Musik-Streaming-Dienste Die vier wichtigsten Anbieter im Überblick

Von Steffen Haubner 

Musik aus dem Internet verdrängt sowohl CDs als auch MP3-Dateien. Viele Musik-Streaming-Dienste bieten monatliche Flatrates an – auch für die ganze Familie. Wer die Musik auch ohne Internetverbindung hören will, muss genau hinschauen. Wir geben einen Überblick über die vier wichtigsten Anbieter.

Mit einem Streaming-Dienst- Abonnement hat  man immer eine große Musikauswahl.  Foto: Mauritius
Mit einem Streaming-Dienst- Abonnement hat man immer eine große Musikauswahl. Foto: Mauritius

Stuttgart - Es ist fast wie ein Comeback des Radios. Statt Datenträger und Downloads zu horten, lassen sich immer mehr Nutzer direkt aus dem Netz berieseln. Das Programm bestimmen sie selbst oder sie wählen einen Kanal, der sie mit Charts und Anspieltipps versorgt. Beim „Streaming“ werden die Klänge direkt über das Internet übertragen – werbefinanziert oder bezahlt als monatliche Flatrate.

Spotify

Mit 75 Millionen Nutzern steht der schwedische Streaming-Dienst Spotify derzeit einsam an der Spitze der Anbieter. Der Löwenanteil der Nutzer begnügt sich allerdings mit der Gratis-Version. Zahlende Premium-Kunden hören werbefrei und in besserer Qualität. Außerdem können sie Musik lokal speichern, um unterwegs unabhängig von Datenströmen zu sein. Auf 15 bis 20 Millionen wird die Zahl derer geschätzt, denen das rund zehn Euro im Monat wert ist. Die Spotify-App gibt es für den PC wie für mobile Geräte. Alle Funktionen wie selbst erstellte Playlists, redaktionelle Kanäle und Aktivitäten von Freunden finden sich dort auf einen Blick. Die sozialen Aspekte des Musikhörens stehen bei Spotify im Vordergrund. Man kann Playlists teilen, Songs an Freunde versenden und ist immer informiert, wer gerade was hört.

Dass Apps von Drittherstellern über Nacht aus dem Angebot gestrichen wurden, ist schade. Die originelle Aufbereitung der rund 30 Millionen Songs gehörte zu den Alleinstellungsmerkmalen von Spotify. Immerhin sind Künstler und Magazine noch mit eigenen Kanälen vertreten. Die Verwaltung der Playlists lässt aber zu wünschen übrig. Wer zu viele ansammelt, verliert schnell den Überblick. Mitunter kommt sogar die Desktop-App ins Stocken.

Deezer

Das Angebot des französischen Konkurrenten Deezer ist in 182 Ländern verfügbar und hat 26 Millionen Abonnenten. Für massiven Zuwachs sorgte kürzlich weniger die aggressive Werbung („Hör, was du hören willst“) als vielmehr das Aus des deutschen Konkurrenten Simfy, dessen Kunden übernommen wurden. Die Songauswahl ist noch etwas größer als bei Spotify, dennoch wirkt die Benutzeroberfläche aufgeräumter. Statt der Community steht der Versuch im Vordergrund, individuelle Nutzerprofile aufgrund der Hörgewohnheiten zu erstellen. Das klappt erstaunlich gut, die Empfehlungen werden mit der Zeit immer besser. Wie bei Spotify kann man auch bei Deezer Texte direkt beim Hören mitlesen.

Das Erstellen von Playlists ist besser gelöst und geht schneller von der Hand als bei Spotify. Einziger echter, dafür aber umso schwerer wiegender Nachteil war bislang die fehlende PC-App. Inzwischen gibt es zwar eine Software für Windows und Mac OS. Die ist allerdings sehr minimalistisch und kann beim Funktionsumfang nicht mit Spotify mithalten. Für mobile Geräte bietet dagegen auch Deezer eine durchdachte, intuitiv bedienbare App an.

Apple Music

Auch Apple mischt mittlerweile auf dem Streaming-Markt mit. Das Konzept unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von Spotify und Deezer: Das Musik-Abo wird direkt mit der iTunes-Bibliothek verknüpft. Bei Abschluss eines Abos verwandelt sich iTunes kurzerhand in einen Streaming-Client. Eine kostenlose Version gibt es – abgesehen von der dreimonatigen Testphase – nicht. Das Angebot von Streaming-Dienst und iTunes Store ist weitgehend identisch. Doch es finden sich immer wieder exklusive Inhalte, die man zusätzlich erwerben kann. Gekaufte Musik bleibt auch nach Kündigung des Abos im Besitz des Nutzers.

