Modellprojekte im Nahverkehr Personen und Güter in einem Bus
Michael Petersen, 09.01.2011 10:03 Uhr
 Foto: factum/Weise
Foto: factum/Weise
Stuttgart - Die Zukunft einer kleinen Gemeinde im ländlichen Raum könnte verkehrstechnsich so aussehen: Dass der Linienbus zehn Minuten Verspätung hat, lässt sich am Rathaus des Dorfes ablesen. Der Bus befördert nicht nur Personen, sondern auch die Bestellung des lokalen Einzelhändlers. Und zu seinen Haltepunkten gehört an diesem Tag auch eine Sammelstelle für Grüngut. Wen die Verspätung stört, der kann ein Ruftaxi ordern.

Das Handy führt die Bestellung aus und zeigt an, dass sich der Wagen in zwei Kilometern Entfernung auf den Weg macht. Und weil in diesem Dorf nicht an der Gehwegbreite gespart wurde, die Haltestellen großzügig dimensioniert sind und lokale Seniorentarife für den bei Einstieg und Fahrkartenausgabe optimierten Bus gelten, ist die Gemeinde in Baden-Württemberg mit der Auszeichnung "Fußgänger- und seniorenfreundliche Kommune" bedacht worden.

Was haben Schulschließungen mit Linienbussen zu tun?


Was heute nur ein Gedankespiel ist, könnte sich in naher Zukunft so oder so ähnlich entwickeln. Erste Schritte für ein besseres Fortkommen auf dem Land mit dem öffentlichen Nahverkehr wurden bereits getan.

Von "Werkstattgesprächen" berichtet Helene Weidner, die sich im Stuttgarter Umwelt- und Verkehrsministerium mit den Grundsatzfragen der Verkehrspolitik befasst. Daran teilgenommen haben neben den Experten des Ministeriums auch Vertreter von Seniorenräten, Behindertenverbänden und anderen Gruppen. Wie schlägt sich der demografische Wandel im Nahverkehrsangebot nieder? Was haben Schulschließungen mit Linienverbindungen zu tun? Wie kann älteren Menschen geholfen werden, die gerne auf dem Land wohnen, aber das Auto nicht mehr benutzen wollen oder können? Noch dazu, wenn in kleinen Ortschaften immer mehr Geschäfte schließen?

Linienbus als Paketdienst?


Bei Gesprächen soll es nicht bleiben. "Bereits 2011 beginnt die echte Projektarbeit", sagt Helene Weidner. Dann wird festgelegt, wo Modellprojekte durchgeführt werden und wie viel Geld dafür bereitgestellt werden muss. Vermutlich 2012 sollen diese Projekte starten, von denen die Bewohner auf dem Land bisher nur träumen können.

Stichworte finden sich in dem gerade von Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) vorgestellten neuen Generalverkehrsplan. Da ist beispielsweise vom "Mehrzweckbus im ländlichen Raum" die Rede, von der "Echtzeit-Fahrgastinformation im ländlichen Raum" und von der "Fußgänger- und seniorenfreundlichen Kommune". So eine Auszeichnung solle möglichst bald vergeben werden, sagt Helene Weidner. Dadurch würden die Kommunen angespornt, sich um solche Themen zu kümmern, davon ist das Ministerium überzeugt.

Kommentare (5)
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JAN
09
Malpeigne, 19:21 Uhr

Güter im Bus

@ bekien - also ehrlich lieber güter im bus, als gönner im bus.

JAN
09
tom1970, 16:51 Uhr

Nix los am Sonntag?

Hat denn für euch Kritiker die StZ heute an einem verregneten Sonntag keinen Bahnhofsartikel bereit, den ihr filetieren könnt? Nein? Dann muss eben ein anderer Artikel dran glauben in denen die Stichwörter CDU & Verkehr darin vorkommen. Wie arm.

JAN
09
Stuttgarter, 15:32 Uhr

Oh weia

Das ist dann ne "wegweisende" Idee.. Gibbet in Indien, Kuba, Madagaskar... schon etwas länger, vielleicht nicht mit Handy-Chi-chi, was dann vermutlich sowieso nicht funktionieren wird. Tanja Superhirn, hier aber eine gute Idee: Schau dir mal Stadt-Busse im Westen von USA an (ausgewählte, fortschrittliche Städte): sie haben eine Klappvorrichtung vorne vor dem Grill, auf dem sich einfach und sicher Fahrräder transportieren lassen. Wofür wird die Dame nochmal bezahlt? Um ihre Stiftung Lebendige Stadt voranzubringen?

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