Muslime in der Bundeswehr Sohnes Land

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Die Zahl der Migranten in der Bundeswehr steigt kontinuierlich. Drei junge Kameraden in der Bad Cannstatter Theodor-Heuss-Kaserne erklären, was sie bewegt.

Im Dienst für die Bundesrepublik Deutschland: Junior Monowarson, Emre Delier und  Yasin Chowdury (von links) Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Im Dienst für die Bundesrepublik Deutschland: Junior Monowarson, Emre Delier und Yasin Chowdury (von links)Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Das schwarz-rot-goldene Abzeichen macht den Mann wütend. Yasin Chowdury steht in Prenzlau im brandenburgischen Landkreis Uckermark im Supermarkt in seinem Feldanzug, und der Mann findet, dass das nicht sein darf. Weil der Name auf dem Namensschild nicht Müller oder Schmidt ist. Weil Chowdury dunkelhäutig ist. Der Mann schnauzt dem Bundeswehrsoldaten seine Weltsicht ins Gesicht. Yasin Chowdury nimmt, was er kaufen will, zahlt an der Kasse und macht sich auf in seine Bundeswehrkaserne. Dort wird sein Dienst geschätzt.

Am ersten Tag war aber auch dort der Empfang wie ein Eimer kaltes Wasser. Ein paar Kameraden hätten rassistisches Zeug gesagt, erzählt er zwei Jahre später in der Bad Cannstatter Theodeor-Heuss-Kaserne. Was genau, verrät er nicht. Vielleicht war es arg hässlich. Vielleicht denkt er inzwischen auch: Schwamm drüber. Denn schon am zweiten Tag in Prenzlau ist Chowdury nicht mehr derjenige, mit dem sie es machen können. Er schaut zu, wie die feindseligen Kameraden ihre Sachen aus dem Spind räumen. Sie werden von diesem Tag an keine Kameraden mehr sein. Die Bundeswehr hat sich entschieden – für Yasin Chowdury und gegen diejenigen, die für sich beanspruchen, die wahren Deutschen zu sein.

Ob er sich damals gefreut hat, als die Rassisten aus der Kaserne geflogen sind, darüber verliert der heute 23-Jährige kein Wort. In der Bad Cannstatter Kaserne scheinen für ihn die Prenzlauer Zeiten weit weg zu sein. Wenn der Soldat von damals erzählt, wirkt es erstaunlich, dass er den Mut hatte, sich seinen Vorgesetzten zu offenbaren. Er beschreibt sich als jemand, der kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein besessen hat. Heute sagt er: „Das hat mir die Bundeswehr beigebracht.“

24 Prozent der Landeskommando-Soldaten sind Muslime

Chowdury sitzt mit seinem Cousin Junior Monowarson und mit Emre Delier in einem Büro in der Theodor-Heuss-Kaserne. Die beiden Vettern sind Obergefreite, Emre Delier ist Oberstabsgefreiter. Andreas Steffan, der Sprecher des Landeskommandos Baden-Württemberg, begleitet die jungen Soldaten zum Interview. Scherzhaft bemerkt er, dass er noch viele Gesprächspartner hätte einladen können. „Mich hat es selbst überrascht. 24 Prozent unserer Soldaten im Landeskommando Baden-Württemberg sind Muslime.“ Bisher habe niemand nach der Zahl gefragt, deshalb sei sie ihm unbekannt gewesen, sagt der Armeesprecher. Wie viele der 14 000 Soldaten im Land Muslime sind, ist nicht erfasst. „Wahrscheinlich interessiert sich niemand dafür, weil es ohnehin keine Auswirkungen hat.“ Steffan meint damit, dass die Muslime so unauffällig ihren Dienst verrichten, dass nicht einmal in den Zeiten von Pegida jemand darauf aufmerksam wird.

Junior Monowarson ist der Zweite aus der aus Bangladesch stammenden Familie, der sich bei der Bundeswehr verpflichtet hat. Natürlich habe es eine Rolle gespielt, dass sein Cousin Yasin von der Truppe nur Positives berichtet habe, sagt der Jüngere. Außerdem gebe es da eine Familientradition. „Yasins Vater war bei der Armee und mein Vater auch“, sagt der 22-Jährige. Das waren damals die Streitkräfte Bangladeschs. Als Yasin Chowdury seinem Vater erzählt, dass er seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr ableisten möchte, nimmt ihn dieser fest in die Arme. „Ich bin stolz darauf, dass du deinem Vaterland dienen willst.“