Nachtleben in Stuttgart Partys im Namen der Lilie
Matthias Ring, 20.02.2010 15:07 Uhr
Paula P’Cay (links) freut sich in ihrem kleinen Reich auf tanzwütige Gäste. Foto: Achim Zweygarth
Paula P’Cay (links) freut sich in ihrem kleinen Reich auf tanzwütige Gäste. Foto: Achim Zweygarth
""Hier ist jeder was, aber er lässt es nicht raushängen.""
Paula P'Cay, Chefin des Clubs "Fleur de Lis"

Stuttgart - Das mit David Bowie ist ihr bis heute ein Rätsel. Vielleicht hat sie ihn nicht erkannt, vielleicht war sie durch zu viel Trubel vor der Tür abgelenkt, jedenfalls: sie hat ihn nicht reingelassen. Zwölf Jahre lang war Paula P'Cay Türsteherin in verschiedenen Berliner Clubs, und obwohl sie Bowie natürlich durchgewinkt hätte, war sie dennoch für eine strenge Tür, wie man so sagt, bekannt. "All diese koksenden Schauspieler zum Beispiel habe ich abblitzen lassen."

Eine Aura der Exklusivität umgibt auch Paula P'Cays neues Projekt in Stuttgart, denn das Fleur de Lis ist ein Privatclub. Vor Jahren schon hat die in Rumänien Geborene und in Sindelfingen Aufgewachsene unter demselben Namen einen Club im Alten Schloss betrieben, der als "Berlin-Bar" zum Kult wurde und dann der Stauffenberg-Gedenkstätte weichen musste. Seit Herbst vergangenen Jahres nun hat sie ein neues Domizil beim Le Méridien. Zuletzt war der einsitge Hotelclub eine schottische Kneipe, die Paula P'Cay mit ihrer Schwester Lumi Eberhard und ihrem Partner Marco Montanaris entrümpelt hat. Nun ist ein schlicht gestylter, aber dennoch kuscheliger kleiner Club daraus geworden, der zum größten Teil aus Tanzfläche besteht, denn: "Wir haben sehr tanzwütige Gäste."

Generation 40 plus erwünscht


Das liegt daran, dass viele der Gäste aus der Generation 40 plus sind, die sonst nicht so recht wissen, wohin, wenn sie ein bisschen Spaß haben wollen, "ohne dass die Jungen mit dem Finger auf sie zeigen", so Paula P'Cay. In vielen Szene-Locations paare sich die Arroganz der Betreiber mit der plumpen Anmache der Gäste, die sich alle für wer weiß was hielten. "Hier ist jeder was, aber er lässt es nicht raushängen", sagt die 37-jährige Chefin, die sich bewusst vom Treiben an der Theodor-Heuss-Straße, der Theo Heuss genannten Vergnügungsmeile, distanzieren will. Und damit keine junge Laufkundschaft die Stimmung kippen kann, ist das Fleur de Lis ein Privatclub.

Obwohl der Eintritt offiziell ab 28 Jahren und nur für Mitglieder ist, sei man aber so streng nun auch wieder nicht. "Wer einfach nur nett ist", könne sich anmelden und erhalte eine Clubkarte mit dem Emblem der Fleur de Lis - jener Schwertlilie, die in Frankreich einst das königliche Wappen war. Auch Nichtmitglieder können für fünf Euro in den Club reinkommen, worüber im Einzelfall wie fast überall die Tür entscheidet. Dort draußen steht aber nicht mehr Paula P'Cay, dafür tritt sie manchmal drinnen auf. Denn weder ihre Schwester, die Zahnärztin ist, noch sie selbst leben von der Gastronomie.

Paula P'Cay ist Sängerin, macht Vocal House und das sehr erfolgreich, vor allem im Ausland. In Deutschland habe sie 1999 zwar auch schon größte Aufmerksamkeit erfahren, als sie die Hymne für die Love- Parade gesungen hat. Inzwischen aber läuft es besonders gut für sie in Russland, wo sie in großen Clubs gastiert oder auch schon mal von Milliardären zur Geburtstagsparty gebucht wird. Im Gegensatz zu den Pussycat Dolls, die dort schon ausgebuht worden seien, werde sie als "echtes Vollweib" geliebt.

Faire Preise und sonntags eine Extraportion Kultur


Natürlich gibt es im Fleur de Lis auch House zu hören, aber ebenso Soul, Funk, Disco. Regelmäßig finden Sessions statt - auch Maria, die einmal die Woche hinter der Bar steht, ist Musikerin und hat als Mica Dulce gerade ihre Debüt-Single veröffentlicht. Manchmal gibt es Privatkonzerte wie am vergangenen Donnerstag mit dem ehemaligen Sohn Mannheims Rolf Stahlhofen. Und sonntags steht eh Kultur auf dem Programm: Kabarett, Lesungen, Performances und mehr. Vom 24. Februar an wird der Betrieb auf jeden dritten Mittwoch ausgedehnt mit dem "table ronde" für Frankophile. Dank dem Lieferanten Bernd Kreis gibt es neben clubüblichen Drinks feine Weine zu fairen Preisen: 4,70 Euro zum Beispiel für einen Lemberger von Rainer Wachtstetter.

Gelegentlich schauten auch "sehr berühmte Gäste" aus dem Le Méridien herein, für die Freikarten an der Rezeption ausliegen. Aber mit Berühmtheiten kann Paula P'Cay ja eh umgehen nach zwölf Jahren Nachtleben in Berlin, wo sie immer noch zu Hause ist und über das sie eines Tages ein Buch schreiben will.

Zu erzählen hat sie genug: über Nicolas Cage und Danny DeVito, oder wie der Produzent der Weather Girls sie zum Vorsingen einlud, aber eigentlich nur in den Pool zerren wollte, wofür es eine ordentliche Backpfeife gab, denn: "Ich bin weder käuflich noch bestechlich." Vermutlich ist also auch die Handynummer von George Clooney bei ihr in guten Händen.

Fleur de Lis, Willy-Brandt-Straße 30, geöffnet Donnerstag 20 Uhr, Freitag und Samstag 21 Uhr, Sonntag 18 Uhr. Homepage » Kontakt: fleurdelis@gmx.de
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