Nach Japan-Katastrophe Mediale Plattenverschiebung

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Die Ereignisse in Japan haben Folgen: Das Erste sagt den „Musikantenstadl“ ab, Twitter wird der Bezeichnung Kurznachrichtendienst gerecht.

Bei Twitterern sind die Netzseiten der ARD und anderer TV-Sender beliebt. Foto: Screenshot StZ
Bei Twitterern sind die Netzseiten der ARD und anderer TV-Sender beliebt.Foto: Screenshot StZ

Stuttgart - Die Freunde der Volksmusik wurden um Verständnis gebeten - und wer hätte das nicht aufbringen mögen? Als am Samstagnachmittag klar wurde, dass zur schweren Naturkatastrophe, die Japan ereilt hatte, sich auch noch die menschengemachte eines explodierenden Atomreaktors samt Kernschmelze gesellen würde, sah die ARD die Zeit gekommen, die Live-Ausstrahlung der Jubiläumssendung des "Musikantenstadls" zu kippen und die Berichterstattung des Tages einfach fortzusetzen: mit einem "Brennpunkt" zum drohenden GAU in Fukushima, der Dokumentation "Tschernobyl - Der GAU und die Ohnmacht der Politik" und einer Sonderausgabe der "Tagesthemen".

ARD und ZDF, der Ereigniskanal Phoenix, die Nachrichtensender n-tv und N24- sie alle versuchten das ganze Wochenende lang, die Zuschauererwartung auf Rundum-Aufklärung zu befriedigen. Es wäre ihnen auch kaum etwas anderes übrig geblieben. Seitdem am frühen Freitagmorgen die ersten Bilder von Erdbeben- und Tsunamischäden in die internationalen Nachrichtenkanäle eingelaufen waren, wuchs in den Redaktionen stündlich das Bewusstsein, es hier mit Ereignissen zu tun zu haben, die die ganze Welt betreffen.

Entsprechend global verteilte sich das Zuschauerinteresse. Die deutschen TV-Sender fanden sich wieder in der Konkurrenz mit CNN, BBC - und nicht zuletzt Al-Dschasira; der arabische Sender erkannte und nutzte die Gelegenheit, sich als weltweit breit aufgestellter Nachrichtenkanal zu profilieren.

Google macht sich nützlich

Für Al-Dschasira dürfte das Beben in Japan, zusammen mit der exzellenten Berichterstattung über den demokratischen Aufbruch in Nordafrika, zum Initial werden. Die Truppe in Doha mit ihrem Korrespondentennetz auf allen Kontinenten ist in die Riege der Global Player aufgerückt.

Was an diesem Wochenende aber auch geschleift wurde, das waren die vorurteilsbeladenen Bastionen zwischen "neuem" und "altem" Journalismus. Freilich, im Internet ergoss sich in den sozialen Netzwerken die Hilflosigkeit von Millionen wie üblich in gut gemeinte, aber sinnlose Beileidsbekundungen, wogegen Google sich nützlich machte mit seinem Angebot, Vermisste aufzuspüren. Vor allem aber fungierte Twitter tatsächlich als Kurznachrichtendienst. Hier liefen die ersten Meldungen über die Erdstöße, hier machte der New-Media-Guru Jeff Jarvis Vorschläge, wie man Augenzeugenberichte von anderen Mitteilungen unterscheiden könne, hier versorgten die Mitglieder einander mit Tipps, wo neue, interessante Fakten, Bilder, Videos und Einschätzungen zu finden waren - und von welchen Anbietern.

Und nicht wenige von denen waren wiederum die guten alten Fernsehstationen und Zeitungen, beziehungsweise deren Internet-Präsenzen. Während also die Fernsehsender zusätzlich zu ihrem ausgestrahlten Programm im Netz via Livestream aus Japan auf dem Laufenden hielten, kamen auf diese Weise die Netizens immer wieder auf das zurück, was irgendwo in der analogen Welt erarbeitet worden war.

Oder bei Twitterern wie einem Berliner namens "datenschreck". "Der kann japanisch und übersetzt die Nachrichten von da", hatten einflussreiche Blogger mitgeteilt, "Der Freitag" und andere Tweets von Redaktionsblogs griffen das auf - und kurz drauf fragte der Überraschte: "Ich werde gerade von Followern überrannt, wer hat mich dankbarerweise empfohlen?"

