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Mötzingen Ein Schloss erwacht zu neuem Leben
Günter Scheinpflug, 17.02.2012 21:45 Uhr
Begehung  mit Bürgermeister (2. v.r.) und Architekten (rechts) Foto: factum/Granville
Begehung mit Bürgermeister (2. v.r.) und Architekten (rechts) Foto: factum/Granville

Mötzingen. - Geraume Zeit hat das ehemalige Schloss von Mötzingen im Dämmerschlaf gelegen. Ende Oktober jedoch endete der Dornröschenschlaf des mitten im Ort in der Schlossgartenstraße gelegenen Gemäuers. Handwerker sollen es nun wieder zum Leben erwecken: Denn in das Erdgeschoss darf die Gemeindebibliothek einziehen. Den Umbau lässt sich die Kommune 190 000 Euro kosten. Die Sanierung in Abstimmung mit dem Denkmalschutz soll sehr behutsam vorgenommen werden. Denn laut dem Bürgermeister Marcel Hagenlocher handelt es sich um das erste Gebäude, das der ehemalige württembergische Hofbaumeister und gebürtige Herrenberger Heinrich Schickhardt von Anfang 1580 an errichten ließ.

CDs und Bücher statt Schweinebäuche

„Es ist geradezu ein Glück, dass wir nun am Schloss Hand anlegen können“, sagt der Nagolder Architekt und Bauleiter Andreas Wohlfahrt. Höchste Zeit sei es nämlich gewesen, die durchfeuchteten Wände trockenzulegen. Bis zum Jahr 2009 befand sich im Erdgeschoss eine Metzgerei mit einem Ladengeschäft, einer Küche, einem Kühl- und einem Schlachtraum. Künftig werden statt der Schweinebäuche hier rund 5000 Bücher, CDs und andere Medien Einzug halten, die bisher den Nutzern im evangelischen Gemeindehaus zur Verfügung standen.

450 bis 500 Leser zählt die Bibliotheksleiterin Gabriele Bönsch. „Im Durchschnitt haben wir 12 000 Ausleihen im Jahr“, sagt sie und weist damit auf den Stellenwert der Bücherei in der 3700 Einwohner zählenden Gemeinde hin. Am Freitag, 2. März, soll die Eröffnung der neuen Räume im Schloss gebührend gefeiert werden.

Der Metzger hat lebenslanges Wohnrecht

Zwei Jahre vor dem Beginn der Ortskernsanierung im Jahr 2007 hatte die Gemeinde das bauliche Kleinod von Heinrich Hiller, dem Vater des Metzgers Ludwig Hiller, erworben. Ludwig Hiller führte in dem Gebäude 35 Jahre lang seinen Metzgerbetrieb. Als der heute 83-Jährige im Jahr 1990 in den Ruhestand gegangen war, verpachtete er die Räume an einen anderen Metzgermeister. Hiller genießt im ersten Stock des Schlosses ein lebenslanges Wohnrecht. „Deshalb verfolgen wir zurzeit keine weiteren Pläne“, erklärt Bürgermeister Hagenlocher, der über den Kaufpreis schweigt. Denkbar sei aber, dass das historische Gemäuer eines Tages als Bürgerzentrum dienen könne. Eine umfassende Sanierung würde jedoch in die Millionen gehen.