Um es gleich vorweg zu sagen: Andreas Franck, der Universitätsprofessor und Amateurdetektiv, zählt nicht zur Schar derer, die beim Anblick von Nora Stadler den Kopf verlieren. Das ist auch gut so, denn der Mordfall, den es im vierten Krimi des ehemaligen Vorsitzenden des Galerievereins Leonberg, Axel Kuhn, aufzuklären gilt, lässt die Protagonisten und damit auch die Leser bis zuletzt im Unklaren darüber, wer den Journalisten Gerd Imhoff tatsächlich umgebracht hat - und warum. War er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, als Einbrecher in sein Haus in Stuttgart-Birkach einstiegen? Hätte er seine Nase besser nicht in die Konflikte von Befürwortern und Gegnern der Freilandversuche mit genmanipulierten Maispflanzen stecken sollen? Oder war es sein Todesurteil, dass er, wie so viele andere, den Reizen von Nora Stadler erlag, die Chefin eines gutgehenden Friseursalons in Leinfelden ist?
Axel Kuhn, Historiker und Universitätsprofessor im Ruhestand, dessen Figur Andreas Franck viel mit der Person ihres Schöpfers gemeinsam hat, legt wohlüberlegt und mit sauber recherchiertem Detailwissen verschiedene Spuren, spinnt die Stränge logisch und kontinuierlich weiter und gibt den Charakteren der Hauptfiguren zunehmend mehr Kontur und Tiefe. Dass seine "Nora" von Henrik Ibsens Protagonistin des gleichnamigen Theaterstücks inspiriert wurde, schreibt Kuhn selbst im Nachwort seines im Swb-Verlag erschienenen Buches. Selbst ihren Kosenamen "Eichkätzchen" übernimmt er aus dem 1879 erschienenen Drama. Tatsächlich bleibt Axel Kuhns Figur der Nora, obwohl der Autor ihre erotisierenden weiblichen Reize manchmal fast zu ausführlich beschreibt, etwas flach. Deutlich mehr Tiefe besitzen Kriminalkommissarin Linda Scholl und ihr aus Göppingen stammender Kollege Rudolf Klingle. Hier verzahnt Kuhn seinen aktuellen Krimi mit den vorangegangenen Bänden. Die Eltern des Mordopfers, Karl und Christa Imhoff, werden im Zuge der Ermittlungen ebenfalls Stück für Stück psychologisch durchleuchtet. Und dann ist da natürlich Professor Peter Portmann, der die Geschichte ins Rollen bringt, indem er Andreas Franck darum bittet, eine Erpressung aufzuklären. Zwei Nacktfotos, die ihn mit Nora Stadler zeigen, sind der Stein des Anstoßes: Portmann ist gut verheiratet und will es auch bleiben.
Was haben aber der Mord an Gerd Imhoff und die Nacktfotos mit einem Todesfall vor sechs Jahren auf La Palma zu tun? An welcher Stelle gerät Portmanns Tochter Thea, die sich gegen die Freilandversuche mit genmanipuliertem Mais in Renningen engagiert, mit ins Spiel? Kuhn hält die Spannung bis zum überraschenden Ende - und erfreut durch die zahlreichen Bezüge zu tatsächlichen topografischen Gegebenheiten und politischen Ereignissen rund um die Universität Hohenheim und Stuttgart.
"Noras Männer" Der neue Kriminalroman von Axel Kuhn ist im Südwestbuch-Verlag Stuttgart unter der ISBN 978-3-942661-10-2 erschienen. www.swb-verlag.de


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