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5 KommentareKommentar schreiben

Die Medien haben genauso versagt wie die CDU/FDP-Atom-Lobby: Natürlich, denn von dort kamen die Anzeigen der Elite der deutschen Industrie, die eine Verlängerung der Laufzeiten mit aller Gewalt wollte und gegen die Kernbrennelementesteuer mit Millionen teuren Anzeigen zu Felde zog. Diese außerparlamentarische Opposition in Nadelstreifen veröffentlichte einen Brandbrief als ganzseitige Zeitungsanzeige in allen überregionalen Zeitungen. Die Initiatoren, die Mächtigen der Wirtschaft und ihre Freunde, schlugen mit ihrem 'energiepolitischen Appell' Alarm. Das Ganze sah offiziell aus, ein schwarz-rot-goldener Balken signalisiert: Hier geht es um Fragen nationaler Bedeutung. 'Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft' stand über dieser Anzeige, die apodiktisch verkündete 'Eine Politik, die darauf setzt, den Haushalt mit neuen Energiesteuern zu sanieren, blockiert die notwendigen Investitionen in die Zukunft.' Als Negativbeispiel wurde die Brennelementesteuer genannt. Ein schöner Lobbyisten-Bund hatte sich da zusammengefunden: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehörte genauso dazu wie Fußballmanager Oliver Bierhoff. Otto Schily und Wolfgang Clement, einst Minister in der rot-grünen Koalition, haben ebenfalls unterschrieben. Und da sind ferner Mitstreiter wie Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, Kekskönig Werner Bahlsen, Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski, Anwalt Friedrich Merz, Publizist Manfred Bissinger, der Münchner Uni-Präsident Wolfgang Herrmann, Bahn-Chef Rüdiger Grube und der auch in bunten Blättern bekannt gewordene Skandal-Finanzmann Carsten Maschmeyer. Alle warer für Atom-Energie, vorbehaltlos, aber wie man heute sieht, völlig verantwortungslos. Die Medien haben pflichtschuldigst applaudiert. Heute wollen sie diese kapitale Sünde gegen den normalen Menschenverstand am liebsten totschweigen. Nicht nur die Druckfahnen der Redaktionen drehen sich im Wind, auch die Parteifahnen von FDP und CDU, die jetzt ein Moratorium anstreben. Was für ein Lügenpack.

Nach Japan-Katastr.: @Günther Erhardt´: Sie schreiben u.a. : Die Regierung Merkel und Mappus, die Atom-Befürworter Röttgen und die oberschwäbische Atom-Werbe-Taube Gönner sollten ebenfalls Konsequenzen ziehen und verschwinden. Sie werden zu einer ähnlichen Belastung wie die explodierenden Atomkraftwerke in Japan. GEHTS NOCH? Da nützen Sie das große Unheil in Japan um über Politiker hierzulande herzu ziehen! Und das auch noch in primitivster Weise, s.o. ! Einfach widerlich!

Die US-Navy ist klügel als Merkel und Mappus. Sie geht auf Distanz!: Aufgrund der radioaktiven Strahlung auf einen Flugzeugträger ziehen die USA ihre Schiffe aus dem Umkreis von Fukushima ab. Aus Angst vor weiteren, noch viel größer zu erwartenden Strahlenwolken, die auch mit Plutonium angereichert sein könnten. Die Regierung Merkel und Mappus, die Atom-Befürworter Röttgen und die oberschwäbische Atom-Werbe-Taube Gönner sollten ebenfalls Konsequenzen ziehen und verschwinden. Sie werden zu einer ähnlichen Belastung wie die explodierenden Atomkraftwerke in Japan.

Nach Japan-Katastrophe...: wurde die Live-Übertragung vom 'Musikantenstadl' ausgesetzt! WARUM WURDEN DIE DIVERSEN SPORTVERANSTALTUNGEN, allen voran der Fussball trotzdem weiter übertragen? Das war nicht in Ordnung!

Das Medienspektakel ist respektlos: Immer wenn es auf der Welt Katastrophen gibt,sei es der 11. September, oder der Absturz der Concorde in Paris, haben die die Deutschen Fernsehsender in Windeseile Experten auf dem Schirm ,die aus tausenden Meilen Entfernung spekulativ ihren Senf verbreiten.Mit dem Unglück und der Not von tausenden von Menschen wird ein Medienspektakel abgezogen,das seines Gleichen sucht.Möchten Sie ,wenn Sie um Ihr Leben rennen,in den Wohnzimmern der Welt gezeigt werden. Die Kaffeesatzleserei von Experten und Journalisten haben in diesen Extremstiuationen in den die geschädigten Menschen sind keine Berechtigung. Sie sind respektlos und realitätsfremd. Als in Deutschland durch den Wintereinbruch im Dezember hunderte von Flügen und Zügen gestrichen wurden, war es für die ARD in einem Brennpunkt wichtig, diese 'Katasprophe' aufzuarbeiten. Hier schäme ich mich vor den Opfern in Haiti ,Pakistan und Japan. Die hätten gerne unsere Sorgen.

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