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Modellprogramm Aus dem Online-Schatten
Thomas Schorradt, 06.02.2012 14:16 Uhr
Minister Bonde überreicht Bürgermeister Schlecht (rechts) den Bescheid. Foto: Horst Rudel
Minister Bonde überreicht Bürgermeister Schlecht (rechts) den Bescheid. Foto: Horst Rudel
"Wir haben schon Beine. Man muss uns nur laufen lassen."
Michael Schlecht, Bürgermeister

LENNINGEN - Dem Lenninger Internet werden Beine gemacht. Mit einem Zuschuss in Höhe von 741 300 Euro fördert das Land die Verlegung von Breitbandkabeln zwischen den sieben Ortsteilen. Noch einmal den gleichen Betrag muss die Gemeinde selbst aufbringen. „Wir haben schon Beine. Man muss uns nur laufen lassen“, sagte Bürgermeister Michael Schlecht an die Adresse der Landesregierung, als er am Montag den Förderbescheid aus den Händen von Alexander Bonde, dem zuständigen Landesminister für den Ländlichen Raum, in Empfang nahm.

Auf Gehhilfe angewiesen

Wenn es um die Versorgung des ländlichen Raums mit dem schnellen Zugang zum Internet geht, sind Kommunen wie Lenningen allerdings dringend auf Gehhilfen angewiesen. Für privaten Anbieter rechnet es sich nicht, das Glasfaserkabel bis ins hinterste Dorf zu legen. Um nicht in den Online-Schatten zu geraten, müssen die meist ohnehin klammen Gemeinde viel Geld in die Hand nehmen und auf Landeszuschüsse hoffen. Das wiederum bringt das Land in die Zwickmühle, denn die Wettbewerbshüter der Europäischen Union haben ein strenges Auge auf jede Gießkanne in öffentlicher Hand.

„Wie viel Wirtschaftlichkeitslücke darf das Land ausgleichen, ohne mit dem EU-Beihilferecht in Konflikt zu kommen?“, hat sich der für die Infrastruktur auf dem flachen Land zuständige Minister Alexander Bonde deshalb im Lenninger Rathaus gefragt. Es ist eine rhetorische Frage gewesen, denn die Antwort stand ja schon auf dem Förderbescheid, den der Minister aus Stuttgart mitgebracht hatte: Im Fall Lenningen genau 741 300 Euro.

16 Kilometer Glasfaserkabel werden verlegt

Über den Umweg des Modellprojekts wähnen sich die beiden Partner damit auf der sicheren Seite. Jetzt heißt das Kind eben „Breitbanderschließung einer Kommune unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen von Natur-, Wasser-, Vogel- und Landschaftsschutz“. Mit anderen Worten: das Glasfasernetz soll so ausgeworfen werden, dass der Halsbandschnäpper, der Leitvogel der Streuobstwiese, nicht einschnappt. „Die hier gemachten Erfahrungen können später von allen Kommunen genutzt werden“, sagt Bonde.

Insgesamt rund 16 Kilometer Glasfaserkabel werden vom kommenden Jahr an die verstreuten Ortsteile der 8 200 Einwohner zählenden Gemeinde mit dem weltumspannenden Netz verbinden. Beispielhaft soll dabei eine Kabeltrasse gewählt werden, die möglichst wenig neue Flächen berührt. So werden die Lenninger Kabel im Lautertal unter dem gut ausgebauten Radwegenetz oder, sofern sie die ökologisch hochwertigen Hangwälder des Biosphärengebiets queren, durch schon bestehende Abwasserrohre geführt.

Betreiber muss noch gefunden werden

Wenn die Infrastruktur erst einmal steht, wird die umtriebige Gemeinde noch einmal die Beine in die Hand nehmen müssen. „Wir stellen das Kabelnetz lediglich zur Verfügung, den späteren Betrieb muss ein Profi übernehmen“, sagt Schlecht. Über eine europaweite Ausschreibung hofft der Schultes, das schnelle Internet in seiner Gemeinde nicht nur zügig zum Laufen zu bringen, sondern über die Konzessionsabgabe anschließend auch noch den ein oder anderen Euro in die Gemeindekasse gespült zu bekommen.

Kommentare (1)
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FEB
07
aylab, 10:36 Uhr

Internet in Filderstadt

Was in Lenningen möglich ist, gilt nicht für Filderstadt.In Sielmingen und Harthausen flüchten Firmen, die heute auf eine schnelle, sichere Internetanbindung angewiesen sind, bzw. Miet-Interessenten winken ab, wenn sie hören, was für eine schlechte Telefon und Internetverbindung in diesen beiden Stadtteilen existiert. In Filderstadt gibt es immer noch "gute" und "schlechte" Stadtteile, das gilt für das Wasser, für die Verkehrsberuhigung und für Telefon und Internet. Gibt es dafür eine Erklärung?

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