Muslime in der Region
Häufig Konflikte um Moscheen
Thomas Faltin,
15.03.2010 11:04 Uhr
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Die 2005 eröffnete Moschee in Schorndorf steht für eine moderne Architektur. Foto: Heiss
Stuttgart - Jahrzehntelang hat sich niemand über eine neue Moschee aufgeregt - kein Wunder, denn sie entstanden in Hinterhöfen, Bürogebäuden und Gewerbegebieten. Für Nichtmuslime waren die Gebetsräume fast unsichtbar. Doch die Muslime sind inzwischen in Deutschland sesshaft geworden und ihr Wunsch hat sich verstärkt, ihre Religion in angemessener Form ausüben zu können. Für sie heißt das: die Moschee soll repräsentativ sein und auch ein Kuppeldach und ein Minarett besitzen.
Die Moscheen in der Region Stuttgart »
Seither gibt es um fast jede neue Moschee Streit, zuletzt in Hemmingen, Zuffenhausen und Esslingen. Vordergründig wird dabei über Parkplätze und Turmhöhe gestritten, dahinter aber stehen häufig Kommunikationsprobleme, eine kritische Einstellung zum Islam, diffuse Ängste und mitunter auch Vorurteile. Islam Abdullah Wagishauser, der Vorsitzende der Vereinigung Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, kann diese Bedenken teilweise nachvollziehen: Es würden derzeit zu viele negative Nachrichten über den Islam verbreitet.
Die Fakten sehen so aus: In den sechs Landkreisen der Region gibt es um die 100 Moscheen. Nur eine Handvoll steht an einem prominenten Standort oder ist unverkennbar orientalisch. In Stuttgart selbst fehlt übrigens eine solch repräsentative Moschee. Eine Befragung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Jahr 2002, ob der Bau einer Moschee in der Nähe als störend empfunden würde, hat ergeben: Es ist eine - allerdings sehr lautstarke - Minderheit, die eine Moschee in der Umgebung nicht gerne sieht.
Hinter dieser Ansicht stehen zunächst typische Nachbarschaftskonflikte: Die Anwohner befürchten Baulärm, zusätzlichen Verkehr und Parkprobleme. Ähnliche Kritik gebe es aber auch, wenn ein Supermarkt oder ein Altersheim geplant werde, meint Stuttgarts Baubürgermeister Matthias Hahn: "Das Sankt-Florians-Prinzip ist stark ausgeprägt."
Im Zusammenspiel mit den weiteren Konfliktursachen kommt es dann aber oft zu dramatischen Situationen. So kauften Anwohner in Hemmingen (Kreis Ludwigsburg) vor einem Jahr eine Gaststätte, damit die türkisch-islamische Gemeinde dort keine Gebetsräume einrichten konnte. In Oberstenfeld (ebenfalls Kreis Ludwigsburg) wurden die Debatten teils heftig unter der Gürtellinie geführt. Der Architekt der Moschee, Wolfgang Kuhn, bezeichnete die damalige Bürgerversammlung als "vollkommen unterirdisch". Inzwischen hat der Gemeinderat aber beschlossen, dass die Moschee gebaut werden kann.
Daneben stören sich viele Bürger und auch mancher Gemeinderat an Kuppel und Minarett; diese Symbole des Islam empfinden viele Menschen als "Landnahme", als Ausdruck der Macht des Islam in Deutschland. Manche islamischen Gemeinden haben beim Bau ihres Hauses auf ein Minarett verzichten müssen - in Weil der Stadt (Kreis Böblingen) hat die Ahmadiyya-Gemeinde keine Genehmigung erhalten, wie Imam Rasit Pakturk sagt.
In Oberstenfeld hatte die CDU-Fraktion im Gemeinderat gegen die Moschee gestimmt, weil "Machtdemonstrationen" mit Kuppel nicht in die Zeit passten. Halim Kasimoglu, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde in Oberstenfeld, kann das nicht verstehen: "Es geht nicht um Macht, sondern um Baukunst." Ein Minarett gehöre zur Moschee wie der Glockenturm zu einer christlichen Kirche. In Esslingen ist lange ebenfalls um das Minarett gestritten worden, weil es 60 Zentimeter zu hoch war. Jetzt hat man sich geeinigt: Das Minarett darf 25,60 Meter hoch bleiben, der Turm muss aber optisch verschlankt werden.
Zentraler Punkt der Debatten um eine neue Moschee ist aber, bewusst oder unbewusst, die Furcht vor Überfremdung und vor einer Islamisierung der deutschen Gesellschaft. Es gibt Ängste, dass in den Schulen an den Moscheen totalitäre Lehren verbreitet, dass in den Freitagsgebeten antidemokratische Reden gehalten oder dass grundsätzlich in den Moscheen Politik und Religion nicht getrennt werden. In gewissen Fällen ist diese Furcht begründet: Erst vor wenigen Wochen hat die Polizei Moscheen in Deutschland - zwei davon in der Region - durchsucht, weil man dort Bücher vermutete, in denen die Züchtigung von Ehefrauen gerechtfertigt wird.
