Mountainbiker im Wald Zwei Meter spalten Waldnutzer

Von Isabell Ridder 

Mountainbiker machen Front gegen Fahrverbote auf schmalen Forstwegen. Sie wollen abseits der breiten Pfade die Natur erleben. Manche Wanderer fühlen sich schon jetzt gestört.

Mountainbiker wollen auf schmalen Pfaden ihre Fahrtechnik trainieren. Foto: dpa
Mountainbiker wollen auf schmalen Pfaden ihre Fahrtechnik trainieren.Foto: dpa

Stuttgart - Wenn Martin Schietinger im Wald unterwegs ist, achtet er genau darauf, Fußgänger nicht zu stören oder gar zu gefährden. Der 47-Jährige ist Fachgruppenleiter der Mountainbike-Abteilung des Radsportvereins Vaihingen. Auch wenn er umsichtig fährt, hält er sich nicht an alle Regeln. „50 Prozent der Wege, die wir im Wald fahren, sind Singletrails“, sagt Schietinger. Offiziell erlaubt ist es nicht, auf diesen schmalen Waldwegen, die von den breiten Forststraßen abzweigen, unterwegs zu sein. Seit 1995 untersagt das Landeswaldgesetz Radlern das Befahren von Wegen mit einer Breite von weniger als zwei Metern. Diese Regelung gibt es in dieser Form nur in Baden-Württemberg – und sie betrifft viele Wanderwege. Doch gerade diese Pfade machen für viele Mountainbiker den Reiz aus. „Sie fordern den Fahrer technisch und lassen ihn die Natur intensiver erleben“, sagt Schietinger.

Annette Schramm, Hauptgeschäftsführerin des Schwäbischen Albvereins (SAV) mit Sitz in Stuttgart, ist hingegen froh über die sogenannte Zwei-Meter-Regelung. „Von den Mountainbikern geht ein Gefährdungspotenzial aus“, betont Schramm. Weniger fitte Wanderer und Familien müssten auf schmalen Wegen vor plötzlich auftauchenden Mountainbikern geschützt werden.

„Wenn Fußgänger unterwegs sind, halte ich an und lasse sie vorbei“, betont Hendrick Ockenga. Als Mitglied der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) hat der Stuttgarter zugestimmt, „Trail Rules“ einzuhalten, mit denen ein sozial- und umweltverträgliches Mountainbiking möglich werden soll. Zu den Regeln gehört auch, auf andere Wegnutzer Rücksicht zu nehmen.

Jede Woche beschweren sich Spaziergänger

Die DIMB hat gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, dem Badischen Radsportverband und dem Württembergischen Radsportverband 2013 eine Online-Petition gestartet, in der sie die Abschaffung der Zwei-Meter-Regel fordern. Ihr Wunsch nach einer praxisnahen gesetzlichen Regelung, die Radfahrer nicht diskriminiere und auf persönliche Verantwortung des Waldbesuchers setze, wurde von 58 210 Menschen unterzeichnet. Im Dezember wurde das Schriftstück dem Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg vorgelegt. Am Mittwoch wird es zur Anhörung vor dem Gremium und dem Ausschuss für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz kommen.

Bei Hagen Dilling vom städtischen Forstamt gehen wöchentlich Beschwerden von Spaziergängern ein, die sich im Wald von Mountainbikern gefährdet fühlen. Und er verweist auf die Folgen für den Waldboden. In Stuttgart sei dieser meistens feucht und die schmalen Wege in der Regel unbefestigt. Matschige Stellen würden zuerst von Radfahrern durchfahren und wenn das nicht mehr möglich sei, von ihnen und Wanderern an den Seiten umgangen. Die Wege würden so verbreitert. „Sie sind erst durch das verstärkte Befahren matschiger geworden“, erklärt Dilling.

Annette Schramm findet es „frustrierend“, wenn Wanderwege, die von ausgebildeten Wegewarten ehrenamtlich gepflegt würden, geschädigt werden. Deshalb beteiligt sich die DIMB bereits an der Waldpflege, etwa in Süßen, wo die Initiative mit dem Schwäbischen Albverein kooperiert. Hendrik Ockenga will so etwas auch in Stuttgart umsetzen.

Mountainbiker wollen keine Waldbesucher zweiter Klasse sein

„Stuttgart braucht ausgewiesene Wege unter zwei Meter Breite für die Mountainbiker“, sagt Hagen Dilling. Das Gesetz solle erhalten bleiben, aber die Stadt müsse Ausnahmen genehmigen und ein attraktives Wegnetz schaffen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will das Forstamt Wege unter zwei Meter Breite für die Mountainbiker zugänglich machen. Bis Anfang 2015 wolle man das Thema angehen. Man müsse dabei beachten, dass es auch bei den Mountainbikern unterschiedliche Nutzergruppen gibt. Den abfahrtsorientierten „Downhill“-Fahrern ist seit 2011 eine offizielle Strecke von der Stadt versprochen. In Heidelberg und Freiburg gibt es solche Strecken bereits. Mountainbiker, die Touren fahren, könne man hingegen nicht auf einer Strecke kanalisieren, so Dilling.

