Stadtkind Stuttgart

Nach der OB-Wahl in Stuttgart Frei von Turner, voll mit Butter

Von Katharina Sorg 

Sie war immer gut in Form und ein leckeres Stück Heimat. Nach dem Wahlkampf darf sie nun wieder sie selbst sein. Die Rehabilitation der Brezel.

Es gibt Brezel, Baby.  Foto: Katharina Sorg 4 Bilder
Es gibt Brezel, Baby. Foto: Katharina Sorg

Stuttgart - Der Wahlkampf ist vorbei, der Sieger bestimmt und der Verlierer ist kein Verlierer, sondern einfach kein Gewinner. Auf den Wahlplakaten prangt nun ein schnell geklebtes „Danke“ oder einfach nur noch ein lachender Verlierer. Bald werden sie verschwunden sein die Kandidatenbilder und das Herbstlaub wird die letzten abgerissenen Schnipsel auf dem Boden zudecken. So weit, so gewählt.


Kuhn wird Oberbürgermeister, Turner bleibt Turner. Eine schwierige Aufgabe kommt nun nicht nur auf Fritz Kuhn zu, die Frage, die sich stellt, ist: Was wird aus der Brezel? Wochenlang reichte sie sich auf blauen Plakaten selbst die Ärmchen und warb für den Kandidaten Turner. Vorsichtig lugte man um die Ecke der Brezelkörbchen, vermutete man doch den Kandidaten höchst selbst dahinter. Zwar durften die kleinen Häuschen des Lieblingsgebäcks ihr neutrales Weiß behalten und wurden auch nicht zum Wahlkampfstand umfunktioniert, doch kann die Brezel je wieder das sein was sie war? Frei von Turner und voll mit Butter?


Sie kann. Ein paar Tipps könnten ihr auf ihrem Weg zurück zum neutralen Leckerbissen jeder schwäbischen Kaffeetafel helfen. Ob dafür eine Werbeagentur beauftragt werden muss? Vermutlich nicht. „Miteinander für die Brezel“ oder „Bürger für die Brezel“ - in Sachen Eigenwerbung ist das formschöne Backwerk eher auf keine Hilfe angewiesen. Denn Stuttgart dürfte sich zumindest in einer Sache einig sein: Brezel muss sein. Klar, sie muss sich nun auch einmal mit dem kommenden Oberbürgermeister fotografieren lassen, der zog der Brezel am Wahlabend ja eher das Lebkuchenherz vor. Doch spätestens bei der nächsten Pressekonferenz im Rathaus darf sie sicher wieder mit dabei sein, das hat sie dem Kandidaten Turner dann voraus. Sie bleibt im Spiel. Die Brezel kann halt einfach alles, außer Wahlkampf.

 

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10 KommentareKommentar schreiben

Turner und Merkel: Turner ist weg. Merkel auch bald? Schade ist nur, dass sie sich mit einem aggressiven Wahlkämpfer abgibt. Zumindest hat sie die Brezel in Stuttgart liegengelassen! Aber andere hatten sich auch schon was nachschicken lassen. Da gab's doch mal fliegende Teppiche. Es gab auch schon, sogar in USA Politiker, denen die Brezel im Halse steckenblieb.

Wiedergewonnene Unschuld der Laugenbrezel: Gott sei es gedankt - unsere gute alte Laugenbrezel hat ihre geraubte Unschuld wiedergewonnen!! Der vorübergehende Brezel-Mann ist wieder in Berlin und hat unser bestes Stück sicher bald vergessen. Kein Wunder übrigens, daß sie ihm auch mit Butter nicht allzuviel 'Geisteskraft' geschenkt hat (siehe das bekannte Gedicht: 'Des Schwaben Klugheit ist kein Rätsel, die Lösung ist: Die Laugenbrezel - Schon trocken gibt dem Hirn sie Kraft, mit Butter wirkt sie fabelhaft...') -- Der Mann kann ja nicht mal Schwäbisch! In diesem Sinne, Guten Appetit.

Butterbrezel: die händchenhaltende Turnerbrezel wäre mir im Halse steckengeblieben...........

In den Dreck gezogen: '... doch kann die Brezel je wieder das sein was sie war? Frei von Turner und voll mit Butter?' In den Dreck gezogen wurde die Brezel von Turner-Gegnern! Aus Marketingsicht war es ein guter Zug die Brezel im Wahlkampf einzusetzen. Hätte Kuhn das gemacht, hätte man ihn für seine Bodenständigkeit hochleben lassen. Bei Turner wurde das aber nur mit Hass und Beleidigungen verbunden. Tolle Demokratie!

Brezelhäuschen: Diese Häuschen sind mit das letzte, was sich in den letzten Jahrzehnten auf der Königstraße halten konnte. Ein letztes Relikt typischer 'stuttgartigkeit' und ausserdem Quelle der leckersten Brezeln die in der Landeshauptstadt zu bekommen sind (jedenfalls nach meinem Geschmack). Es ist reiner Eigennutz, dass ich ihnen dringend wünsche, der Turnersche Wahlkampf möge ihnen nicht geschadet haben, und, dass sie uns noch so lange wie möglich erhalten bleiben.

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