart - Noch beherrschen Smartphones die Elektronikbranche. Der koreanische Hersteller Samsung hat am Sonntagabend kurz vor dem offiziellen Beginn des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, sein neuestes Flaggschiff, das Galaxy S7, mit der üblichen bombastischen Show der Weltöffentlichkeit präsentiert. Doch die Tatsache, dass es bereits die siebte Version des abermillionenfach verkauften Geräts ist, zeigt auch, wie schwer es inzwischen ist, in diesem Produktbereich mit spektakulären Neuigkeiten aufzuwarten.

Aufsehen erregte vielmehr ein anderes Gerät, für dessen Präsentation Samsung einen überraschenden Startgast auffuhr, den Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Er warb für eine kleine Kamera namens Gear 360, die sich an das Smartphone koppeln lässt. Sie erzeugt ein Rundumbild, in das man virtuell eintauchen und das man übers Internet übermitteln kann. Zuckerberg nannte bei der Präsentation ein persönliches Anwendungsbeispiel: Er möchte die ersten Schritte seiner Tochter seinen Eltern zeigen können, als ob sie dabei gewesen wären. Solche Erlebnisse könnten auch sein soziales Netzwerk attraktiver machen - deshalb die Kooperation.

Smartphones sind ausgereift und allgegenwärtig

Das eigentliche Smartphone freilich, als dessen neue Eigenschaften eine größere Wasserdichtigkeit und ein besserer Akku herhalten mussten, wird hier zur Nebensache. Samsung will diejenigen, die das Galaxy S7 vorbestellen, als Dreingabe mit einer High-Tech-Brille locken, die das virtuelle Erlebnis überhaupt erst möglich macht.

Die Zeit als sich der als Leitmesse der Mobilfunkbranche geltende Mobile World Congress zu einem guten Teil um die Präsentation der neuesten Smartphones drehte, nähert sich allmählich dem Ende. Die Geräte sind ausgereift und allgegenwärtig. Der einst dominierende koreanische Hersteller Samsung, der immer noch auf einen Anteil von etwa einem Fünftel an den globalen Smartphoneverkäufen kommt, tut sich immer schwerer, weil ihm billigere, vor allem chinesische Konkurrenz zusetzt.

Laut einer aktuellen Untersuchung des deutschen IT-Branchenverbandes Bitkom nutzen inzwischen 74 Prozent der Deutschen ständig ein Smartphone. Im Jahr 2012 waren es noch 36 Prozent. Der Markt ist dennoch auch in dem eigentlich als gesättigt geltenden Deutschland gesund. 2015 wurden 7,5 Prozent mehr Geräte verkauft als im Vorjahr.

Smartphones haben große technologische Sprünge hinter sich

Erstmals wurden mit ihnen in Deutschland mehr als zehn Milliarden Euro Jahresumsatz erzielt. Auch für 2016 wird ein Verkaufsplus von sieben Prozent bei den Geräten vorhergesagt – allerdings bei einem stagnierenden Umsatz. Das Smartphone ist zu einem Produkt geworden, für das die deutschen Konsumenten im Schnitt weniger Geld ausgeben.

Vor zehn Jahren hat der damalige Apple-Chef Steve Jobs die globale Smartphone-Revolution angestoßen. Doch in den kommenden zehn Jahren dürften die entscheidenden Umwälzungen nicht mehr auf den Minibildschirmen in der Tasche stattfinden, sondern in Bereichen, die teilweise abseits des Konsumentenmarktes liegen. Die Digitalisierung der Geschäftswelt und die Vernetzung der Produktion haben die großen technologischen Sprünge, welche Smartphones schon hinter sich haben, noch vor sich. Innovationen aus dem Bereich der virtuellen Realität und der „enhanced reality“, wie im Englischen die Verbindung von virtuellen und realen Elementen heißt, stehlen Computern, Smartphones und Tablets zunehmend die Show.

Auch deshalb steht der MWC, der sich mit knapp 100 000 Fachbesuchern als größte Mobilfunkmesse der Welt bezeichnet, nach Meinung von Jason Perlow vom US-Fachportal ZDNet am Wendepunkt: „Wie lange wird es dauern, bevor der Mobile World Congress stärker auf neuere Technologien blicken muss, etwa das Internet der Dinge, virtuelle Realität, tragbare Elektronik und fahrerlose Autos? Ich glaube nicht, dass das noch eine lange Zeit sein wird.“ Statt den immer billiger werdenden Smartphones würden schon in wenigen Jahren die sich um sie drehenden Dienstleistungen wichtiger sein.

Dennoch reiht sich auch 2016 bis zum Donnerstag eine Smartphone-Präsentation an die andere. Die einschlägigen Websites überschlugen sich bereits im Vorfeld mit den – häufig von den Hersteller gezielt gestreuten – Gerüchten über die allerneuesten Geräte. Neben dem erwähnten Samsung Galaxy S7 will der ebenfalls aus Südkorea stammenden Konkurrent LG beispielsweise sein modular konzipiertes Smartphone G5 vorstellen. Es soll sich mit den verschiedensten Accessoires verknüpfen lassen, etwa Kameras oder Keyboards.

Aufstrebende chinesische Hersteller wie Xiaomi nützen in Barcelona erstmals die Bühne, um zu zeigen, dass sie nicht nur auf dem chinesischen Markt – dem größten der Welt – technologisch mithalten können. Das rasant expandierende Unternehmen, das erst im vergangenen Jahr in Deutschland den offiziellen Vertrieb seiner Produkte gestartet hat, wird auf einer Pressekonferenz sein hochwertiges Smartphone Mi5 vorstellen.

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