Für Martin Schietinger stellt sich jedoch eine grundlegende Frage: „Warum wird mir als Mountainbiker die Benutzung verboten, dem Wanderer aber erlaubt?“ Hendrik Ockenga sagt, die Mountainbiker in Baden-Württemberg wollten keine Waldbesucher zweiter Klasse mehr sein. Der Petitionsausschuss wird nach der Anhörung am Mittwoch gemeinsam mit dem Fachausschuss beraten und eine Empfehlung für den Landtag ausarbeiten.

Die Mountainbiker hoffen auf eine Abschaffung der Zwei-Meter-Regel, so Schietinger. Was ihm bis dahin vermehrt Sorgen bereitet, seien selbsternannte Ordnungshüter, die absichtlich Äste und Steine auf die Wege legten und die Fahrer in letzter Zeit auch mit unter dem Laub versteckten Nagelbrettern gefährdeten – auch auf Wegen von mehr als zwei Meter Breite.

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16 KommentareKommentar schreiben

@Herr Zimmermann und Herr Waechter: Mit Ihren Unterstellungen und Beleidigungen sorgen Sie dafür, dass man Ihre Leserbriefe nicht ernst nehmen kann. Aber ärgern darüber schon. Wenn Sie schreiben "mit gleichem Recht könnten die Radfahrer Sie (den Fußgänger) als Schleicher verunglimpfen" frage ich mich was das soll. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Fußgänger langsamer ist als ein Radfahrer, oder? Und folgerichtig muß der Radfahrer auf den Fußgänger Rücksicht nehmen und nicht umgekehrt! Aufpassen sollten allerdings immer beide. Verbitterung und Borniertheit den Andersdenkenden zu unterstellen ist beleidigend und respektlos. Jeder hat hier das Recht seine Meinung frei zu äußern!

Typisch: Erst mal vorneweg ich bin Schwabe und das gerne. Die Diskussion über Radler und Wanderer im Wald ist aber absolut nicht ziel führend. Wir haben halt nur einen Wald und den wollen unterschiedliche Interessengruppen nutzen (Wanderer, Radler, Jäger, Pilzsucher, Holzindustrie ...) und das geht nur mit einem Miteinander. Nimmt man nur die 3 Freizeitgruppen Radler, Wanderer und Pilzsucher so ballt es sich leider meist am Wochenende, ist halt so man will in den Wald wann man zeit hat. Statt Gesetze und die Diskussion hier mit vorgeschobenen Argumenten sollte man wirklich mal darüber Reden wie ein miteinander aussehen kann. Wir waren schon zum Wandern, Pilze suchen und Radfahren im Wald und das auch mit Kindern. Hierbei kam es nie zu einer kritischen Situation wegen Rasern die nicht auf Kinder aufpassen und ähnlichem. Nur 2 Situationen waren eher unerfreulich und das war immer mit Jägern. Einmal Stand ein SUV direkt neben einem Hochsitz so schlecht geparkt auf einem breiten Waldweg, dass man mit Fahrradanhänger nicht vorbei kam. Als wir den Jäger freundlich ansprachen kam nur die protzige und unfreundliche Reaktion wir hätten mit den Fahrrad hier eh nichts zu suchen (Weg war deutlich über 2 m breit) - frage mich nur woer dann das recht kam mit dem SUV hier zu sein. Als wir dann die Räder (teilweise im Wassergraben an seinem SUV vorbeischoben machte er sogar noch ein Bild mit dem Kommentar, falls ein Kratzer im Auto wäre bräuche er ja Beweise. Den anderen (aus meiner Sicht dummen) Kommentar gab es auch mal von einem Jäger der uns als wir mit den Kindern querfeld ein liefen vom Hochsitz anpfaumte wir hätten geade alle rehe vertrieben - war sonntags mittags um 15:00. Wie gesagt (bis auf die 2 Fälle mit den Jägern) gab es immer ein Miteinander im Lebensraum Wald.

quizfrage: ich fahre fast jedes Wochenende mit meinem MTB auf verlockten Wegen die oftmals schmäler wie 2 Meter sind. Und, man glaubt es kaum, manchmal nur 1 Meter Breite messen Und jetzt kommt das Unglaubliche, es gab nie Ärger mit den Wanderern. Im Gegenteil, man grüßt sich und oftmals ist sogar eine Unterhaltung drin. Aber, ehrlicherweise muß gesagt sein, daß dies in der sonnigen Pfalz bzw. deren französischen Nachbarn stattfindet. Hier in Baden Württemberg schauen die Leute immer verdruckst auf den Boden. Freundliche Worte sind selten. Woran liegt es? Am Pfälzer Weinschorle, an der Sonne - ich weiß es nicht. Natürlich gibt es auch bei den MTBlern Rowdies. Die gibt es auch bei den Müttern, die in unserer Strasse morgens die Zebrastreifen usw. vor der Schule vollparken. Aber wer will schon den Müttern verbieten ihre Kinder zur Schule zu bringen..... Den MTBer will man aber verbieten sich frei zu bewegen. Und, typisch Deutsch, Nagelbretter, Drahtseile auf Kopfhöhe, Äste usw. sind vollkommen in Ordnung - diese Leute sind die wahren Kriminellen.

