Nahverkehr in Stuttgart Die S-Bahnen sind blitzsauber, aber zu oft verspätet

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Als „unerfreulich“ hat der Verband Region Stuttgart (VRS) die Pünktlichkeitsbilanz 2014 der S-Bahn bezeichnet. Im vergangenen Jahr hat zudem die Zahl komplett ausgefallener Züge stark zugenommen. Aber es gibt auch positive Punkte.

Die S-Bahnen sind auch 2014 viel zu oft dem Fahrplan hinterher gefahren. Foto: Michael Steinert
Die S-Bahnen sind auch 2014 viel zu oft dem Fahrplan hinterher gefahren.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Die Pünktlichkeit der S-Bahn ist nach Ansicht des Verbands Region Stuttgart (VRS) auch im vergangenen Jahr „unerfreulich“ gewesen. Der Abwärtstrend habe angehalten, heißt es in der Presseerklärung des VRS. Beim nächsten S-Bahn-Gipfel am 15. April im Verkehrsausschuss der Region müssten die Vertreter der Bahn berichten, wie es „mittelfristig wieder bessere Werte“ geben könne.

„Ich erwarte, dass die Vertreter der Bahn uns beim S-Bahn-Gipfel am nächsten Mittwoch darlegen, mit welchem Erfolg die umgesetzten Maßnahmen greifen“, sagte die Regionaldirektorin Nicola Schelling. Der VRS habe als Finanzierungsträger des S-Bahn-Betriebs in der Region zahlreiche Verbesserungen – etwa den Einsatz längerer Züge und die Ausweitung des 15-Minuten-Takts in der Hauptverkehrszeit – angestoßen. „Das muss sich jetzt für die Fahrgäste auszahlen“, sagte Schelling. Auch zehn neue, vom VRS finanzierte S-Bahnen sollten von Ende 2016 an zur Stabilisierung des Fahrplans eingesetzt werden.

Laut VRS erreichten im Schnitt 85,8 Prozent der S-Bahnen ihr Ziele mit weniger als drei Minuten Verspätung (Zielwert 94,5 Prozent ). 95,6 Prozent der Züge waren pünktlich oder hatten eine Verspätung von maximal sechs Minuten (Zielwert 98 Prozent). Leichte Verbesserungen „auf niedrigem Niveau“ hat der Aufgabenträger in den Hauptverkehrszeiten festgestellt. Mit einer Toleranz von drei Minuten seien 75,2 Prozent der Züge unterwegs gewesen (Zielwert 91,5 Prozent). Weniger als sechs Minuten verspätet waren 92,8 der S-Bahnen (Zielwert 98 Prozent).

Institut hat 640 Fahrgäste befragt

Etwa 3,5 Prozent der S-Bahn-Züge fielen 2014 ganz aus oder wurden wegen massiver Verspätungen als „ausgefallen“ gewertet. Als Ausgleich erhält der VRS deshalb für die Jahre 2013 und 2014 rund 2,5 bis drei Millionen Euro. Die Gründe für die starke Zunahme liegen laut VRS aber nur zu 25 Prozent an Störungen der bahneigenen Infrastruktur und an Problemen des S-Bahn-Betreibers DB Regio.

Die anhaltende Misere der S-Bahn schlägt sich auch im Urteil der Fahrgäste nieder. In Sachen Pünktlichkeit gab es die „Schulnote“ 3,2 (2013: 3,1) Bei der Frage nach der Informationsqualität rutschte die Bahn noch stärker von 2,9 (2013) auf die Note 3,1 ab. Diese Werte hat ein unabhängiges Institut im Auftrag von VRS und Bahn durch Interviews mit 640 S-Bahn-Fahrgästen ermittelt.

Gute Noten gab es dabei für die Sauberkeit der S-Bahnen, die mit 94,9 Prozent deutlich über der Zielmarke von 92 Prozent liegt. „Leider ist nur dieser Wert richtig ­erfreulich“, erklärte VRS-Direktor Jürgen Wurmthaler. Auch die Fahrgäste hätten diesen Punkt mit 2,5 gut benotet. Für Wurmthaler haben die 87 neuen S-Bahnen vom Typ ET 430 einen großen Anteil an dieser positiven Bewertung. Inzwischen sei keine S-Bahn in der Region Stuttgart älter als 13 Jahre. „Mit diesem hohen Standard können wir bundesweit punkten“, betont Wurmthaler. Der Verkehrsdirektor freut sich auch darüber, dass sich die Fahrgäste in den S-Bahnen sicher fühlen. Dafür habe es wie in den Vorjahren in den Interviews die Note 2,0 gegeben. Damit liege man deutlich über dem Zielwert von 2,5.

