Nahverkehr in Stuttgart Züge haben oft Verspätung

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Das Verkehrsministerium bestätigt: immer mehr Züge im ganzen Land sind zu spät dran. In Stuttgart hat jeder zehnte Zug mehr als sechs Minuten Verspätung. Die Bahn hat einen neuen Tiefpunkt bei der Pünktlichkeit erreicht.

Eines eint  S-Bahnen  und  Nahverkehrszüge im Land  – die Pünktlichkeit lässt immer mehr zu wünschen übrig. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Eines eint S-Bahnen und Nahverkehrszüge im Land – die Pünktlichkeit lässt immer mehr zu wünschen übrig.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Pünktlichkeit der Regionalzüge im Land und der S-Bahnen in der Region Stuttgart ist im Jahr 2013 auf einen neuen Tiefstand gesunken. Das geht aus einer Antwort des baden-württembergischen Verkehrsministeriums auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen (Grüne) hervor, die der Stuttgarter Zeitung vorliegt.

So waren im Bahnhof Mühlacker (Enzkreis) nur drei von vier Zügen pünktlich oder maximal vier Minuten verspätet, im Stuttgarter Hauptbahnhof betrug diese sogenannte Drei-Minuten-Pünktlichkeit 82,3 Prozent. Landesweit lag der Wert bei 86,74 Prozent, im Vorjahr waren es 87 Prozent. Bei der Fünfminutenpünktlichkeit sind die Werte ebenfalls gesunken. Im Stuttgarter Hauptbahnhof war einer von zehn Zügen sechs Minuten und mehr verspätet. Ähnlich schlechte Werte wiesen Aulendorf (Kreis Ravensburg), Mühlacker, Plochingen (Kreis Esslingen) und Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) auf. Die Jahrespünktlichkeit lag bei 92,93 Prozent, im Vorjahr waren es 93,64 Prozent. Auch bei der S-Bahn in der Region Stuttgart nehmen nach aktuellen Zahlen die Verspätungen weiterhin zu.

„Berufspendler kommen täglich zu spät“

„Diese Werte sind absolut unbefriedigend, weil Hunderttausende von Berufspendlern und andere Reisende täglich zu spät zum Arbeitsplatz kommen oder ihren Anschlussbus verpassen“, kritisieren Renkonen und sein Stuttgarter Fraktionskollege Nikolaus Tschenk. Im Vergleich zum Vorjahr 2012 habe sich die Pünktlichkeit bei den Regionalzügen und der Stuttgarter S-Bahn entgegen der Beteuerung der Deutschen Bahn nicht verbessert, sondern erneut verschlechtert. Im Jahr 2012 war ein Teil der Verspätungen mit Gleissperrungen im Stuttgarter Hauptbahnhof begründet worden, nachdem an einer Weiche mehrere Züge entgleist waren. Die anhaltende Misere sei nicht nur auf Bauarbeiten für das Projekt Stuttgart 21 zurückzuführen, sagte Tschenk. „Das können wir so nicht länger hinnehmen“, meinte der Grünen-Abgeordnete. Die Bahn werde zunehmend zum Ärgernis für die Landes- und die Regionalpolitik, ergänzte Daniel Renkonen, zumal sich Beschwerden häuften.

Veraltete Stellwerke und fehlerhafte Signale

Die beiden Politiker forderten, dass das Verkehrsministerium, das von dem Grünen Winfried Hermann geleitet wird, und die Region Stuttgart massiver gegenüber der Bahn auftreten. Sie regen an, dass der Verkehrskonzern halbjährlich einen Infrastrukturbericht vorlegt, in dem die Schwachstellen des Schienennetzes und Verbesserungsmaßnahmen aufgelistet werden. „Wir brauchen rasch umsetzbare Lösungen“, sagten Renkonen und Tschenk. Sie sehen die Hauptursache für die Verspätungen in der pannenanfälligen Schieneninfrastruktur, für die die DB Netz AG verantwortlich ist. „Viele Verspätungen sind nachweislich auf veraltete Stellwerke wie in Stuttgart-Vaihingen sowie fehlerhafte Signale zurückzuführen“, sagte Renkonen. Sie müssten schnellstmöglich saniert werden, „um das hochkomplexe Gesamtsystem zu stabilisieren“.

Die Bahn hatte Ende 2012 angekündigt, dass sie bis zum Jahr 2017 acht Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur in Baden-Württemberg investieren werde. Auf dem S-Bahn-Gipfel in der Region Stuttgart war seitens der Bahn von Investitionen in Höhe von 41 Millionen Euro in das Schienennetz die Rede.