Yazdan Aksoy, der Vorsitzende der türkisch-islamischen Union in Murrhardt (Rems-Murr-Kreis), betont dagegen, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime einen Islam der Gewaltfreiheit vertritt. Umgekehrt fühlen sich viele Muslime in Deutschland als Menschen zweiter Klasse: "Wir wollen als vollwertige Bürger angesehen werden und Gehör finden, wenn wir ein Anliegen haben", sagt Nami Gül von der Esslinger Gemeinde.
Halim Kasimoglu war der Konflikt um die Moschee in Oberstenfeld jedenfalls eine Lehre: "Wir glaubten, dass wir hier so lange leben, dass die Bürger uns kennen - doch das war ein Irrtum." Er kann allen Gemeinden nur den Rat geben, von Beginn an eine offene Informationspolitik zu betreiben. Nuri Ari von der islamischen Gemeinde in Schorndorf bestätigt dies: "Wir hatten kaum Probleme, weil wir jeden Schritt abgesprochen haben."
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Seither gibt es um fast jede neue Moschee Streit, zuletzt in Hemmingen, Zuffenhausen und Esslingen. Vordergründig wird dabei über Parkplätze und Turmhöhe gestritten, dahinter aber stehen häufig Kommunikationsprobleme, eine kritische Einstellung zum Islam, diffuse Ängste und mitunter auch Vorurteile. Islam Abdullah Wagishauser, der Vorsitzende der Vereinigung Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, kann diese Bedenken teilweise nachvollziehen: Es würden derzeit zu viele negative Nachrichten über den Islam verbreitet.
Ausgeprägtes Sankt-Florians-Prinzip
Die Fakten sehen so aus: In den sechs Landkreisen der Region gibt es um die 100 Moscheen. Nur eine Handvoll steht an einem prominenten Standort oder ist unverkennbar orientalisch. In Stuttgart selbst fehlt übrigens eine solch repräsentative Moschee. Eine Befragung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Jahr 2002, ob der Bau einer Moschee in der Nähe als störend empfunden würde, hat ergeben: Es ist eine - allerdings sehr lautstarke - Minderheit, die eine Moschee in der Umgebung nicht gerne sieht.
Hinter dieser Ansicht stehen zunächst typische Nachbarschaftskonflikte: Die Anwohner befürchten Baulärm, zusätzlichen Verkehr und Parkprobleme. Ähnliche Kritik gebe es aber auch, wenn ein Supermarkt oder ein Altersheim geplant werde, meint Stuttgarts Baubürgermeister Matthias Hahn: "Das Sankt-Florians-Prinzip ist stark ausgeprägt."
Im Zusammenspiel mit den weiteren Konfliktursachen kommt es dann aber oft zu dramatischen Situationen. So kauften Anwohner in Hemmingen (Kreis Ludwigsburg) vor einem Jahr eine Gaststätte, damit die türkisch-islamische Gemeinde dort keine Gebetsräume einrichten konnte. In Oberstenfeld (ebenfalls Kreis Ludwigsburg) wurden die Debatten teils heftig unter der Gürtellinie geführt. Der Architekt der Moschee, Wolfgang Kuhn, bezeichnete die damalige Bürgerversammlung als "vollkommen unterirdisch". Inzwischen hat der Gemeinderat aber beschlossen, dass die Moschee gebaut werden kann.
Der Streit geht um 60 Zentimeter
Daneben stören sich viele Bürger und auch mancher Gemeinderat an Kuppel und Minarett; diese Symbole des Islam empfinden viele Menschen als "Landnahme", als Ausdruck der Macht des Islam in Deutschland. Manche islamischen Gemeinden haben beim Bau ihres Hauses auf ein Minarett verzichten müssen - in Weil der Stadt (Kreis Böblingen) hat die Ahmadiyya-Gemeinde keine Genehmigung erhalten, wie Imam Rasit Pakturk sagt.
In Oberstenfeld hatte die CDU-Fraktion im Gemeinderat gegen die Moschee gestimmt, weil "Machtdemonstrationen" mit Kuppel nicht in die Zeit passten. Halim Kasimoglu, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde in Oberstenfeld, kann das nicht verstehen: "Es geht nicht um Macht, sondern um Baukunst." Ein Minarett gehöre zur Moschee wie der Glockenturm zu einer christlichen Kirche. In Esslingen ist lange ebenfalls um das Minarett gestritten worden, weil es 60 Zentimeter zu hoch war. Jetzt hat man sich geeinigt: Das Minarett darf 25,60 Meter hoch bleiben, der Turm muss aber optisch verschlankt werden.
