Montagsdemo Die Gegner sind in Überzahl
Jörg Nauke, 02.03.2010 11:33 Uhr
 Foto: Zweygarth
Foto: Zweygarth
Stuttgart - Der Schauspieler Walter Sittler steht derzeit in Indonesien vor der Kamera. Aber selbst unter Palmen gehen ihm die Platanen im Schlossgarten nicht aus dem Sinn. Bei der 17. Demonstration vor dem Hauptbahnhof hat die Grünen-Kreisvorsitzende Irmela Neipp-Gereke den Teilnehmern – 3200 schätzten die Veranstalter, 2000 die Polizei – ein Grußwort Sittlers verlesen, in dem er seine Solidarität mit den Anwesenden bekundete. Sein Kollege Ernst Konarek, seit 1988 am Staatstheater, hat gestern die kleine provisorische Bühne genützt, um sein Unverständnis für die Planung von Bahn und Politik zu äußern. Die Ansichten seines Kollegen und österreichischen Landsmannes Johann Nestroy fand er für Stuttgart 21 passend: Dieser meinte einst, der Fortschritt habe an sich, "dass er viel größer ausschaut, als er wirklich ist". Und mit Mark Twain ist er sich einig, dass "ein ehrenwerter Politiker ein gekaufter Mann ist, der denen treu bleibt, die ihn bezahlt haben."

Peter Jakobeit, der Geschäftsführer der Kulturgemeinschaft, kritisierte die "Taschenspielertricks" und schlug vor, die Politiker sollten für Mehrkosten bürgen. Er meinte, das 4,1-Milliarden-Euro-Projekt wäre "auch noch für 4,10 Euro zu teuer". Neipp-Gereke sagte unter dem Beifall der Teilnehmer, man werde den Beginn der Arbeiten am Bahnhof im Frühjahr zu verhindern wissen: "Der Sturm gegen Stuttgart 21 geht jetzt erst richtig los." Der Hinweis für die Demonstranten auf eine Veranstaltung des Volkshochschul-Arbeitskreises Zuffenhausen 21 mit Manfred Poethke vom Bahn-Kommunikationsbüro im Anschluss kam allerdings zu spät. Es waren nur 35 Interessierte, die sich gestern Abend über die Auswirkungen des Milliardenprojekts auf den von Straßen- und Bahnlärm geplagten Stadtbezirk informierten. Hoffnung auf mehr Lärmschutz konnte Poethke den Bürgern selbst für den Fall nicht machen, dass der Bahnverkehr zunähme.

Poethke hat keine Sympathiepunkte gesammelt


Der 3,5 Kilometer lange Streckenabschnitt in Zuffenhausen sei vom Projekt nicht berührt. Schallschluckende Wände seien nur für Neubauten vorgesehen. Lediglich bei einem derzeit nicht geplanten Ausbau der Gleisanlagen sei mit Lärmschutz zu rechnen. Aussagen von Anwohnern, denen "Krach, Dreck und Veränderung" im Zuge des Stadtbahnausbaus auf die Nerven gehen, kommentierte er mit Sätzen wie: "Die Bahn stellt sich ihren Aufgaben" oder: "Die Politik hat das so gewollt". Damit hat Poethke, den man für seine Aufgabe bedauern könnte, würde er sie nicht freiwillig im Ruhestand wahrnehmen, keine Sympathiepunkte gesammelt. Sogar ins Minus ist er gerutscht, als er in die Rhetorikkiste von "Mister Stuttgart 21" Wolfgang Drexler griff. Protest sei zwecklos, meinte der Ingenieur: "Der Zug ist abgefahren." Prompt warf man ihm vor, dass er sich davor gedrückt hätte, dies auch bei einer Podiumsdiskussion mit Projektkritikern im Theaterhaus zu behaupten. Poethke darauf: "Man hatte mir nicht gestattet, dort hinzugehen."

Mittlerweile sind die Bürger selbst über Details des Projekts so gut informiert, dass sie den Befürwortern keine Unschärfe durchgehen lassen. Die Behauptung, die Neubaustrecke werde von schnellen, leichten Güterzügen befahren, konterte ein Zuhörer mit dem Hinweis: "Die gibt es gar nicht." Und auch Poethkes Verweis auf den TGV in der Animation des Durchgangsbahnhofs ging ins Leere. Schließlich wusste der ganze Saal: "Der hält heute schon im Kopfbahnhof."
Kommentare (15)
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MRZ
04
Thomas Hirche, Stuttgart, 22:46 Uhr

Poethke & S '21

@ alle Detektive! Zu wieviel Prozent ist Mr. Poethke tatsächlich Pro S'21-ler? Und wieviel Prozent bleiben BEREINIGT über, wenn man die DB-Hintermannsmarionettenfäden zu 100% gekappt haben könnte? Etwas zum Forschen! Salem! P.s.: Hoffe, daß die Stadtbahnbauarbeiten U 15 nicht schon wieder in einem Tunnelwahn wie zum Fasanenhof enden, sondern wenigstens Stammheim oberirdisch "quittiert" werden kann.

MRZ
04
oliver schwarz, 19:59 Uhr

Ist der stuttgarter eine Frau ? Nein ! Warum nennt er sich dann Ute und faselt von Sekten und Menschen die Zeitformen verweigern.

An Ute S es werden immer mehr Demonstranten genau wie die Kosten des S21 Schwachsinns immer höher steigen. Aber clever is er schon, kurz vor 8 schreiben und die K21 Freunde kommen dann erst am frühen Morgen und solange denken einige "dem widerspricht keiner, das wird schon stimmen"

MRZ
04
Ute S., 19:17 Uhr

Verlierertreffen - Es werden immer weniger

Die Sekte schwächelt wohl - oder wieso werden es jedem Montag weniger Zukunftsverweigerer??

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