Moscheebau in Leinfelden-Echterdingen OB ist verärgert über abweichende Aussage

Von Natalie Kanter 

Der Leinfelden-Echterdinger Oberbürgermeister Roland Klenk wundert sich über eine Äußerung des muslimischen Vereins, der in Oberaichen eine Moschee bauen will. Er schreibt einen geharnischten Brief.

Kazim Per (stehend) stellte sich bei einem Infoabend den Fragen der Bürger zum Bau der Moschee. Foto: Fatma Tetik
Kazim Per (stehend) stellte sich bei einem Infoabend den Fragen der Bürger zum Bau der Moschee.Foto: Fatma Tetik

Oberaichen - Wenn alles nach Plan läuft, kann die Moschee Ende 2018 eingeweiht werden.“ Dies hat Kazim Per Anfang April bei einer Veranstaltung in Oberaichen gesagt. Der Mann berät den muslimischen Verein für Kultur, Bildung und Integration (VKBI) in Sachen Bau eines Gebets- und Kulturzentrums in Oberaichen. Vertreter des VKBI hatten sich im Pavillon den Fragen von Anwohnern gestellt (wir berichteten).

Dieser Satz hat für große Verwunderung bei Oberbürgermeister Roland Klenk gesorgt. Denn die Aussage legt nahe, dass das Haus ein Jahr früher fertiggestellt ist, als es der Verein gegenüber der Stadtverwaltung kürzlich – zumindest indirekt – angekündigt hat. Der Rathauschef ist verärgert. „Damit stellt sich die Frage, was der Verein wirklich plant“, heißt es in einem Brief, den Klenk an den Vereinsvorsitzenden Hasan Matur geschickt hat. Das Schreiben liegt der Redaktion vor.

Wirbel um eine Frist und deren Verlängerung

Matur hatte offenbar Ende Februar die Bauverwaltung schriftlich darum gebeten, die vereinbarte Frist für die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes des Gebäudes – in dem es neben Gebets- und Schulungsräumen auch einen Supermarkt, ein Café, einen Imbiss und ein Friseur geben soll – um ein Jahr zu verlängern und als neuen Termin November 2019 festzulegen. Auch das geht aus dem Brief an Matur hervor.

Dazu muss man wissen, dass die Muslime mit der Stadt einen Erbpachtvertrag geschlossen haben. Die Idee dahinter: Zunächst die Moschee bauen und dann das Grundstück kaufen. In dem Vertrag steht auch, dass der Verein für den Abschluss des ersten Bauabschnittes und damit für den Bau des Gebetshauses bis Ende Oktober 2018 Zeit hat.

„Es ist ein Unding, dass wir in einer öffentlichen Versammlung erfahren, dass nun doch wieder anders geplant wird“, schreibt der OB. Denn die Stadtverwaltung sei der Hauptgesprächspartner in dieser Angelegenheit. Und: „Diese Vorgehensweise ist nicht dazu geeignet, ein dringend notwendiges Vertrauensverhältnis zu befördern.“ Der Rathauschef fordert Matur auf, konkret und ohne Missverständnisse darzulegen, wie sich der VKBI die weiteren Abläufe vorstellt.

Auf das Schreiben angesprochen, sagt Klenk unserer Zeitung: „Es gibt Menschen, die diesem Bauvorhaben kritisch gegenüberstehen und auch Bürger, die es befürworten.“ Für alle aber sei Transparenz, eine klare Linie und ein ordnungsgemäßes Verfahren wichtig. „Das fordere ich von dem Verein ein“, sagt er. Und das sei nicht zu viel verlangt.

Schließlich habe der Bau der Moschee eine lange Vorgeschichte. In dieser Zeit habe sich weltweit sehr viel getan. Angesichts des islamistischen Terrors sei die Vorsicht, die manche Bürger nun walten lassen, sehr ernst zu nehmen. Und deshalb spiele Vertrauen eine sehr wichtige Rolle.

Verein hält an präsentiertem Zeitplan fest

Zur Erinnerung: Stadträte und Verwaltung hatten sich über Jahre hinweg immer wieder mit den Moschee-Plänen beschäftigt. Auch die ehemalige Gaststätte Rößle in Unteraichen war als Standort im Gespräch. Dies war am Widerstand der Anwohner gescheitert. OB Klenk hatte dann das stadteigene Grundstück an der Ecke Wilhelm-Hass-Straße und Raiffeisenstraße in Oberaichen ins Gespräch gebracht.

Zurück zum aktuellen Ärger: Vereinsvorsitzender Matur will sich dazu nicht äußern. Sein Berater Kazim Per sagt unserer Zeitung: „Es gilt, was ich in Oberaichen gesagt habe. Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2018 fertig sein werden. Das ist unser Ziel.“ Der Verein habe einen Zeitplan erstellt. Dieser werde nun verfolgt. „Wir versuchen, so früh wie möglich fertig zu werden“, erklärt er. Er sagt aber auch: „Es wird gerade überall gebaut.“ Und deshalb könne es – wie bei jedem anderem Bauprojekt – auch beim Moscheebau zu Verzögerungen kommen.

Die Bitte um eine Fristverlängerung habe der Verein weit vor der Veranstaltung im Pavillon eingereicht. Dies sei der Versuch gewesen, noch mal über den vereinbarten Termin zu reden. Auch weil der Verein aus unterschiedlichen Gründen sehr spät mit dem Bau des Gebäudes begonnen habe. Diese Fristverlängerung habe sich aber mittlerweile erledigt. „Es bleibt, wie wir dies in Oberaichen besprochen haben.“