Mönsheim „Mein Ziel heißt immer noch ganz klar Hollywood“

Von Elisa Wedekind 

Der Schauspieler Andrea Magro träumt von einer großen Karriere in den USA. Und die Chancen für den 22-Jährigen aus dem Heckengäu stehen dabei gar nicht so schlecht. Er kennt viele nationale und internationale Stars, sein Schauspiel-Coach trainiert Stars wie Julia Roberts und George Clooney.

Andrea Magro  als Kickboxer in der Krimiserie „Soko Leipzig“. Foto: UFA Film
Andrea Magro als Kickboxer in der Krimiserie „Soko Leipzig“.Foto: UFA Film

Mönsheim - Dass er in ein paar Jahren schon auf den Bühnen dieser Welt zu Hause sein könnte, sieht man Andrea Magro nicht an. Der sympathische junge Mann mit den großen dunklen Augen wirkt bodenständig und alles andere als eingebildet. Sein Wasser muss nicht frisch aus einer Bergquelle geschöpft werden, damit er es trinkt. Seinen Kaffee trinkt An­drea Magro schwarz mit ein bisschen Zucker. Wie viele andere Menschen auch. Von Starallüren absolut keine Spur. Dabei hat es der 22-Jährige schon mit einigen großen Stars zu tun gehabt. Für den Hollywoodstreifen „Eine dunkle Begierde“, ein Film über das Leben von Sigmund Freud, stand der 22-jährige Mönsheimer mit Keira Knigthley, Michael Fassbender und Viggo Mortensen vor der Kamera. Seine Sprechszenen sind zwar allesamt dem Schnitt zum Opfer gefallen sind. Die Rolle des Jean Martin, Freuds ältestem Sohn, hat sein Leben jedoch entscheidend verändert. „Das war mein Türöffner, plötzlich kamen Anfragen für kommerzielle Produktionen“, erzählt der junge Schauspieler stolz. In Italien hat er einen Kurzfilm gedreht und auch für die ZDF-Krimiserie Soko Leipzig stand er schon vor der Kamera.

„Für meinen Erfolg habe ich sehr hart trainiert und viel investiert“, erzählt Andrea Magro. Eines hat der junge Schauspieler dabei früh gelernt: er darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Denn der 22-Jährige hat noch Großes vor. „Mein Ziel heißt ganz klar Hollywood. Da wollte ich schon immer hin und ich bin bereit, alles dafür zu tun“, sagt Andrea Magro selbstbewusst. Diese Einstellung hat er sich im Übrigen von den amerikanischen Schauspielern abgeschaut. Die seien nämlich deshalb so erfolgreich, erzählt Magro, weil sie nicht warteten, bis jemand vorbeikomme und ihnen eine Rolle anbiete. „Method acting“, laute das Geheimnis der Hollywoodstars. „Diese Menschen arbeiten ständig an sich, machen immer weiter und probieren auch manchmal Dinge aus, die mit der Schauspielerei nicht viel zu tun haben“, weiß Andrea Magro.

Und damit hält es auch der junge Deutsche mit den italienischen Wurzeln. Mal spielt er in einem Musikvideo mit, dann steht er für einen Werbespot vor der Kamera. Außerdem ist er auch in zahlreichen Internetvideos zu sehen, in denen er Filmszenen nachspielt oder Monologe hält. „Ich probiere vieles aus und versuche, mein Gesicht so oft wie möglich zu zeigen“, erzählt Andrea Magro. „Denn nur so bleibe ich den Produzenten im Gedächtnis.“ Neben der Schauspielerei hat der 22-Jährige noch eine andere große Leidenschaft: Andrea Magro singt für sein Leben gerne. „Ich arbeite mittlerweile auch als Sänger und Songwriter“, erzählt er. Seit gestern ist seine erste eigene Single („I will never let you go“) draußen. Gegen Geld kann sie im Internet heruntergeladen werden. „Wenn dieses Lied ein Erfolg wird, dann möchte ich ein Album aufnehmen, dass weltweit digital erscheinen soll“, erzählt er.