6 Kommentare Kommentar schreiben

Ehrlich sein und Druck machen!: Rechnen wir doch mal mit einem praktischen Beispiel, um die wahre DImension der schöngeschwätzten Statistiken des Herrn Wurmthaler darzustellen: Durch die Ausfälle und Pannen der letzten Jahre dürfte die S-Bahn für mich als Berufspendler allein im letzten Jahr an mindestens 20 Tagen ausgefallen sein bzw. wurde faktisch keine sinnvolle Leistung erbracht, da die Fahrtzeit von Stadtmitte bis Nürnberger Straße (und/oder zurück) um mehr als das Doppelte überschritten wurde oder ich z.B. auf dem Weg bis zu 2 mal umsteigen musste (bei 3 Stationen!). Eine entsprechende Entschädigung müsste also dem Gegenwert eines Monatsbeitrages für 2 Zonen entsprechen, da bewegen wir uns bei 80 €... Und das mindestens ab 2013, seither verzichtet der VVS / die S-Bahn-Stuttgart / der VRS nämlich auf jede Art von Kulanz. Hochgerechnet auf die Anzahl der S-Bahn-Kunden im VRS-Bereich entsprechen die "2,5 bis drei Millionen Euro" Rückzahlung von der Bahn also nicht annähernd dem angerichteten Schaden. Der Großteil wohlgemerkt verursacht durch verfallende Infrastruktur, die für S21 wegfallen soll und folglich seit Jahren nicht mehr ersetzt/erneuert worden ist - Stichwort Weichenstörung, Oberleitungsstörung, Signalstörung. Von Fehlplanungen wie den Schiebetritte bei den neuen S-Bahnen ganz zu schweigen. Wer macht solche Hätschel-Verträge mit der Bahn? Wo bleibt der entschiedene Druck, etwas zu ändern? Die "S-Bahn-Schnittchengipfel" unter sorgfältigem Ausschluss der betroffenen Fahrgäste sind zahnlose Showveranstaltungen: seit dem ersten Gipfel im Oktober 2013 sind trotz aller Versprechungen und Maßnahmen der Bahn die Pünktlichkeitswerte der S-Bahnen immer weiter abgesackt.

Türen: Einen weitern Anteil an den Verspätungen haben die Lichtschranken und die verzögerte Türöffnung (ca. 3 Sekunden) an diesen fahrenden "Piepshows" BR 430. So gehen beispielsweise zwischen Herrenberg und Kirchheim Teck ca. 1,5 Minuten allein auf das Konto der verzögerten Türöffnung. Mit den ach so "alten" Triebwagen BR 420 wäre das nicht passiert. Diese sind gerade mal 20 Jahre alt. Aber Hauptsache "Jede Sekunde zählt". Zudem hat sich der Verband Region Stuttgart vom Hersteller durch einen überteuerten Preis für die zusätzlichen zehn Züge über den Tisch ziehen lassen.

und die U-Bahnen!: das S-Bahn Chaos und Verspätungen ohne Ende gibt einen Vorgeschmack auf das was von 2016 bis 2019 (habe gestern einen Schrieb der SSB dazu bekommen) auf uns Stuttgarterinnen zukommt! die Streckensperrungen werden sicherlich ein erhebliches Durcheinander nach sich ziehen. Es kann ja nicht sein, dass einfach die Verbindung zwischen Staatsgalerie + Charlottenplatz für mehrere Monate gesperrt wird und die ganze Stadt davon einfach scheinbar nichts mitbekommt. Ich stelle mich auf massives Chaos ein!

Schönfärberei: diese Schönfärberei von Herrn Wurmthaler ist unerträglich. Bei diesen Höchstpreisen und Unpünktlichkeiten ist es ein bodenlose Frechheit sich in Nebensächlichkeiten wie die Sauberkeit der Züge auszulassen. Fehler können sich diese Herrschaften auch nicht eingestehen. Gänzlich ausgeklammert wird die Begrifflichkeit Stuttgart 21. Seit man da in den Schienenverkehr eingegriffen hat, hat sich die Situation noch mal verschärft.

statistik geschönt: Was die Bahn gern verschweigt: Züge, die früher wenden und damit ganze "Äste" an Haltestellen unbedient lassen und damit die Fahrgäste buchstäblich "im Regen", gelten nicht als ausgefallen (was es für die Stehengelassenen ja is), sondern sogar als "pünktlich", was eine Frechheit ist. Passierte früher gern am Flughafen (in Filderstadt guckten die Fahrgäste dann dumm) und passiert heute superoft in Schorndorf (und dann gucken die Menschen an den dahinterliegenden Stationen blöd aus der Wäsche). Bei einem 30 Minutentakt tagsüber, der ohnehin eine Zumutung ist, ist ein Zugausfall ne mittlere Katastrophe. Und er erscheint wie gesagt nichtmal in der Statistik.

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