Musical-Premiere Drei Stunden aus der Wundertüte
Tim Schleider, 19.11.2010 14:06 Uhr
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„Bleib doch bis zum Frühstück“, lockt Axel Staudach (Karim Khawatmi) frisch verliebt Lisa Wartberg (Sabine Mayer) in dem Udo-Jürgens-Musical. Die Produktion basiert auf 21 Songs des in Zürich lebenden Komponisten, der gestern extra für die Premiere angereist ist. Foto: Steinert
„Bleib doch bis zum Frühstück“, lockt Axel Staudach (Karim Khawatmi) frisch verliebt Lisa Wartberg (Sabine Mayer) in dem Udo-Jürgens-Musical. Die Produktion basiert auf 21 Songs des in Zürich lebenden Komponisten, der gestern extra für die Premiere angereist ist. Foto: Steinert
Stuttgart - So sieht es aus, das beinahe reine Stuttgarter Musicalglück: Nach gut drei Stunden reißt es zum Schlussbild auch den Kritiker endgültig aus seinem tiefen Sessel. Zum finalen Potpourri der schönsten Nummern des Abends kann auch er nicht mehr anders - früher oder später kriegt diese Inszenierung wahrscheinlich jeden: Jetzt heißt es nur noch mitsingen, mitklatschen, mittanzen. Ja holla, ist das denn hier die ZDF-Hitparade? Nein, tausendmal schöner: es ist "Ich war noch niemals in New York" », das neue Stück am Stuttgarter Apollo-Theater.

Und niemand muss sich schämen, dem unter diesen Umständen das Herz aufgeht.Machen wir uns nichts vor: drei Stunden können sehr lang sein. Auch im Stuttgarter SI-Zentrum. Aber bei diesem Abend vergehen sie wie im Fluge. Ein Musicalabend wie eine große Wundertüte, voller Überraschungen, Witz und Ideen, aber auch voller Eleganz und Esprit. Ganz ehrlich: auch der größte Musicalfreund stellt sich ja ab und zu schon mal die Frage, ob das Genre rein künstlerisch betrachtet im Lauf der Jahrzehnte und all der hochdotierten Events und Hypes womöglich doch an sein unnatürliches Ende gekommen sei. Aber wenn man diese wunderschöne Stuttgarter Produktion gesehen hat, dann lächelt man zufrieden und denkt: Grad so darf's noch ein Weilchen weitergehen.

Und es ist ja wirklich eine Stuttgarter Produktion geworden! Zwar fand die Uraufführung von "Ich war noch niemals in New York" 2007 in Hamburg statt. Doch für die zweite Runde in Wien und nun die dritte in Stuttgart ist Stage Entertainment noch mal kräftig in Klausur gegangen. Nicht nur, dass die Geschichte nun ihren Ausgangspunkt in den Fernsehstudios und Altersheimen der Landeshauptstadt nimmt und wenigstens eine Figur uns heftig das Schwäbeln lehrt - insgesamt wurde die Handlung stark poliert, wurden die Charaktere zugespitzt. Nun sind sie richtig rund.

Tradition des amerikanischen Musicals


Dabei trägt die Geschichte an sich noch am geringsten zum Erfolg des Abends bei: Ein älteres verliebtes Paar, das aus der trostlosen Seniorenverwahrung ausbricht zur Kreuzfahrt gen Freiheitsstatue, dabei panisch verfolgt von Tochter und Sohn, die ihrerseits im Lauf der Reise merken, dass Kuscheln noch schöner als Karriere ist - dieses Setting allein käme ganz sicher nicht auf die rote Unesco-Liste für vom Aussterben bedrohte Theaterideen.

Kommentare (1)
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NOV
19
Gerhard, 09:11 Uhr

Wunderschön

Ich habe die Vorpremiere am 17.11. besucht. Meiner Meinung nach ist das Musical "Ich war noch niemals in New York" eines der Besten was je in Stuttgart gastiert hat - unbedingt empfehlenswert