jetzt würde mich doch mal interessieren,: Herr Müller und Frau Ebner, woraus Sie eigentlich das Recht ableiten, als Fußgänger gewisse Waldwege für sich zu haben und dieses Recht Radfahrern vorenthalten? Ist das gottgegeben, oder was? Das dumme Geschwätz von Rasern können Sie auch gerne steckenlassen, mit gleichem Recht könnten die Radfahrer Sie als Schleicher verunglimpfen. Tun sie aber nicht, da sie offenbar zu einer höflicheren und rücksichtsvolleren Spezies gehören. Dass Sie für sich selber das Naturerlebnis wie selbstverstlich in Anspruch nehmen, das gleiche Bedürfnis danach den Radfahrern aber in Abrede stellen und als BS verunglimpfen, zeigt ja nur nochmal deutlichst das Ausmaß Ihrer Borniertheit. Halten sich selber wohl für was Besseres, was? Zum Verständnis, ich bin selber Wanderer, kein Radfahrer, und habe nie, wirkilch noch nie irgendein Problem mit rücksichtlsosen Radfahrern gehabt. Und ich bin wirklich verdammt viel unterwegs und habe den Weg schon mit hunderten von Radfahrern gekreuzt. Ich glaube, wer vorgibt, von Radfahrern gestört zu werden, fühlt sich ganz einfach durch die pure Präsenz von Radfahrern gestört, da können die sich noch so rücksichtsvoll verhalten, diese Spezies von Mensch mit ihrer Blockwartmentalität wird sich halt immer durch irgendwas gestört fühlen. Ich für meinen Teil habe mich bisher, wenn überhaupt, nur durch andere Wanderer gestört gefühlt, die in großen Gruppen laut krakeelend durch die Landschaft ziehen, kilometerweit zu hören sind, und den Weg partout nicht freigeben wollen, wenn man ihnen entgegenkommt oder sie überholen will, so dass man sie mit Mühe abseits des Weges umgehen muss. Da ist mir jeder, wirlich jeder Radfahrer tausendmal lieber, ganz ehrlich. Aber gut, wenn die paar Bornierten ewig-gestrigen, die sich von Radfahrern gestört fühlen, wie hier angekündigt weg bleiben und die Wege der überwiegenden Mehrheit der toleranten, weltoffenen Wanderern und Radfahrern überlassen, ist das Problem ja auch gelöst. Sie hingegen sollten wirklich in der Wilhelma Ihre Runden drehen, ist für alle Beteiligten besser so.

hermann waechter 12:07 14:03: Lebten wir hier in einem Landstrich mit gewachsener Fahrradkultur, so wie z.B. in Holland, Dänemark, oder aber auch in Hamburg zu besichtigen, dann gäbe es das Problem gar nicht, jedenfalls nicht in dieser Schärfe. Denn dort haben die radelnden Mitbürger von klein auf gelernt auf ihre Artgenossen auf zwei Beinen Rücksicht zu nehmen. Dort ist man sich auch wohl bewusst, dass Radfahrer und Fussgänger auf gemeinsam genutzten Wegen keineswegs gleichberechtigt sind, sondern der Radfahrer stets achtungspflichtig, und im Falle eines Unfalles (Einzige Ausnahme: Vorsatz seitens des Fussgängers!) auch generell für Schäden und Verletzungen haftet. Begegnungen der unerfreulichen Art mit der Subspecies der Kampf- und Rüpel-Radler hat man in diesen Gegenden, ganz im Gegensatz zu Stuttgart, nur in Ausnahmefällen zu vergegenwärtigen. Wenn ich heute um die Bärenseen gehe, dann kann ich das kaum mehr tun, ohne mich der Belästigung, und auch der Gefährdung durch mit hohem Tempo und heftigem Geklingel über die schmalen Waldwege bretternde Radsportler aussetzen zu müssen. Weist man dann einmal eine der Herrschaften in freundlicher Art und Weise darauf hin, dass auf diesem Teilabschnitt des Rundweges Radfahren nicht gestattet ist, so ist man besser auf Beschimpfungen auch der unflätigen Art eingestellt. Deshalb bin ich für eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder, am besten in der Form eines (preiswerten) Versicherungskennzeichens, so wie es früher in der Schweiz vorgeschrieben war. --- P.S. Ich fahre selbst gerne Rad. Gelegentlich auch mal auf dem Gehsteig, oder auf einem schmalen Waldweg. Zu Konfliktsituationen mit Fussgängern kam es dabei aber bislang noch nie. Da mir bewusst ist, dass ich auf diesen Flächen lediglich den Status eines geduldeten Eindringlings innehabe, verhalte ich mich entsprechend, und respektiere das Vorrecht des Fußgängers.

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