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Baden-Württemberg
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Mühlacker Skinheadkonzert ist geplatzt

Andrea Koch-Widmann, vom 17.03.2010 07:00 Uhr
Die rechtsextremistische Kameradschaft Stallhaus Germania hat ihr Konzert abgesagt, nachdem ihre Pläne an die Öffentlichkeit gelangt waren. Auf dem Konzert sollten Bands spielen, die zum verbotenen Nazimusiknetzwerk Blood & Honour gehören. Foto: AP
Die rechtsextremistische Kameradschaft Stallhaus Germania hat ihr Konzert abgesagt, nachdem ihre Pläne an die Öffentlichkeit gelangt waren. Auf dem Konzert sollten Bands spielen, die zum verbotenen Nazimusiknetzwerk Blood & Honour gehören. Foto: AP
Stuttgart - Die SPD im Landtag zeigt sich besorgt über die rechtsextremistischen Umtriebe in Mühlacker (Enzkreis). Die StZ hatte berichtet, dass die rechtsextreme Kameradschaft Stallhaus Germania in Mühlacker ein Konzert mit drei Skinheadbands am Samstag vor Pfingsten veranstalten wollte. Nachdem diese Pläne öffentlich geworden waren und die Polizei auf den Plan gerufen hatte, haben die Skinheads das Konzert abgesagt.

In einer kleinen Anfrage verlangen die SPD-Abgeordneten Stefan Braun und Thomas Knapp detaillierte Auskunft von der Landesregierung über die Kameradschaft, deren Unterstützerkreis und die Konzerte und Veranstaltungen in den vergangenen zehn Jahren. Insbesondere interessiert die Abgeordneten, durch "welches Verhalten der Polizei" die Rechtsextremisten den Eindruck gewinnen konnten, "das geplante Konzert würde, bis auf Kontrollen im Vorfeld, von der Polizei weitgehend unbehindert stattfinden?"

Als Zugpferd des Open-Air-Konzerts sollte die Band Faustrecht auftreten, die zum verbotenen Nazimusiknetzwerk Blood & Honour gehört. Das hatten die Autonomen Antifaschisten in Freiburg aufgedeckt. Sie waren in einschlägigen Naziforen und Mailkontakten auf das geplante Konzert in Mühlacker gestoßen, mit dem die Neonazikameradschaft ihr zehnjähriges Bestehen feiern wollte. Das haben die Freiburger ins Internet gestellt mitsamt zahlreichen weiteren persönlichen Details über Mitglieder und deren Kontakte.

Das Konzert wird wohl andernorts stattfinden


Laut diesen Recherchen habe Thomas G., der Organisator des Pfingskonzerts, schon bei früheren Veranstaltungen angefragte Bands mit Hinweisen auf die bisher gute Kooperation mit der Polizei beruhigt, die einen reibungslosen Ablauf erwarten lasse. "Am Feldweg wird eine Polizeikontrolle sein. Lt. Polizei wollen sie nur Kontrolle machen... war die letzten Male auch." Der lokalen Naziband Devils's Project, die beim anstehenden Open-Air auf einem privaten Grundstück in Mühlacker auftreten wollte, schrieb der im Kreis Ludwigsburg wohnende Organisator: "Hoffentlich lassen es auch unsere Freunde in Grün durchgehen..." Der nordrhein-westfälischen Skinband Angry Boot Boys hatte er am 7. März noch versichert: "Aber wir veranstalten jedes Jahr ein Fest, und da ging auch immer alles glatt. Die Polizei ist hier noch etwas tolerant zu uns."

Die zuständige Pforzheimer Polizeidirektion lässt sich trotz des fatalen Eindrucks, die Polizei sei berechenbar für die Rechte, nicht aus der Ruhe bringen. Sie wollte bei den Organisatoren darauf dringen, das Konzert abzusagen. Das sei zwar nun überraschend schnell erfolgt, meint ein Polizeisprecher, verweist aber darauf, dass dies auch Taktik sein könnte und nun ein "Katz-und-Maus-Spiel" beginne. Die Polizei werde sich "nicht einlullen lassen", sondern die Szene weiter beobachten. Das Konzert werde wohl andernorts stattfinden. Bei bisherigen Veranstaltungen von Stallhaus sei die Polizei stets präsent gewesen - mit An- und Abfahrtskontrollen von Fahrzeugen, Personenkontrollen, der Durchsuchung nach Waffen, verbotenen Tonträgern und Symbolen. "Diese Leute haben hier keinen Schonraum", versichert ein Polizeisprecher.

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