Mobilitätskonzept der Ludwigsburger Kliniken Radfahren – kontra Feinstaub, für die Fitness

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Das Mobilitätskonzept der Kliniken in Ludwigsburg und in Bietigheim trägt Früchte: Die Mitarbeiter fahren weniger Auto und mehr mit dem Rad. Am 18. März steigt ein Aktionstag mit Treppenrennen und Werbung fürs Velo.

Der Umstieg vom Auto aufs Pedelec ist gar nicht so schwer, auch an steileren Anstiegen nicht. Foto: Sigerist
Der Umstieg vom Auto aufs Pedelec ist gar nicht so schwer, auch an steileren Anstiegen nicht.Foto: Sigerist

Ludwigsburg - Man könnte sagen, Ralf Kurfiss gehört zum Inventar der Ludwigsburger Kreisklinik. Er ist seit 1978 in dem Krankenhaus beschäftigt. Früher ist der Krankenpfleger und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende immer mit dem Auto zu Arbeit gefahren. Seit ein paar Jahren indes nimmt er lieber das Rad, ein sogenanntes Pedelec, ein Bike mit Elektromotor. Er wohne zwar nicht weit weg, die Straße von Hoheneck bis hinauf zum Hospital sei ihm aber zu steil für ein normales Rad. Kurfiss ist einer von vielen Umsteigern, die bei der Kliniken-Holding Ludwigsburg-Bietigheim arbeiten.

Sein Faible fürs Fahrrad hat der 56-Jährige im Zuge der Umsetzung des Mobilitätskonzepts des Unternehmens entdeckt. Wenn Kurfiss von seinem E-Bike erzählt, dann strahlt er wie ein Schulbub, der sein neuestes Geburtstagsg’schenkle vorzeigt. Er bezeichnet das Radfahren gar als eine Art Offenbarung. Er habe auf dem Weg zur Arbeit viel mehr Spaß als früher im Stau, und auf dem Rückweg fahre er meist nicht direkt heim, sondern drehe gerne die ein oder andere Extrarunde.

Ein Trockenraum für verschwitzte Radlerklamotten

Noch vor ein paar Jahren, sagt Jochen Kühn, seien nur elf Prozent der Klinikmitarbeiter mit dem Fahrrad gekommen, nun seien es rund 17 Prozent. „Und die Autoquote ist von 62 Prozent auf nur noch 55 Prozent gesunken.“ Kühn ist ein passionierter Biker und ebenfalls Betriebsrat, er radele oft von Poppenweiler nach Ludwigsburg ins Geschäft. Das wusste auch der Direktor des Bereichs Versorgung und Technik des Klinikums, Reinhard Vollmer, der den Arbeitskreis Mobilität ins Leben gerufen hat. Vollmer, Kühn sowie zwei weitere Beschäftigte des Unternehmens haben dann ein paar Ideen entwickelt – und rasch umgesetzt. Es wurden abschließbare Gitterboxen als Stellplätze für Fahrräder aufgestellt. Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, der kann Umkleidekabinen und Duschen nutzen und in einem Trockenraum die verschwitzten oder vom Regen durchnässten Klamotten aufhängen. Und wer dauerhaft auf das Zufahrtsrecht zu Tiefgarage verzichtet, der bekomme einmalig 300 Euro vom Arbeitgeber. Ralf Kurfiss sagt, die 300 Euro habe er gern angenommen, und die 20 Euro monatlich für die Tiefgarage – ohne Stellplatzgarantie – spare er sich auch noch, seit er mit dem E-Bike komme.

Die Klinikmitarbeiter könnten sich auch für das sogenannte Job-Ticket entscheiden, sagt Kühn. Diese Jahreskarte für Busse und Bahnen werde vom Klinikum bezuschusst. Das Klinikum habe nur noch Autos im Fuhrpark, die mit Erdgas betrieben werden, sowie ein E-Bike. Dieses Rad nehme er meistens, wenn er von Ludwigsburg zu einem Termin in der Bietigheimer Klinik müsse, erzählt Kühn. Auch in der Bietigheimer Klinik sei die nötige Infrastruktur für Radfahrer geschaffen worden.

Aktionstag am 18. März

Eine Idee des Arbeitskreises Mobilität habe bisher nicht umgesetzt werden können. Das Vorhaben, Fahrgemeinschaften zu bilden, scheitere leider an den oft unkalkulierbaren Arbeitszeiten der meisten Beschäftigten im Pflegebereich.

Kühn und Kurfiss versuchen ihre Kollegen auch mit dem Hinweis auf die Umwelt und auf die eigenen Fitness vom Radfahren zu überzeugen. Wer sich schon vor der Arbeit regelmäßig bewege, werde seltener krank – und helfe mit, Schadstoffe in der Luft zu vermeiden – Stichwort Feinstaub. Das Mobilitätskonzept sei eingebettet in das berufliche Gesundheitsmanagement. Kühn erzählt von gemeinsamen Radausfahrten vieler Mitarbeiter. Und das Klinikum übernehme die Startgebühren für mehrere Volksläufe in der Region.

Am 18. März will der AK Mobilität alle Beschäftigten motivieren, statt mit dem Aufzug über das Treppenhaus zum Arbeitsplatz zu gelangen. „Auf den Stockwerken im Treppenhaus wollen wir Fahrräder aufstellen“ – als Werbeträger für den Umstieg weiterer Angestellter. Und am Abend dieses Aktionstags solle ein kleiner Wettbewerb stattfinden: ein Treppenlauf auf Zeit – immerhin über 15 Stockwerke.

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Feinstaub wird steigen: Fahrräder - egal ob mit oder E-Antrieb - müssen auch mal abgebremst werden. Die meisten E-Bikes können - im Gegensatz zu den E-Autos - nicht rekuperieren, d.h. jeder Bremsvorgang der Fahrräder erzeugt Feinstaub an der Bremsanlage und den Reifen. Damit wird die Feinstaubbelastung steigen. Ach ja und wer meint er bremst mit den Schuhsohlen erzeugt auch hier Feinstaub, nur großflächiger.

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