Montagsdemo
Demonstranten sind skeptisch
Barbara Grüssinger und Wolfgang Schulz-Braunschmidt,
31.08.2010 09:44 Uhr
Foto: dpa
Stuttgart - Trotz des strömenden Regens haben am Montagabend bei der 41. Montagsdemonstration nach Angaben des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart21 mehr als 17.500 "handgezählte Bürger" gegen den Abriss des Nordflügels und das umstrittene Schienenprojekt demonstriert. Die Polizei sprach hingegen von mehr als 5000 Teilnehmern. Der Vorschlag von Bahn-Chef Rüdiger Grube, sich mit den Gegnern des Bahnprojekts Stuttgart 21 an einen Tisch zu setzen, hatte zuvor heftige Reaktionen ausgelöst: Am frühen Monatagmorgen ketteten sich drei Aktivisten der Parkschützer-Initiative und der Organisation Robin Wood an den Abrissbagger vor dem Nordflügel. Die Kritiker warnten am Montagabend bei der Demonstration vor einer Spaltung der Bewegung. "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren", sagte Axel Wieland vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er betonte aber auch: ohne einen Baustopp gebe es keine Gespräche mit dem Bündnis.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Werner Wölfle rief alle Gegner des Tiefbahnhofs auf, sich auch angesichts "kleiner Verwirrungen nicht spalten zu lassen". Gegen 5 Uhr am Montagmorgen hatten drei Aktivisten den Abrissbagger am Nordflügel besetzt. Die Frau und die beiden Männer postierten sich in Hängematten am Greifarm und hissten ein Transparent mit der Aufschrift "Hallo, geht’s noch?". Nach fünf Stunden beendete ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Protestaktion am Nordflügel. Über eine Hebebühne wurden die drei Kletterer heruntergeholt. Dabei ließ sich einer der Angeketteten kopfüber vom Baggerarm kippen. Weitere sieben Aktivisten, die sich an der Besetzungsaktion beteiligt hatten, waren von der Polizei abgefangen worden, bevor sie zum Bagger gelangen konnten. Die zehn Aktivisten wurden am Montag im Laufe des Tages wieder freigelassen. Sie erhielten Platzverweise und müssen nun mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs rechnen.
Die S-21-Gegner werten die Besetzung des Baggers als Erfolg. "Alles lief friedlich ab", so die Robin-Wood-Sprecherin Kei Andrews. Die Polizei habe erlaubt, den Besetzern Wärmedecken zu bringen. "Es kann nicht sein, dass am Runden Tisch diskutiert werden soll und gleichzeitig die Abrissarbeiten weiterlaufen", sagte Florian Carl, Sprecher der Parkschützer, zum Gesprächsangebot der Bahn. Mit der Aktion fordere man die Bahn außerdem auf, auch die weitere Vergabe von Bauaufträgen zu stoppen. Die abendlichen Demonstranten reagierten auf das Gesprächsangebot des Bahn-Chefs eher negativ. "Auf so eine Finte fallen wir nicht herein", sagte eine Gegnerin. "Es gab so viele Versprechen, die nicht gehalten wurden", so eine Studentin. Als Redner trat auch der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Stuttgarter SPD, Siegfried Bassler, auf: "Ich möchte meinen Genossen im Gemeinderat und in der Landtagsfraktion ins Gewissen reden", sagte er. Der 77-Jährige bedauerte, dass er als Stadtrat dem Projekt zugestimmt habe. Viele SPD-Mitglieder seien gegen Stuttgart 21. "Wenn die Partei bei ihrem Ja bleibt, dann wird es Zeit für die Genossen, sich ein anderes Volk zu wählen", sagte Bassler.
