Mode aus Stuttgart: Pal Offner Unisex aus dem Kessel erobert die Welt

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In dieser Reihe stellen wir Mode aus Stuttgart vor. Dieses Mal: Das junge Label Pal Offner, das international in den Mode-Boutiquen für Aufsehen sorgt. Von der Schweiz bis nach Japan ist die Marke bereits bekannt – nur in der Heimatstadt Stuttgart kennt sie kaum einer.

Sabina Pal (links) und Nele Offner (rechts) haben ihren Traum vom eigenen Modelabel mit Pal Offner zur Wirklichkeit gemacht. Praktikantin Carina Volz (Mitte) führt uns die Mode vor. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 9 Bilder
Sabina Pal (links) und Nele Offner (rechts) haben ihren Traum vom eigenen Modelabel mit Pal Offner zur Wirklichkeit gemacht. Praktikantin Carina Volz (Mitte) führt uns die Mode vor. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - In einer alten Villa oberhalb der Stuttgarter Weinsteige hat das junge Label Pal Offner seinen Sitz. Direkt hinter dem Haus beginnt der Bopserwald. Im obersten Stockwerk haben sich die Namensgeberinnen Sabina Pal und Nele Offner mit ihrem jungen Modelabel eingerichtet, das gerade in Boutiquen von Zürich über London bis Brisbane und Osaka für Aufsehen sorgt. Von ihrem Büro und Atelier aus, haben die beiden einen ziemlich perfekten Ausblick auf den Kessel – nur hier in der Heimatstadt von Pal Offner ist das Modelabel bislang kaum bekannt. Wie kann das sein?

„Ich glaube wir treffen mit unserer Mode eher einen großstädtischen, avantgardistischen Nerv. Stuttgart ist vielleicht noch nicht so weit, hier ist man vorsichtig mit Neuem“, so Offner. Die 31-jährige Modedesignerin aus Stuttgart ist der kreative Kopf des Labels und für Form, Farben, Schnitte und Stoffe verantwortlich. Das besondere an Pal Offner: Die Mode ist sowohl für Männer als auch für Frauen tragbar. Die originellen Unisex-Kreationen in Weiß, Grau und Schwarz zeichnen sich durch ideenreiche Details, außergewöhnliche Schnitte und erlesene Baumwoll-, Leinen- und Seiden-Stoffe aus.

Neuanfang mit hochpreisiger Mode

„Wir machen ein Nischenprodukt“, sagt Pal und meint damit den Unisex-Ansatz des Labels. Die 32-jährige Frankfurterin hat eigens für die neue Modemarke ihren Job in der Werbebranche gekündigt und verantwortet bei Pal Offner Finanzen, Marketing und Vertrieb. „Unsere Mode ist tragbar, Mann und Frau sind damit gut, bequem, elegant und lässig gekleidet. Wir bezeichnen den Stil als subjektiv auffällig“, so Pal. Tatsächlich ist die Mode von Pal Offner auf ihre eigene Art und Weise auffällig. Der Stil ist rau, schlicht und extravagant zugleich, dazu kommt der Fokus auf beide Geschlechter. Und das kommt vor allem in Asien sehr gut an, erzählen die jungen Modemacherinnen.

2013 hatten die beiden die Idee für das eigene Label. 2015 kündigten sie ihre Jobs, gründeten eine GmbH, 2016 lieferten sie ihre erste Kollektion aus.

Den internationalen Erfolg erklären sich die beiden mit ihrer Teilnahme an der Designer-Messe TRANOÏ in Paris 2015, ihrer ersten Teilnahme an einer Messe überhaupt. Dort hätten sie die wichtigsten Kontakte zur internationalen Modewelt geschlossen und gleich ihre erste Kollektion verkauft. Die wurde im Februar und März 2016 ausgeliefert. Derzeit sitzen sie schon an der Winter-Kollektion für 2017/18.

Wie die vorherigen soll auch diese Kollektion 35-45 Stücke umfassen – Hosen, Schuhe, Blusen, Shirts, Jacken, Mäntel, Schals, Tücher und Schmuck. Preislich muss man für die Mode allerdings etwas tiefer ins Portemonnaie greifen. Kleider und Hosen gibt es für 300-400 Euro, ein Schal kostet etwa 150 Euro, Winterstiefel gibt’s ab 700 Euro, Schmuck ab 200 Euro.

„Auf allen Kontinenten vertreten“

„Wir wollen keine Einzelteile verkaufen, sondern komplette Outfits. Deshalb brauchen wir eine relativ große Bandbreite an Schnitten und Einzelstücken, um einen Look kreieren zu können“, beschreibt Designerin Offner ihre Überlegungen bei der Entwicklung einer neuen Kollektion. Besondere Merkmale wie ausgefranste Kanten, Elemente aus Latex oder asymmetrische Schnitte gehörten von Anfang an dazu.

Produziert werden die Kleidungsstücke in Nähereien in Bulgarien und Rumänien. „Wir sind die komplette schwäbische Alb abgefahren auf der Suche nach Produktionsstätten in der Nähe, aber heutzutage werden die aufwendigen Sachen nur noch im Ausland gefertigt“, erzählt Offner. Mit ihren Produzenten seien sie sehr zufrieden. „Bislang kam noch kein Teil aus den Shops zurück, wir sind sehr glücklich, dass alles so gut funktioniert“, so Pal.

Den Sprung ins kalte Wasser mit einem eigenen Modelabel an den Start zu gehen, hätten beide bislang nicht bereut. Pal: „Uns war klar: Wenn wir es machen, machen wir es richtig. Jetzt ist alles gut angelaufen und wir wollen weiter wachsen.“ Ein kleines Garagenlabel wollten sie nie bleiben, sagt Offner. „Wir sind jetzt auf allen Kontinenten vertreten, wir wollen auch in alle großen Städte, aber dabei nicht unsere Seele verkaufen. Wir wollen als mittelständisches Unternehmen die Welt erobern und trotzdem die Zügel in der Hand halten,“ so die Designerin.

Bleibt die Frage, ob man nun als Stuttgarter erst nach China oder in den Libanon fliegen muss, um an die modische Ware aus der Heimat zu kommen? „Wir sind auch in deutschen Boutiquen vertreten, auch online zum Beispiel bei Select Online , Oukan oder Stilecht. Wir fänden es aber auch super, hier in Stuttgart vertreten zu sein. Bislang können wir uns aber nur sehr wenige Boutiquen vorstellen, in die unsere Mode passen würde. Langfristig können wir uns auch einen eigenen Shop in Stuttgart vorstellen,“ sagen die beiden.

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