Mordprozess vor Stuttgarter Landgericht Angeklagter gibt tödliche Messerstiche zu

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Ein 69-Jähriger ist vor mehr als einem Jahr in seiner Wohnung in Zuffenhausen getötet worden. Nun steht ein Tatverdächtiger vor Gericht. Der Beschuldigte erklärt, dass er vom späteren Opfer attackiert worden sei. „Da bin ich ausgerastet.“

  Foto: Achim Zweygarth
 Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Im Mordprozess gegen einen 64 Jahre alten Stuttgarter, der vor einem Jahr in Zuffenhausen den Ehemann seiner Freundin in dessen Wohnung ermordet haben soll, hat der Angeklagte am Mittwoch zugegeben, den 69 Jahre alten Mann umgebracht zu haben. „Ich war wie von Sinnen und habe mehrfach zugestochen“, erklärte der Angeklagte. Eine „Heimtücke“ bei der Tat, wie ihm die Anklage vorhält, streitet der 64-Jährige ab. Demnach sei er zunächst von dem späteren Opfer wüst beleidigt und attackiert worden. „Daraufhin bin ich ausgerastet“, sagte der Angeklagte.

Der 64-Jährige erklärte, dass er mit dem Getöteten und dessen Ehefrau seit mehr als zehn Jahren die Leidenschaft für Flohmärkte und Antiquitätsmessen geteilt habe. Vom Jahr 2009 an sei er mit der Frau liiert gewesen. Ob der gehörnte Ehemann dies gewusst hat, ist nicht bekannt.

Komplizierte Beziehung

Seine Beziehung mit der Frau sei schwierig gewesen, sagte er Angeklagte. So habe zunächst der 69-Jährige ihn immer wieder wegen seiner früheren Ehe mit einer Ausländerin zutiefst beleidigt, und auch dessen Ehefrau soll ihn immer wieder damit gepiesackt haben. Immer wieder habe er vergebens versucht, sich von der Frau zu trennen. Dennoch führte er sogar den Hund des Ehepaares spazieren.

Als er das Tier am 1. März zurückbrachte, habe ihm der 69-Jährige die Tür geöffnet. Wegen einer Nichtigkeit sei man dann aneinandergeraten. Dabei habe er den ­69-Jährigen gestoßen. Dieser sei dann auf ihn losgegangen. Mit einer Ladung Pfefferspray, die er wegen aggressiver Hunde beim Gassigehen immer mit sich führe, habe er die Attacke abgewehrt, so der Angeklagte. Daraufhin soll der 69-Jährige ihm einen Tritt in den Unterleib und einen Schlag gegen den Hals verpasst haben. „Da habe ich zugestochen“, sagt der 64-Jährige. Schließlich sei das Opfer tot gewesen.

Der Angeklagte verständigte selbst die Polizei

Nach der Tat kritzelte der 64-Jährige die Innenseite der Wohnungstür des Opfers mit einem Filzstift voll – mit den Beleidigungen, die der 69-Jährige dem Angeklagten jahrelang an den Kopf geworfen haben soll. Dann fuhr der Mann in die Innenstadt , rief die Polizei an und erklärte, dass er den 69-Jährigen umgebracht habe und sich wegen der Tat selbst das Leben nehmen wolle. Zwei Tage später trieb sich der Mann in der Stadt herum. Schließlich ging er der Polizei an der Bolzstraße ins Netz.

Unter den 30 Zeugen ist auch die Frau des Getöteten. Sie soll dem Angeklagten in einem Brief vorwerfen, dass er ihren Mann überfallen habe, um ihm ein wertvolles Gemälde zu rauben. „Ich bin entsetzt“, so der Angeklagte. „Das stimmt nicht.“ Das besagte Gemälde sei schon seit Jahren nicht mehr in der Wohnung des Opfers aufbewahrt gewesen, so der 64-Jährige.

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