Nach Clubverboten für Flüchtlinge Auch Stuttgart kennt die Probleme

Von Nora Chin und  

Die Vorfälle von Freiburg sind derzeit auch Gesprächsthema im Stuttgarter Nachtleben. Ein Clubbetreiber nennt den Vorschlag, Verhaltensregeln auf Shirts zu drucken, „Schwachsinn“. Ein Türsteher berichtet von Problemen mit Flüchtlingen.

 Foto: Heinz Heiss
Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Migranten, die in Diskotheken angeblich Frauen sexuell belästigt und Diebstähle begangen haben sollen, Clubbetreiber, die daraufhin ihre Türpolitik geändert haben und ein Oberbürgermeister, der ein härteres Durchgreifen fordert – die jüngsten Vorfälle von Freiburg sind derzeit auch Gesprächsthema im Stuttgarter Nachtleben. Hört man sich unter den hiesigen Clubbetreibern, Booking-Verantwortlichen und Türstehern um, welche Erfahrungen sie diesbezüglich gemacht haben und welche Konsequenzen sie daraus für sich selbst ziehen, bekommt man ganz unterschiedliche Antworten zu hören.

Im Romy S., einem für seine elektronische Musik bekannten Stuttgarter Club, habe man bislang so gut wie keine negativen Erfahrungen mit aggressivem Verhalten von vermeintlichen Flüchtlingen oder Gästen mit Migrationshintergrund gemacht – ganz im Gegenteil, berichtet Patrice Grad, verantwortlich für die Musik im Romy S., auf Nachfrage der Stuttgarter Zeitung. So habe es sogar Flüchtlingshelfer gegeben, die die Betreiber des Clubs an der Langen Straße im Vorfeld gefragt hätten, ob es in Ordnung sei, wenn Menschen aus Flüchtlingsheimen zu Besuch kommen würden. Für das Romy S. sei das überhaupt kein Problem, versichert Grad.

Gastronomen halten nichts von Freiburger Vorschlägen

„Wir sind glücklicherweise von solchen Vorfällen wie in Freiburg bislang verschont geblieben“, sagt Grad. Eine Erklärung sieht er in der Art der Musik, die im Romy S. läuft. Elektronische Musik ziehe ein sehr buntes Publikum an. „Bei uns kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen und feiern friedlich miteinander“, berichtet Grad. Einen Grund, die Türpolitik zu verschärfen, sieht er darum nicht. Die an Clubbetreiber und Türsteher gerichtete Empfehlung des Freiburger Oberbürgermeisters Dieter Salomon, mehrsprachige Flyer mit Verhaltensregeln zu verteilen und auf T-Shirts Regeln zu drucken, hält er für „Schwachsinn“.

Das sieht auch Hiki Shikano Ohlenmacher, Betreiber des Stuttgarter Party-Griechen Cavos, ähnlich. „So etwas werden wir auf keinen Fall machen. Die Gäste sollen sich einfach anständig benehmen und fertig“, so Ohlenmacher. Dass sich der eine oder andere Gast an Ohlenmachers Wunsch nicht hält, davon kann das Lokal an der Lautenschlager Straße ein Lied singen. So wurden Anfang Januar acht südländisch aussehende, stark alkoholisierte Männer an der Tür des Cavos’ abgewiesen – und verhielten sich laut Cavos-Mitarbeitern daraufhin sehr aggressiv. Ein mittlerweile wieder gelöschter Facebook-Eintrag, in dem das Cavos die Störenfriede als „Afghanen“, „Pakistanis“ oder „Kanaken“ bezeichnet hatte, sorgte für Furore. Das Cavos-Team entschuldigte sich mit der Begründung, bei dem Partygriechen würden ausschließlich Ausländer arbeiten – „und Kanaken dürfen andere Kanaken als solche bezeichnen“.

Türsteher berichtet von Vorfällen mit Flüchtlingen

Egal ob Migrationshintergrund oder nicht: Man gewähre großen und vor allem alkoholisierten Männergruppen grundsätzlich keinen Einlass ins Cavos, sagt Ohlenmacher. Dabei sei es egal, welcher Nationalität die Männer angehörten, versichert er. Ohlenmacher sagt aber auch, dass es für ausländisch aussehende Männer vor allem seit den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln, Hamburg und Stuttgart an den Türen der hiesigen Clubs schwieriger geworden sei. „Dadurch, dass man in den Medien ständig von solchen Vorfällen liest, ist man jetzt eben übervorsichtig“, sagt der Cavos-Macher. Am Mittwoch befasst sich ein runder Tisch mit Vertretern der Stadt Stuttgart und der Clubs damit, wie Türsteher mit Gruppen umgehen können. „Das Thema haben wir schon länger auf der Agenda, mit Flüchtlingen hat das nichts zu tun“, sagt Hermann Karpf, der Referent des Ordnungsbürgermeisters Martin Schairer.

Alexander Petrajtis arbeitet seit vier Jahren als Türsteher in Stuttgart, derzeit für drei verschiedene Betriebe und fast jede Nacht. „Die Situation entwickelt sich in keine gute Richtung, wir haben definitiv ein Problem mit Flüchtlingen“, sagt er. In ein Lokal dürfe er „eine gewisse Klientel nicht mehr hineinlassen“, so Petrajtis, weil die Zahl der Taschendiebstähle in die Höhe geschossen sei. „Zwei- oder dreimal habe ich die Täter erwischt, die haben mir dann ihre schwarz-weißen Flüchtlingspapiere gezeigt“, sagt der 33-jährige Stuttgarter mit georgischen Wurzeln.

Er sei politisch weder rechts noch links eingestellt, die Vorfälle mit Flüchtlingen hätten aber vor rund einem Jahr begonnen und in den vergangenen sechs Monaten habe sich die Situation verschlimmert. „Man muss sich aber auch vor Augen führen, wer nachts unterwegs ist. Das sind die Jungen, Alleinstehenden, während 80 Prozent der Flüchtlinge in ihren Unterkünften sind und niemandem etwas Böses wollen. Die wenigen, die an der Tür Stress machen, weil sie aggressiv sind, versauen aber den Ruf von allen.“

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3 KommentareKommentar schreiben

wer: sich nicht benehmen kann, muss draussen bleiben. Was ist daran denn so schlimm?

Endlich werden die Probleme benannt : Vielen Dank.

Was soll das mit dem "Diskriminierungsverbot"?: Es ist doch schon seit Jahr und Tag, daß nicht jeder in die Disco reingelassen wird. Das ist ein privater Club, und der Betreiber kann reinlassen wen er möchte. Niemand hat ein Recht darauf, eingelassen zu werden, das war schon immer so. Auch nicht jeder Deutsche wird eingelassen.

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