Der Schauspieler Walter Sittler rief die Gegner zudem dazu auf, ihn am Dienstag zahlreich zu unterstützen. Er werde bei der Talksendung "Menschen bei Maischberger" mit dem Titel "Kopflos, planlos, ahnunglos: Warum werden wir so schlecht regiert?" live vom Nordflügel zugeschaltet. Damit er nicht alleine da stehe, bitte er einige Demonstranten, zwischen 22.30 und 23.30 Uhr zu kommen. Das Aktionsbündnis hat gestern Projektsprecher Wolfgang Drexler wegen "des Missbrauchs von Ferieneinrichtungen für Kinder" kritisiert. Im Turmforum werde versucht, mit einem Comic, dessen Informationswert gegen null tendiere, Einfluss auf Kinder zu nehmen. Der Versuch, Kinder für Stuttgart 21 einzuspannen, müsse eingestellt werden, so Stefan Kelm vom Awo-Jugendwerk im Land.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Werner Wölfle rief alle Gegner des Tiefbahnhofs auf, sich auch angesichts "kleiner Verwirrungen nicht spalten zu lassen". Gegen 5 Uhr am Montagmorgen hatten drei Aktivisten den Abrissbagger am Nordflügel besetzt. Die Frau und die beiden Männer postierten sich in Hängematten am Greifarm und hissten ein Transparent mit der Aufschrift "Hallo, geht’s noch?". Nach fünf Stunden beendete ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Protestaktion am Nordflügel. Über eine Hebebühne wurden die drei Kletterer heruntergeholt. Dabei ließ sich einer der Angeketteten kopfüber vom Baggerarm kippen. Weitere sieben Aktivisten, die sich an der Besetzungsaktion beteiligt hatten, waren von der Polizei abgefangen worden, bevor sie zum Bagger gelangen konnten. Die zehn Aktivisten wurden am Montag im Laufe des Tages wieder freigelassen. Sie erhielten Platzverweise und müssen nun mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs rechnen.
Sittler geht in die Talkshow
Die S-21-Gegner werten die Besetzung des Baggers als Erfolg. "Alles lief friedlich ab", so die Robin-Wood-Sprecherin Kei Andrews. Die Polizei habe erlaubt, den Besetzern Wärmedecken zu bringen. "Es kann nicht sein, dass am Runden Tisch diskutiert werden soll und gleichzeitig die Abrissarbeiten weiterlaufen", sagte Florian Carl, Sprecher der Parkschützer, zum Gesprächsangebot der Bahn. Mit der Aktion fordere man die Bahn außerdem auf, auch die weitere Vergabe von Bauaufträgen zu stoppen. Die abendlichen Demonstranten reagierten auf das Gesprächsangebot des Bahn-Chefs eher negativ. "Auf so eine Finte fallen wir nicht herein", sagte eine Gegnerin. "Es gab so viele Versprechen, die nicht gehalten wurden", so eine Studentin. Als Redner trat auch der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Stuttgarter SPD, Siegfried Bassler, auf: "Ich möchte meinen Genossen im Gemeinderat und in der Landtagsfraktion ins Gewissen reden", sagte er. Der 77-Jährige bedauerte, dass er als Stadtrat dem Projekt zugestimmt habe. Viele SPD-Mitglieder seien gegen Stuttgart 21. "Wenn die Partei bei ihrem Ja bleibt, dann wird es Zeit für die Genossen, sich ein anderes Volk zu wählen", sagte Bassler.
Der Schauspieler Walter Sittler rief die Gegner zudem dazu auf, ihn am Dienstag zahlreich zu unterstützen. Er werde bei der Talksendung "Menschen bei Maischberger" mit dem Titel "Kopflos, planlos, ahnunglos: Warum werden wir so schlecht regiert?" live vom Nordflügel zugeschaltet. Damit er nicht alleine da stehe, bitte er einige Demonstranten, zwischen 22.30 und 23.30 Uhr zu kommen. Das Aktionsbündnis hat gestern Projektsprecher Wolfgang Drexler wegen "des Missbrauchs von Ferieneinrichtungen für Kinder" kritisiert. Im Turmforum werde versucht, mit einem Comic, dessen Informationswert gegen null tendiere, Einfluss auf Kinder zu nehmen. Der Versuch, Kinder für Stuttgart 21 einzuspannen, müsse eingestellt werden, so Stefan Kelm vom Awo-Jugendwerk im Land.
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