Zentraler Punkt der Debatten um eine neue Moschee ist aber, bewusst oder unbewusst, die Furcht vor Überfremdung und vor einer Islamisierung der deutschen Gesellschaft. Es gibt Ängste, dass in den Schulen an den Moscheen totalitäre Lehren verbreitet, dass in den Freitagsgebeten antidemokratische Reden gehalten oder dass grundsätzlich in den Moscheen Politik und Religion nicht getrennt werden. In gewissen Fällen ist diese Furcht begründet: Erst vor wenigen Wochen hat die Polizei Moscheen in Deutschland - zwei davon in der Region - durchsucht, weil man dort Bücher vermutete, in denen die Züchtigung von Ehefrauen gerechtfertigt wird.
"Muslime fühlen sich als Menschen zweiter Klasse"
Yazdan Aksoy, der Vorsitzende der türkisch-islamischen Union in Murrhardt (Rems-Murr-Kreis), betont dagegen, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime einen Islam der Gewaltfreiheit vertritt. Umgekehrt fühlen sich viele Muslime in Deutschland als Menschen zweiter Klasse: "Wir wollen als vollwertige Bürger angesehen werden und Gehör finden, wenn wir ein Anliegen haben", sagt Nami Gül von der Esslinger Gemeinde.
Halim Kasimoglu war der Konflikt um die Moschee in Oberstenfeld jedenfalls eine Lehre: "Wir glaubten, dass wir hier so lange leben, dass die Bürger uns kennen - doch das war ein Irrtum." Er kann allen Gemeinden nur den Rat geben, von Beginn an eine offene Informationspolitik zu betreiben. Nuri Ari von der islamischen Gemeinde in Schorndorf bestätigt dies: "Wir hatten kaum Probleme, weil wir jeden Schritt abgesprochen haben."
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Islambilder
Die Moschee- und Minarettdiskussionen sind ja eigentlich nur die vorgeschobenen Symbole. Dahinter versteckt sich sicherlich eine allgemeine Fremdenscheu der autochthonen Deutschen. In diesem Islambrei der Fremdenscheuen finden sich dann auch die herumlungernden Türken oder die vielen Kopftücher im Supermarkt etc oder der dominante türkische Sprachgebrauch im öffentlichen Raum. Ist jetzt halt die Frage, ob man sich dadurch nun bedroht oder bereichert fühlen soll. Hat ja jeder seine persönlichen Erfahrungen oder Erziehung oder Zeitung..
Falsche Islambilder
Ich finde, da wird einiges überbewertet und viel von Religion mit anderen "Ängsten" vermischt. Kein Wunder, dass man ein negatives Islam-Bild hat, wenn man nicht mit, sondern nur über die Betroffenen spricht. Oder Kriminalität (aus welchen Gründen auch immer), Tradition und Frauenunterdrückung mit Religion vermischt – das hat übrigens nicht allzu viel miteinander zu tun und wird oft missverstanden (wie in hörenswerten Sendungen berichtet wird). Nicht selten wird "im Namen des Islam" Kriminelles unternommen, was genauso unchristlich ist, wie es vom Islam verboten wird. Die beiden Sendungen sind sehr zu empfehlen um sich ein Bild vom Islam zu machen: http://de.wikipedia.org/wiki/Wort_zum_Freitag @Okzident „dadei sind die einzigen,die benachteiligt, ja oft sogar brutal verfolgt werden, die Christen in der muslimischen Welt!“ dazu kann ich nur sagen: nicht die BILD zur eigenen Religion und Weltanschauung machen! Kein Wunder, dass sich solche Meinungen durchsetzen. „Und dass im Januar dieses Jahres 300 Muslime von Christen umgebracht worden waren, findet in "Bild" ebensowenig Erwähnung wie der Klimawandel, der in Nigeria einen Konflikt um fruchtbares Ackerland entfacht hat.“ http://www.bildblog.de/17060/der-bodenlose-hass-in-nigeria/ "Letztlich ist nicht der Glaube das Entscheidende" Völkerkundler Delius über die wahren Gründe für islamisch-christliche Konflikte http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1140644/
die Muslime so integrieren wie z.B. "die Kirche" hier integriert ist?
Welchen Maßstab sollen wir denn da nehmen? Den, der gepredigt oder den, der gelebt wird? Oder so tolle Beispiele wie die Koch-Hessen-CDU: jüdische Vermächtnisse? grins. Oder den Kohl-Ehrenwort-Grundgesetzt-Experten-Schwur? noch mehr grins. Na ja, sind vielleicht die schlechtesten Beispiele. Nehmen wir lieber die FD'P und Ihren Chef .... uuuppps: auch schlechtes Beispiel! Voilà: Es sind alle offensichtlich "gleich schlecht"! Wo soll ich mich nun "hinein integrieren"? Das Leben ist Veränderung. Unaufhaltbar. Letztendlich.