Mundart aus Crailsheim Max und Moritz auf hohenlohisch

Von Tanja Kurz 

Sebastian Unbehauen hat Wilhelm Buschs Geschichte von den Streichen der Lausbuben Max und Moritz ins Hohenlohische übersetzt – die Neuerscheinung passt zur Ausstellung, die jetzt in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zu sehen ist.

Gottfried Härle möchte, dass auf den Etiketten der Bierflaschen, die  seine Brauerei verlassen, das Wort bekömmlich steht – das stört den Verband sozialer Wettbewerb.Gottfried Härle möchte, dass auf den Etiketten der Bierflaschen, die  seine Brauerei verlassen, das Wort bekömmlich steht – das stört den Verband sozialer Wettbewerb.Die bösen Buben treiben ihre Streiche jetzt auch auf Hohenlohisch: Journalist Sebastian Unbehauen mit „Dr Hohaloher Max und Moritz“. Foto: dpa
Gottfried Härle möchte, dass auf den Etiketten der Bierflaschen, die seine Brauerei verlassen, das Wort bekömmlich steht – das stört den Verband sozialer Wettbewerb.Gottfried Härle möchte, dass auf den Etiketten der Bierflaschen, die seine Brauerei verlassen, das Wort bekömmlich steht – das stört den Verband sozialer Wettbewerb.Die bösen Buben treiben ihre Streiche jetzt auch auf Hohenlohisch: Journalist Sebastian Unbehauen mit „Dr Hohaloher Max und Moritz“.Foto: dpa

Crailsheim - Na, konnten Sie die Reime entziffern? Im Hochdeutschen liest sich das so: „Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen.“ Bei den Eingangszeilen handelt sich um das Vorwort der Wilhelm-Busch-Geschichte von „Max und Moritz“, und zwar auf Hohenlohisch. Erschienen ist das Buch mit dem Untertitel „A Lumbegschicht in siewe Straach“ jetzt in der Edition Tintenfass (Neckarsteinach). In die ostfränkische Mundart transkribiert hat den Text jedoch kein gesetzter Oberstudienrat im Ruhestand, sondern ein junger Journalist: Sebastian Unbehauen, Redakteur beim Hohenloher Tagblatt in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall).

Das Rüstzeug für den Job hat Unbehauen in der Kindheit und der Jugendzeit erworben: Aufgewachsen ist er in der Gemeinde Rot am See, genauer im Dörfchen Reubach. Hier, im Gebiet der einstigen Rothenburger Landwehr, haben sich Dialekt und Brauchtum – man denke an den ältesten Jahrmarkt Hohenlohes, die Muswiese – bis heute weitgehend unverfälscht erhalten. Eine verbindliche Aussprache existiert auch bei der Hohenloher Mundart freilich nicht: „In jedem Dorf wird ein kleines bisschen anders gesprochen oder betont“, sagt Unbehauen, der sich für die Übersetzung an den in der Familie gebräuchlichen Sprachschatz gehalten hat.

Nach einer Probegeschichte hatte Unbehauen den Auftrag

Wie’s dazu kam, ist schnell erzählt. Walter Sauer, in dessen Verlag die Lausbubengeschichten unter anderem im oberschwäbischen Dialekt, auf Alemannisch und Bayerisch erschienen sind, fragte bei der örtlichen Zeitung nach einem Kundigen, der die Hohenloher Übersetzung übernehmen könne. Unbehauen machte die Probe aufs Exempel, übertrug eine der Geschichten, und ehe er sich versah, hatte er den Auftrag in der Tasche. „Ich hatte anfangs mit mehr Freiheiten gerechnet“, gibt er heute zu. Doch es galt, sich möglichst an die Reime der Urfassung zu halten: „Wenn die aber nicht funktionierten, musste ich frei übersetzen.“ Dass er sich darauf versteht, wird bei der Lektüre der pfiffig-liebevollen Verse deutlich, bei denen sich „bruzzle“ auf „Zwetschgehuzzle“ reimt. Apropos lesen: „Mundart lässt sich am besten sprechen, also laut lesen, dann klappt’s“, rät der Übersetzer allen des Hohenlohischen Unkundigen, „so habe ich’s beim Schreiben auch gemacht.“

Unbehauen reist gern, lebt aber auch gern in Hohenlohe

Wenn der 31-Jährige nicht gerade aus dem Gemeinderat berichtet, Interviews führt oder Wilhelm-Busch-Reime übersetzt, geht der Historiker und Politologe „ganz üblichen“ Hobbys nach: Lesen gehört dazu, gerne moderne Literatur, aber auch Sachbücher. Reisen ist ein weiteres Steckenpferd, und dann vorzugsweise in Großstädte. Die Hochzeitsreise führte ihn und seine junge Frau beispielsweise nach New York. Daheim fühlt sich Unbehauen freilich in Hohenlohe. „Ich bin zwar nicht hundertprozentig auf die Gegend festgelegt, aber ich hab auch keinen Drang, hier wegzugehen“, sagt er und lacht. „Es ist schon eine liebenswerte Region.“