InterviewWein-Experte Ernst Büscher Was Wein-Laien wissen sollten

Von Lena Hummel 

Welchen Wein kann ich verschenken? Kann billiger Wein auch gut schmecken? Diese und weitere Fragen hat sich jeder Wein-Laie vermutlich schon gestellt. Wir haben die Antworten.

Es gibt so viele unterschiedliche Weine. Wie soll der Laie da den Überblick behalten? Foto: Visit Napa Valley/dpa
Es gibt so viele unterschiedliche Weine. Wie soll der Laie da den Überblick behalten? Foto: Visit Napa Valley/dpa

Stuttgart - In Württemberg ist die Traubenernte fast abgeschlossen, in den zahlreichen Besenwirtschaften in Stuttgart und Region wird reichlich Wein ausgeschenkt. Da greift auch der unerfahrene Weintrinker zum einen oder anderen Glas, oder verschenkt eine Flasche zum nächsten Geburtstag. Doch worauf sollte man beim Weinkauf achten, was sagt der Preis über die Qualität und wie warm beziehungsweise kalt wird Wein getrunken? Wir haben bei Wein-Experte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut nachgefragt. Er beantwortet Fragen, die sich jeder Wein-Laie vermutlich schon gestellt hat und gibt interessante Hintergrundinformationen, mit denen jeder bei Diskussionen zum Thema Wein punkten kann.

Herr Büscher, ist teurer Wein immer gut und billiger Wein immer schlecht?

„Ob ein Wein besser oder schlechter schmeckt, hängt zunächst einmal immer von den individuellen Vorlieben ab. Der Preis eines Weines ist aber oftmals schon ein Indikator für seine Qualität. Hochwertige Weine sind in der Regel etwas teurer, weil der Winzer weniger Trauben aus seinem Weinberg erntet und noch mehr Handarbeit investiert. Wenn der Rebstock weniger Trauben trägt, sind die Inhaltsstoffe in den Beeren konzentrierter, was auch die daraus entstehenden Weine komplexer und individueller werden lässt.

Günstigen Weinen fehlt oftmals diese Individualität, da sie in größeren Mengen und aus Trauben von verschiedenen Lagen hergestellt werden. Das heißt aber nicht, dass sie deshalb schlecht schmecken. In der großtechnischen Produktion von beispielsweise 100.000 Litern des gleichen Weines können die Unternehmen sehr viel kostengünstiger arbeiten als kleine Erzeuger, die nur 1.000 Liter von einem Wein haben.

Um für sich persönlich herauszufinden, ob ein günstiger oder teurer Wein besser schmeckt, empfiehlt es sich, einmal zwei oder drei unterschiedlich teure Flaschen eines Weintyps oder einer Rebsorte zu kaufen, die man gerne mag. Diese sollte man dann nebeneinander – eventuell mit Freunden – probieren, denn die Unterschiede schmeckt man am besten im direkten Vergleich. Vielleicht schmeckt dann ein preisgünstiger Wein sogar besser,als ein teurer.“

Warum wird Weißwein kalt und Rotwein bei Zimmertemperatur getrunken?

„Bei der Trinktemperatur für Wein gilt: Zu warm oder zu kalt – beides führt nicht zum optimalen Genuss. Denn die Trinktemperatur beeinflusst den Geruch und Geschmack eines Weines sehr stark. Beispielsweise wirkt ein zu kühl servierter Rotwein sehr verschlossen und die Gerbstoffe werden unharmonisch und manchmal bitter wahrgenommen. Weißweine wirken breit und verlieren ihre Frische, wenn sie zu warm serviert werden.

Weiß- und Roséweine sollten zwischen 9 und 13 Grad Celsius, Rotweine bei 14 bis 16 Grad getrunken werden. Je hochwertiger der Wein, desto wärmer darf er sein. Die berühmte ‚Zimmertemperatur’ für den Genuss von Rotwein stammt übrigens noch aus der Zeit vor der Zentralheizung. Die heutigen Zimmertemperaturen sind in der Regel zu warm. Aber: Der Wein erwärmt sich relativ schnell am Tisch oder auf der Sommerterrasse. Deshalb kann man den Wein ruhig ein wenig kühler einschenken.

Weißweine sollten am besten bereits mittags in den Kühlschrank gestellt werden, wenn man abends Gäste erwartet. Bei spontanem Besuch empfehlen sich Kühlmanschetten, die im Eisfach aufbewahrt und über die Flasche gezogen werden. Mit ihnen kann man einen Wein in einer Viertelstunde von Zimmertemperatur auf die richtige Trinktemperatur herunterkühlen.“

Der Wein-Laie will eine Flasche Wein verschenken: Gibt es einen Wein, bei dem man nichts falsch machen kann?

„Es ist schon gut zu wissen, welchen Weintyp derjenige mag, dem man eine Flasche Wein schenken möchte. Rot oder weiß, trocken oder eher lieblich? Wenn er oder sie grundsätzlich gerne Wein trinkt, liegt man mit einem trockenen Weiß- oder Grauburgunder aus dem mittleren bis gehobeneren Preissegment selten falsch. Weine dieser Sorten sind eher säuremild und auch zum Essen sehr breit einsetzbar.“

Schmeckt Wein aus dem Weinglas anders, als Wein aus dem Wasserglas?

„Ja, definitiv! Wein, wie auch viele anderen Getränke, schmecken intensiver, wenn sie aus einem dünnwandigen Glas getrunken werden. Beim Trinken wird dann der Mund automatisch mehr gespitzt und der Wein läuft langsam von der Zungenspitze über alle Bereiche bis zum Zungengrund. Bei einem dickwandigen Wasserglas fließt die Flüssigkeit sehr schnell in den Rachen und kann sich zudem kaum erwärmen, wodurch zusätzlich viel Geschmack verloren geht. Außerdem ist der Geruch beim Weingenuss ganz entscheidend. In den bauchigen bis tulpenförmigen Weingläsern werden die Weinaromen sehr viel besser gesammelt, als in einem trichterförmigen Wasserglas, aus dem sie schnell entweichen.“

Was sagt der Alkoholgehalt über die Qualität des Weins aus?

„Bei Weißweinen kann man keinen Zusammenhang zwischen dem Alkoholgehalt und der Qualität eines Weines herstellen. Es gibt erstklassige edelsüße Spezialitäten, wie etwa Trockenbeerenauslesen oder Eisweine, mit nur sechs Volumenprozent Alkohol und ebenso sehr konzentrierte trockene Spitzenweine mit 13 Volumenprozent und mehr. Süße Weine haben in der Regel weniger Alkohol als trockene. Denn der verbliebene, natürliche Zucker aus der Traube im Wein wurde von der Hefe nicht zu Alkohol vergoren.

Auch bei den überwiegend trocken getrunkenen Rotweinen lässt sich vom Alkoholgehalt nur bedingt auf die Qualität schließen. Hier kommt es beispielsweise auf die Rebsorte an. Ein sehr guter Spätburgunder etwa braucht für mich nicht mehr als 12,5 bis 13 Volumenprozent Alkohol zu haben, weil die Sorte sonst schnell ihre Eleganz verliert. Andere Sorten, wie etwa der Lemberger, vertragen in der Spitze etwas mehr Alkohol, aber es sollte auch hier nicht zu viel werden.

Qualität hat auch immer etwas mit persönlichen Vorlieben zu tun. Ob rot oder weiß, trocken oder lieblich, leicht oder kräftig, was beim Wein letztendlich zählt, ist der persönliche Geschmack.“