Zwar gibt es auch eine Android-App. Doch natürlich ist Apple Music insbesondere auf Apple-Hardware ausgelegt. So lässt sich die App selbst über den Sperrbildschirm von iPhone und iPad steuern. Gelungen sind auch die redaktionellen Empfehlungen aufgrund persönlicher Hörgewohnheiten. Wer mit Apples Medienverwaltung schon immer auf Kriegsfuß stand, wird allerdings auch mit Apple Music nicht glücklich werden. Viele Menüs wirken trist und sind umständlich zu bedienen. Während man etwa bei Spotify einzelne Titel einfach in die Playlist zieht, muss man bei Apple Music einen Umweg über die Musiksammlung machen. Über „Connect“ sollen sich Musikfans und Künstler austauschen. Doch die Bedienung wirkt unausgegoren und undurchsichtig.

Amazon Prime Music

Auch Amazon verzahnt sein Streaming-Angebot Prime Music mit dem Online-Shop. Die App setzt bei der Benutzerfreundlichkeit Maßstäbe und ist plattformübergreifend verfügbar, zum Beispiel auch auf Spielkonsolen oder Amazons Fire TV-Stick. Die Musik stellt der Nutzer aus unterschiedlichsten Quellen zusammen. So bekommt man beim Bestellen von CDs über Amazons AutoRip-Funktion die MP3-Version gratis dazu. Die erworbenen Dateien lassen sich dann mit wenigen Mausklicks in die Musikbibliothek integrieren. Abonnenten von Amazon Prime hören viele Titel umsonst. Doch gerade bei Neuheiten und jenseits des Mainstreams klaffen riesige Lücken. Die fehlenden Songs sind zwar verfügbar, müssen aber extra bezahlt werden. Dafür bietet das Abo für knapp 50 Euro jährlich diverse andere Leistungen wie Instant Video oder versandkostenfreie Lieferungen.

Fazit

Spotify ist auf vielen Plattformen verfügbar und richtet sich an kommunikationsfreudige Vielhörer. Deezer wird mit der Zeit wie ein Freund, der immer gute Tipps auf Lager hat. Apple Music glänzt vor allem auf Mac, iPhone & Co., hat aber noch Defizite bei der Bedienung. Während man bei den reinen Streaming-Diensten sicher sein kann, dass alles inklusive ist, sind die Shop-Abo-Kombinationen unübersichtlicher. Wie bei der Musik selbst, entscheidet bei der Wahl des Anbieters der persönliche Geschmack.

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3 KommentareKommentar schreiben

Herr Haubner...: wenn Sie hier schon die 4 wichtigsten "Totengräber der Musikschaffenden" auflisten, dann machen Sie mal auch einen fundierten Artikel darüber, wie diese "Steuersparkonzerne" dafür "Sorge tragen" das auch hier beim Künstler nichts mehr Erwähnenswertes hinten rauskommt (H. Kohl). Im Besonderen waren die Abrechnungsmodalitäten bei einer CD noch annähernd so, das Komponist und Textdichter einigermassen die Arbeit und den Lohn dafür noch in ein Verhältnis beim Auskommen mit dem Einkommen bringen konnten. Streaming-Diensten ist diese wichtige Voraussetzung fremd bis völlig egal. Der CD-Verkauf ist ebenfalls fast schon monopolisiert und wird quasi im Zuge der weiteren Digitalisierung der Geschäftsmodelle weiter kannibalisiert genau von denen, die sie i.M. noch im Netz oder vor Ort anbieten. Schöne neue Welt. Da freut man sich fast, das es kein ewiges richtiges Leben im falschen gibt.

Jeder: Künstler entscheidet selbst, ob er bei den Streaming-Anbietern gelistet sein möchte. Wer glaubt dabei nicht genügend zu verdienen, dem steht es frei, nicht mitzumachen. So haben die Rechteinhaber der Beatles erst am Ende des letzten Jahres erstmalig überhaupt sich dazu durchgerungen, ihre Musik auch per Streaming zugänglich zu machen.

Wir könnten ja mal..: den Vergleich anstellen, was die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten wie die Privaten pro Monat an Tantiemen/Lizenzbeteiligungen ausschütten und was die Streamingdienste. Ich habe da leider keine Zahlen, wäre aber u.U. doch hilfreich in der Diskussion. Aus meiner Sicht erscheinen die Dinge, wenn ich versuche, alle an der Musikindustrie beteiligten Geschäftsfelder in Betracht zu ziehen, das auch hier ein ständiger Prozess der "schleichenden" Umverteilung hin zu Monopolstrukturen, also ebenfalls von unten nach oben, stattfindet.

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