Mühlacker Skinheadkonzert ist geplatzt
Andrea Koch-Widmann, 17.03.2010 07:00 Uhr
Die rechtsextremistische Kameradschaft Stallhaus Germania hat ihr Konzert abgesagt, nachdem ihre Pläne an die Öffentlichkeit gelangt waren. Auf dem Konzert sollten Bands spielen, die zum verbotenen Nazimusiknetzwerk Blood & Honour gehören. Foto: AP
Die rechtsextremistische Kameradschaft Stallhaus Germania hat ihr Konzert abgesagt, nachdem ihre Pläne an die Öffentlichkeit gelangt waren. Auf dem Konzert sollten Bands spielen, die zum verbotenen Nazimusiknetzwerk Blood & Honour gehören. Foto: AP


Der Verfassungsschutz will sich aus "ermittlungstaktischen Gründen grundsätzlich nicht" äußern. Im Bericht von 2008 aber sehen die Verfassungsschützer die "Skinhead(musik)szene in der Krise". Die Hinweise aus den Vorjahren hätten sich verdichtet, dass vieles auf einen "schleichenden Marginalisierungs- oder gar Auflösungsprozess der rechtsextremistischen Skinhead(musik)szene hindeuteten.

Strafverfahren wegen Propagandadelikten wurde eingeleitet


Das können die beiden SPD-Abgeordneten aufgrund des aufgedeckten Pfingstkonzerts so nicht nachvollziehen. Braun und Knapp haken nach: "Wann, wodurch und durch wen haben Staats- und Verfassungsschutz von dem geplanten Konzert erfahren?" Bei welchen der früheren Veranstaltungen waren Polizei oder Verfassungsschutz vor Ort? Sie fragen nach den Verbindungen zwischen der rechtsextremen Kameradschaft Stallhaus Germania und dem verbotenen Netzwerk Blood & Honour.

Im vergangenen Jahr schon hatte der örtliche SPD-Abgeordnete Thomas Knapp wegen rechtsextremistischer Aktivitäten in Pforzheim und im Enzkreis nachgefragt. Nach Angaben des Innenministeriums hat demnach die Nazikameradschaft Stallhaus-Germania 2005 das letzte Konzert in Mühlacker-Lienzingen veranstaltet. Damals wurden Strafverfahren wegen Propagandadelikten eingeleitet, bei Zufahrtskontrollen stellte die Polizei Softair-Waffen und Kampfmesser sicher. Laut den Recherchen der Freiburger Antifaschisten hingegen soll es am 27. September 2008 ein von Stallhaus veranstaltetes Konzert gegeben haben, das die Polizei "bis zum Schluss vor der Öffentlichkeit geheim" hielt. Auch am 10. Oktober 2009 habe es ein Konzert gegeben. "Schlechtestes Konzert 2009: unser eigenes... Leider nur eine Band und irgendein Arsch hat mein Auto demoliert." Das schrieb Thomas G. in einer von der Antifa ausgespähten Mail.
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