Münchner Surfszene Verrückt im Eisbach
Ulrike Frenkel, 18.05.2010 18:31 Uhr
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Schwimmen bleibt an dieser Stelle im Münchner Eisbach, der durch den Englischen Garten fließt, verboten... Foto: ddp
Schwimmen bleibt an dieser Stelle im Münchner Eisbach, der durch den Englischen Garten fließt, verboten... Foto: ddp
München - Sogar der Gute-Laune-Musiker Jack Johnson hat es sich nicht nehmen lassen, vor seinem Konzert in München auf dem Eisbach zu surfen - er fiel und wurde trotzdem bejubelt, man kann das auf Youtube anschauen, eine wunderbare Szene. Bei ihm selbst, gestand der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude kürzlich bei der Preview des Dokumentarfilms "Keep Surfing", sei bezüglich dieses innerstädtischen Vergnügungsort ein "unglaublicher Bewusstseinswandel" zu verzeichnen. Lange Jahre habe er sich beim Vorbeiradeln an den bei jeder Witterung im eiskalten Wasser auf ihren Brettern herumturnenden Menschen gedacht: "Das sind ein paar Verrückte." Jetzt, nachdem er Björn Richie Lobs Langzeitstudie über die perfekte Welle und ihre rastlosen Reiter gesehen habe, wisse er definitiv: "Das sind ein paar Verrückte - mit großem Können, Erfahrung und Leidenschaft.

Surfen im wilden Herz der Stadt


"Schallendes Gelächter im Saal, in dem sich die Münchner Surfergemeinde nebst Freunden und Verwandten und einigen Verantwortlichen von der Stadt zusammengefunden hatte, um ein erfrischendes Kunstwerk und eine lange schon fällige Entscheidung zu feiern. Denn im kommenden Juli soll ein Tauschgeschäft notariell besiegelt werden, nach dem die Welle und die fünfzig nachfolgenden Meter Eisbach künftig nicht mehr wie der Rest des Englischen Gartens dem Freistaat Bayern, sondern der Stadt München gehören. Deren Umweltreferat kann dann in seiner Badeordnung das wilde Treiben unterhalb der Prinzregentenstraße nach langen Streitereien endlich offiziell genehmigen. "Seit fünfzehn Jahren haben wir die schönen Surferbilder ja eh schon in touristischen Broschüren werblich missbraucht", sagte Ude. Dass an der Himmelreichbrücke Schwimmen weiterhin verboten sei, spreche kaum gegen die jetzt zwischen Land und Stadt getroffene Entscheidung. Denn: "Gerade das will der Surfer ja nicht." So wird mit einer gewissen Schlitzohrigkeit und Sympathie fürs Schräge, die sich Deutschlands Hauptstadt der BMW-Fahrer und der Schicki-Szene immer noch bewahrt hat, ein Denkmal geschützt: das wilde Herz der Stadt.

Wie einzigartig diese Demonstration von Freiheitssuche und schierer Lebenslust mitten in einer Metropole ist, sehen längst nicht mehr nur Einheimische und Touristen, die auf dem Weg zwischen Bayerischem Nationalmuseum und Haus der Kunst zufällig den Blick übers Brückengeländer schweifen lassen. Inzwischen kommen Leute von weither, die in Reiseführern vom "River-Surfing" gelesen haben, und zuschauen, wie spielerisch leicht das von einem unsichtbaren Choreografen inszenierte Wasserballett funktioniert. Von der rechten Seite des Eisbachs treten Gestalten in Badekleidung oder Neoprenanzügen aus dem Unterholz, schwingen sich auf ihr Brett, und nutzen die Sekunden und manchmal Minuten, die ihnen vergönnt sind, ehe sie sich der Strömung ergeben müssen. Hier kann man sehen, dass Menschen wie im wirklichen Leben auch auf dem Board sehr unterschiedlich vorgehen. Wo der eine kämpft wie ein Löwe, scheint der andere elegant zu schweben.

Kommentare (1)
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MAI
19
Torsten Holtz, 09:20 Uhr

Surfen auf dem Eisbach

Wer in München war und die Wellenreiter im Eisbach nicht gesehen hat, hat wirklich was verpasst. Hier habe ich ein paar feucht-froehliche Bilder gefunden: http://muenchensurfen.bildreportagen.ch/