Schon im zarten Alter von 13 Jahren hat Andrea Magro gewusst, was er wollte: zum Film. In der Schule gründete er eine Theater- und kurz darauf eine Film-AG. Als er 14 Jahre alt war, ließ er sich in die Kartei einer Agentur eintragen. Nach seinem Hauptschulabschluss besuchte er die kaufmännische Berufsfachschule, begann eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. „Irgendetwas Solides musste ich ja machen“, erzählt der 22-Jährige. Dieser Ausflug in die Arbeitswelt war nicht von langer Dauer. Um seinem großen Traum ein Stück näher zu kommen, hatte sich Andrea Magro bei der Film- und Theaterakademie in Köln beworben. „Ich musste einen Begabtentest machen, den ich dann auch bestanden habe“, erzählt er stolz. Mit 18 Jahren zog Andrea Magro von Mönsheim nach Köln. Nach zwei Semestern musste er das Studium wieder an den Nagel hängen, weil ihm dafür das Geld fehlte. Dem Stück Papier, das ihn als diplomierten Schauspieler ausgewiesen hätte, trauert er nicht nach. „Ich weiß, dass ich Talent habe und dass ich es nach ganz oben schaffen kann“, sagt er.

Dass der Weg auf die Bretter, die die Welt bedeuten, bisweilen sehr steinig ist, das hat Andrea Magro schon bitter erfahren müssen. Seit sechs Jahren versucht der Mönsheimer, in Amerika Fuß zu fassen. Bislang wurden ihm jedoch jegliche Chancen verwährt. Denn der 22-Jährige besitzt keine Arbeitserlaubnis – und ohne die darf er nicht einmal zu einem Casting über den großen Teich fliegen. „Ich habe schon alles versucht, ein Künstlervisum zu bekommen“, erzählt der Schauspieler gefrustet. Doch er sei immer wieder an den strengen Auflagen der Behörden gescheitert. So hat er beispielsweise keine Firma in den Staaten, für die er arbeitet. Und 500 000 Dollar Startkapital, die ihm vieles leichter machen würden, hat er auch nicht. „Ich bin leider keine Person von hohem nationalen Interesse für die USA“, erzählt er mit einem traurigen Unterton in der Stimme.

Dabei kann Andrea Magro einiges vorweisen. Neben Deutsch und seiner Muttersprache Italienisch spricht er fließend Spanisch und Englisch. Vor seiner Geburt lebten seine Eltern viele Jahre in Amerika. Seine Schwester wurde dort geboren, ist amerikanische Staatsbürgerin. Die Behörden scheint dies jedoch ebenso wenig zu beeindrucken wie die Empfehlungsschreiben, die Andrea Magro vorweisen kann. Der internationale Schauspiel-Coach Bernhard Hiller, der Stars wie George Clooney und Julia Roberts trainiert, hat sich für ihn eingesetzt, ebenso wie die Fernsehprozentin Henriette Lippold (Ufa Fernsehproduktion) und die deutsche Starfotografin Ute Will, die schon seit vielen Jahren in Los Angeles lebt. Auch seine Agenturen in Deutschland und Italien haben keinen Einfluss auf Magros Karriere in den Staaten.

Trotz aller Rückschläge will der 22-Jährige seinen großen Traum von einer Hollywoodkarriere nicht aufgeben. In Eigenregie hat er ein Projekt auf die Beine gestellt, das er in den kommenden Jahren verfolgen will. „Ich plane eine Welttour“, verrät An­drea Magro. „Ich werde zwischen Berlin, Rom, London hin- und herpendeln“, sagt er. „Und hoffentlich auch nach New York und Los Angeles kommen.“ Diese Städte bieten ihm viele Möglichkeiten, sind es doch alles international anerkannte Filmstädte. „Ich kann zu Castings gehen, Schauspielunterricht nehmen und viele Kontakte knüpfen“, erzählt der junge Schauspieler. „Ich widme mich voll und ganz meiner Karriere.“ Zeit, über irgendwelche Nebenjobs Geld zum Leben ran zu schaffen, bleibt da keine. Mit Hilfe eines privaten Sponsors, dessen Namen er für sich behält, will er sein Projekt finanzieren. Allerdings reiche das Geld noch nicht ganz aus. „Ich suche noch Firmen und Leute, die an mich und mein Talent glauben und mich unterstützen“, erzählt Andrea Magro.

In ein paar Wochen wird er seine Familie und seine Heimat im Heckengäu verlassen und in Richtung Hauptstadt aufbrechen. Leicht werde das zwar nicht, weiß der 22-Jährige. „Aber von Mönsheim aus eine Karriere zu starten, ist sehr schwer“, sagt er. Sein Terminbuch ist für die kommenden Monate prall gefüllt. Von März an dreht Andrea Magro in Ungarn und Rom einen englischsprachigen Kurzfilm. Für zwei weitere Kurzfilme steht er im Mai vor der Kamera. Jetzt freut sich der 22-Jährige erst einmal auf die Berlinale, die im Februar stattfindet. „Es ist das erste Mal, das ich dabei bin“, erzählt er stolz. Einen besseren Ort, um Menschen kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen, kann er sich nicht vorstellen.

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