Nach Prozess um Ethnie Die Rache der Plus-Ossis
ddp, 13.05.2010 11:40 Uhr
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Das T-Shirt mit dem (+)-Ossi -Aufdruck. Foto: ddp
Das T-Shirt mit dem (+)-Ossi -Aufdruck. Foto: ddp
Dresden - Erst hat er sich mächtig geärgert. Wie kann die Mauer in den Köpfen 20 Jahre nach der Wende immer noch so massiv sein, dachte er. In den Zeitungen hatte Hendrik Dietrich vom Fall der im Westen lebenden Frau aus Ostdeutschland gelesen, die ihre Bewerbungsunterlagen mit dem Vermerk "Ossi" und einem eingekringelten Minus zurückgeschickt bekam. Als "Minus-Ossi" abgestempelt, nahm sie sich einen Anwalt und klagte auf Entschädigung. Eine absurde Geschichte, also genau das Richtige für einen Mann, der mit absurden Ideen sein Geld verdient. Einen Mann wie den Geschenke-Händler Hendrik Dietrich aus Dresden.

Seit zwölf Jahren betreibt der 40-Jährige seinen Laden "Catapult" in der Dresdner Neustadt. Inzwischen hat er weitere Filialen in der Altstadt und in Halle (Sachsen-Anhalt). "Ich wusste ziemlich schnell, dass ich irgendwas mit der Ossi-Geschichte anstellen muss", sagt er. Nach einer halben Stunde stand sein Konzept, basierend auf einem simplen Strich. Einem senkrechten roten Strich, der aus einem Minus kurzerhand ein Plus macht. Der "Plus-Ossi" war geboren. "Erst dachte ich daran, Bewerbungsmappen mit dem Schriftzug zu bedrucken", sagt Dietrich. "Ein netter Gag, aber wer würde die schon kaufen." Stattdessen entwarf er gemeinsam mit einem Grafikdesigner ein T-Shirt für den ebenso modebewussten wie stolzen Ossi. Mit weißer Schreibschrift auf schwarzem Stoff ist "(+) Ossi" darauf zu lesen.

Es ist doch nur Spaß


Der Schriftzug erinnert mit seinem Kreis über dem i sehr an den Originalvermerk auf dem Lebenslauf von Gabriela S., der Buchhalterin, die sich diskriminiert fühlte. "Es ist aber nicht derselbe", sagt Dietrich. "Wir wollen ja keinen juristischen Ärger provozieren." Tatsächlich ist auch Gabriela S. schon auf die Ideen von umtriebigen Geschäftsleuten wie Hendrik Dietrich aufmerksam geworden. "Leider hat uns niemand um unser Einverständnis gebeten", sagt ihr Stuttgarter Anwalt Wolfgang Nau. "Wir wollen aber keinen neuen Kampfplatz aufmachen und werden nicht gegen diese Späße vorgehen." Ein westdeutscher Internethändler bietet inzwischen auch T-Shirts mit dem Schriftzug "(-) Ossi" an. "Das war natürlich auch mein erster Gedanke", sagt Dietrich. "Dann war mir das aber einfach zu negativ.

Statt rumzujammern, sollte man die Sache lieber mit einem Augenzwinkern nehmen." Schon öfter hat Dietrich mit verrückten Ideen echte Verkaufsschlager gelandet. Als etwa vor einem Jahr plötzlich ein mit Blumen bepflanztes "Protest-Klo" auf dem Dresdner Postplatz auftauchte, brachte er es wenig später als Miniaturausgabe auf den Markt. "Wir kauften einfach Restposten von Tischstaubsaugern in Toilettenform auf und bepflanzten die", sagt Dietrich. Bald kamen seine Mitarbeiter kaum noch mit der Produktion hinterher.

Soziale Netzwerke als Promotionsmethode


Auch diesmal ging alles ganz schnell. Wenige Tage nach der Idee lagen die ersten Plus-Ossi-Shirts in den Geschäften aus, allerdings nicht lange. "Unsere kleine Testauflage war innerhalb weniger Tage ausverkauft", sagt Dietrich. Der allererste Käufer war nicht etwa ein Ossi oder Wessi, sondern ein Holländer. "Keine Ahnung, ob der die Geschichte überhaupt kannte", sagt Dietrich, der die Welt zunächst über den Kurznachrichtendienst Twitter mit seinem Plus-Ossi bekanntmachte. Nebenbei gründete er gleich noch die passende Facebook-Gruppe, in der sich bis heute über 130 Mitglieder angemeldet haben.

Inzwischen hat Dietrich Hunderte Exemplare seiner T-Shirts nachbestellt. Ob die Kollektion demnächst auf Basecaps, Kaffeetassen und Frühstücksbrettchen ausgeweitet wird, will der Geschäftsmann aber noch nicht sagen. Der Fall des Minus-Ossis wird die Justiz jedenfalls eine Weile beschäftigen - gut für Dietrichs Geschäft. Gabriela S. und ihr Anwalt sind nach der Niederlage am Stuttgarter Arbeitsgericht in Berufung gegangen.
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